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Hagenower Kreisblatt

03. Dezember 2016 | 20:49 Uhr

Ehrenfriedhof Hagenow : Wenn das Leiden sichtbar wird...

vom
Aus der Redaktion des Hagenower Kreisblatt

Ehrenfriedhof in der Parkstraße für Opfer des KZ Wöbbelin ist in diesem Herbst mit Aufwand umgestaltet worden

Es war einmal der Schützenplatz, aus dem auf Befehl der Amerikaner am 8. Mai 1945 ein Ehrenfriedhof wurde. „Hier ruhen die Leichen von 144 Opfern aus Polen, Russland, Griechenland, Tschechoslowakei, Belgien, Frankreich, Italien, Holland und Deutschland. Sie starben durch die Greueltaten der Nazis am Hungertod und unmenschlicher Behandlung in dem Konzentrationslager von Wöbbelin...“. So beginnt die Inschrift am großen Gedenkstein. Der war, wie vieles andere auf dem Friedhof auch, über viele Jahre kaum zu sehen. Jetzt ist das Grundstück in seiner ganzen Schlichtheit und Würde neu entstanden. Möglich wurde das durch die Zusammenarbeit des Vereins Mahn- und Gedenkstätten im Landkreis und der Stadt Hagenow. Hintergrund ist aber ein Beschluss, der im Landkreis bereits 2014 gefasst wurde. Danach sollten alle Gedenkstätten, die mit den Geschehnissen im KZ Wöbbelin in Verbindung stehen, einheitlich gestaltet und erlebbar aufgewertet werden. Neben Hagenow betraf das u. a. auch Ludwigslust und den Ehrenfriedhof in Sülstorf. Für den Hagenower Friedhof bedeutet das den Ersatz des morschen Holzportals, das fast mit 10 000 Euro zu Buche schlug. Dazu kam die Beseitigung des Wildwuchses, das Freilegen der Grabbereiche und der Aufbau eines Klinkerpodestes, das die Stadt Hagenow mit gut 2500 Euro ebenfalls bezahlt und aufgebaut hat. Unter Aufsicht der Künstlerin Dörte Michaelis natürlich, schließlich soll auch äußerlich auf den ersten Blick erkennbar sein, dass es sich um eine Gedenkstätte handelt, die mit dem KZ Wöbbelin in direkter Verbindung steht. Dass es überhaupt so kam, liegt an Colonel Cains von der 8. US-Infanteriedivision. Die 144 in Hagenow bestatteten Häftlinge waren nämlich Teil des Leichenberges, den die amerikanischen Soldaten in Wöbbelin vorfanden. Am 8. Mai 1945 wurden die 144 im Rahmen eines feierlichen Gottesdienstes unter Teilnahmepflicht der Hagenower Einwohner beerdigt.

Zu den neu aufgebauten Elementen, die in diesen Herbsttagen auf dem Friedhof aufgestellt wurden, gehört auch eine Informationsstele aus Edelstahl. Die hat auf der Rückseite ein Guckloch. Und wer dort durchsieht blickt auf das obige Foto, das 1945 gemacht wurde und die Grabstätten zeigt. Komplettiert wird der Friedhof noch durch eine extra Box für Flyer, gedacht für die Besucher des Friedhofes. Das alles steht jetzt, muss aber noch ein wenig von Nässe befreit werden. Die offizielle Einweihung gibt es aber erst am 8. Mai 2017, zum Jahrestag der von den Alliierten nach Kriegsende angeordneten Beerdigungsaktion.

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erstellt am 23.Nov.2016 | 11:47 Uhr

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