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Hagenower Kreisblatt

29. September 2016 | 17:17 Uhr

Hochwasserschutz : Umweltschützer gegen Abholzung

vom
Aus der Redaktion des Hagenower Kreisblatt

BUND erneuert Kritik an Hochwasserschutz-Vorhaben bei Boizenburg

Der Bund für Umwelt und Naturschutz (BUND) in Mecklenburg-Vorpommern  bleibt bei seiner Kritik an der geplanten Abholzaktion bei Boizenburg für einen besseren Schutz vor Hochwasser. Durch das Vorhaben sehen die Umweltschützer auf die Stadt sogar ein höheres Hochwasserrisiko zukommen. Hintergrund ist der Genehmigungsantrag des  Staatlichen Amtes für Landwirtschaft und Umwelt Westmecklenburg, auf einer Fläche von 5,6 Hektar  einzelne Bäume zu fällen und Sträucher zu beseitigen.  Dadurch soll sich nach Angaben des Umweltministeriums  im Bereich der Sudemündung in die Elbe  der Wasserabfluss  verbessern. Begründet wurde  das Vorhaben damit,  dass ein ständig zunehmender Bewuchs im Deichvorland hohe  Wasserstände verursacht. 

Die Umweltschützer argumentieren dagegen: „Die geplanten Abholzungsmaßnahmen  werden weder einen niedrigeren Hochwasserpegelstand noch eine Auflösung der Strömungsengstelle der Elbe vor Boizenburg selbst bewirken“, erklärte der BUND nach einem  Erörterungstermin mit Vertretern der Landesforst und der unteren Naturschutzbehörde in Schwerin.  Durch die Vertreter der Behörden sei eingeräumt worden, dass durch Abholzen des  Auwaldes kein niedrigerer Hochwasserpegelstand und auch keine Auflösung der Strömungsengstelle selbst erreicht werde. Die Absenkung des Hochwasserscheitels werde demnach weniger als einen Zentimeter betragen.

„Selbstverständlich hat die Sicherheit der Boizenburger Bürger Vorrang, so dass im Notfall auch zugestanden werden muss, in die Natur einzugreifen. Dann muss die beabsichtigte Maßnahme aber auch der Sicherheit der betroffenen Bürger dienen“, hieß es weiter.

 

Kaum geringerer Wasserstand erwartet 
Der BUND habe  bei dem Behördentermin  dargelegt, dass die Entfernung der Gehölze vor der scharfen Stromkurve der Elbe sogar gefährlich für Boizenburg werden könne, sagte Landesgeschäftsführerin Corinna Cwielag. Der betreffende Auwald diene tatsächlich als hochwertiger Schutz,   indem er die Strömung bei Hochwasserereignissen fern halte  und den Elbhang vor dem  Stadtteil Vier sowie den Elbdeich vor Erosion durch Wasserschlag und Eisgang abschirme.

Nach Darstellung des  BUND kann  die gewünschte und durch den Wasserbau postulierte Wirkung an dieser Stelle nicht erzielt werden.  Dem stünden die physischen Gegebenheiten des ausgewählten Gebiets entgegen, begründeten die Umweltschützer ihre Vorbehalte. Kritisiert wird, dass das  vorgelegte Strömungsmodell eine Zone des Strömungsschattens der Sude- und Boizemündung völlig auslässt. Dort würde jedoch bei Hochwasser ein verstärkter Einstrom stattfinden.

Deshalb ist es nach Ansicht des BUND  nicht nachvollziehbar, die Existenz eines hochwertigen und mit gutem Grund geschützten Lebensraums zu opfern. Das Auwaldgebiet vor Boizenburg sei  der einzige dieser Größe und Qualität im neugegründeten Biosphärenreservat Flusslandschaft Elbe.   Der Umweltschutzverband befürchtet, dass  die Flut nach Beseitigung des Auwaldes nicht zügiger abfließt, sondern, dass es  stattdessen zu einem Aufstau vor dem Elbhang kommt.Gewarnt wird zudem vor einer verstärkten Erosion des Elbhangs,  wenn die von Bewuchs  entblößte Landzunge ungehindert überspült werden kann.

 

Bürgermeister rechnet mit positivem Effekt
Boizenburgs Bürgermeister Harald Jäschke verweist darauf, dass nicht ein ganzer Wald abgeholzt, sondern einzelneBäume entfernt werden sollen. Er sieht in dem Vorhaben eine „Maßnahme, die uns helfen kann“ und die dazu beiträgt, „die Wasserhöhe zu kappen“. Die Erfahrungen hätten gezeigt, dass z. B. Unter- und Schwemmholz noch höhere Wasserstände verursacht hätten.

Das Umweltministerium beruft sich auf ein nach dem Hochwasser 2002 in Auftrag gegebenes Gutachten durch die Bezirksbehörde Lüneburg, nach dem die Gehölze im Deichvorland das Wasser um bis zu 45 Zentimeter ansteigen ließen.

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erstellt am 28.Dez.2014 | 15:48 Uhr

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