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Hagenower Kreisblatt

03. Dezember 2016 | 03:28 Uhr

Zarrentin : Time Park: Zeit für die Entscheidung läuft

vom
Aus der Redaktion des Hagenower Kreisblatt

Nach jahrelangem Kampf und Änderungen gibt es immer noch Zweifel und Widerstand zum Wohnungsprojekt, nicht nur in der Stadt Zarrentin

Die Fristen für alle Beteiligten, sich zu äußern, sind inzwischen abgelaufen. Damit hat die alles entscheidende Phase für das mit Abstand wichtigste innerstädtische Bauprojekt Zarrentins seit der Wende begonnen: Der Time Park. In den kommenden Wochen entscheidet sich nun, ob das Projekt im zweistelligen Millionenbereich die Planungsphase hinter sich lassen kann. Dieses Projekt aus neun Wohnhäusern mit insgesamt 72 Wohneinheiten, einem Komplex für betreutes Wohnen mit 84 Einheiten für bis zu 109 Bewohnern und noch einmal 34 Grundstücken soll die Lücke zwischen Kloster und Kirche und dem Wohngebiet Schaalseepark schließen. Doch auch nach jahrelangem Kampf und Änderungen gibt es Zweifel und Widerstand, nicht nur in der Stadt.

Vorwurf: Viel zu groß geplant?

Das ganze Projekt ist viel zu groß für die kleine Stadt Zarrentin geplant, ist ein Kernvorwurf der Bürgerinitiative „Pro Zarrentin“. Ihre Vertreter rechnen bei etwa 300 Wohneinheiten mit bis zu 700 Neubürgern, die in den kommenden Jahren in den „Time Park“ ziehen müssten. „Wo sollen so viele Menschen in so kurzer Zeit herkommen?“, fragen die Mitglieder der Bürgerinitiative. Vor allem die vom Bürgermeister Klaus Draeger öffentlich verkündete Prognose des Bevölkerungswachstums von sechs Prozent halten sie für völlig überzogen. Der Bürgermeister hat sich inzwischen in der Frage auf etwa 2,5 Prozent korrigiert, geht aber ganz fest von einem Zuzug von Bürgern nach Zarrentin aus. Das werde vor allem durch den Verkauf neuer erschlossener Grundstücke belegt. Mathias Redmann, Architekt und geschäftsführender Gesellschafter, kommt auf andere Zahlen. Er geht von insgesamt 190 Einheiten und damit etwas mehr als 360 neuen Einwohnern aus. Die offizielle Bevölkerungszahl von Zarrentin hat sich von 4661 im Dezember 2011 über 5140 im Dezember 2014 auf 5103 (Dez. 2015) entwickelt.

Knackpunkt Waldstreifen

Das größte Hindernis für das gesamte Vorhaben ist grün, wurde 2006 angelegt und schließt sich direkt an die viel höhere Uferbewaldung des Schaalsees an (Großes Foto). Angelegt wurde dieser Streifen als Ausgleichsfläche für den benachbarten Schaalseepark. Jetzt will der Investor, die „ewp Architektur- und Ingenieurbüro GmbH“, einen beträchtlichen Teil dieses Geländestreifens wieder umwandeln und zum Teil bebauen. Das Problem? Offiziell und damit auch rechtlich verbindlich ist diese Ausgleichsfläche Wald. Und um den zu roden, hat der Gesetzgeber hohe Hürden aufgetürmt. Zwar soll die Fläche nur zum Teil genutzt und durch einen kleinen Wall auch zum neuen Wald abgegrenzt werden, dennoch sind dem Investor die dort geplanten neun Grundstücke wichtig, weil sich für sie höhere Preise erzielen lassen. Für die Refinanzierung des insgesamt 90 000 Quadratmeter großen Grundstückes wäre das wichtig. Der Time Park ist von der Stadt bereits an eine mit „ewp“ verwandte Gesellschaft verkauft. Die Bürgerinitiative lehnt die Bebauung in Seenähe ab und fordert die komplette Erhaltung der Wald-Ausgleichsfläche ohne jegliche Veränderungen.

Hat die Stadt Geld verschenkt?

Der Meinung ist man jedenfalls bei der Initiative und führt dabei die für Zarrentin gestiegenen Grundstückspreise ins Feld. Nach ihren Schätzungen habe sich die Stadt einen Reinerlös zwischen drei und fünf Millionen Euro entgehen lassen. Stattdessen habe sich die Stadt ohne Not einem Investor ausgeliefert. Nach SVZ vorliegenden Informationen ist das Gelände des Parks für 2,5 Millionen an den Investor „ewp“ verkauft. Stadt und Investor haben die Summe nie bestritten.

Bürgermeister und Verwaltung sind komplett anderer Meinung. Man habe als Stadt mit der kleinen Verwaltung gar nicht die Möglichkeit, ein so großes Gebiet eigenständig zu vermarkten. Außerdem, so merkte es Dirk Schiewer von der Verwaltung an, habe die Stadt eben nicht nur Einfamilienhäuser an dieser zentralen Stelle gewollt, sondern auch betreutes Wohnen und Mehr-familienhäuser. Zudem stand für die Stadt ja auch die Rückzahlung eines Teils der Fördermittel an, die einst für das ursprüngliche Konzept zur Verfügung standen. Die Rückzahlung übernimmt nun der Investor.

Wuchtige Wohnblöcke am See?

In den ersten Planungen war noch von relativ wuchtigen Wohnblöcken mit einer Länge von 50 Metern die Rede. Und mit einer technisch erlaubten Höhe von 12 Metern hätten diese Bauten doch eine erhebliche optische Wucht gehabt. Doch davon ist längst keine Rede mehr. Die jetzt geplanten Mehrfamilienhäuser sind kleiner (Lupenbild) und erreichen eine maximale Höhe von zehn Metern (Investorangabe). Das ist nur ein Beispiel von vielen Änderungen, die der B-Plan 19 in den Jahren durchlaufen hat. In einigen Belangen ist auf die kritischen Hinweise der Bürgerinitiative bereits eingegangen worden. Beispielsweise bei den Parkplätzen für die Wohnhäuser. Die waren in den ersten Entwürfen nicht richtig verplant, es gab Befürchtungen, die vielen Neubürger könnten in dem Gebiet wild parken. Inzwischen sind ausreichend Parkplätze eingeplant. Sensibilität gilt auch bei den anderen Bereichen. So direkt am See. Dort will der Investor als Ausgleich die Böschung stabilisieren und auch nur einen Teil des vor Jahren neu angelegten Waldes nutzen. Ein weiterer Streitpunkt ist das vorhandene Regenrückhalte-becken, das der Investor verkleinern will. Aus Sicht der Initiative ist das zu gefährlich.

Welche Positionen von wem stehen sich hier gegenüber?

Sie gelten  als die Gegner und Verhinderer und werden darauf oft in der Stadt angesprochen, einige Mitglieder der Bürgerinitiative sprechen sogar offen von Ausgrenzungen. Die Initiative, die sich den Namen „Pro Zarrentin“ gegeben hat, vertritt nach eigenen Angaben die Interessen von gut 50 Grundstückseigentümern. Die meisten von ihnen kommen aus dem zum Time Park angrenzenden Wohngebiet Schaalseepark. Dass viele von ihnen aus den alten Ländern kommen, hat für zusätzliche Konfrontationen gesorgt. SVZ sprach konkret mit Tobias Knoch, Jörn Ende, Peter Walther und Peter Krausse. Auf der anderen Seite weiß Bürgermeister Klaus Draeger die komplette Stadtvertretung hinter sich, alle Beschlüsse für den Time Park sind bisher einstimmig gefasst worden. Und die politisch Aktiven gehen nach ihren Erfahrungen davon aus, dass die übergroße Mehrheit der Zarrentiner hinter dem Projekt steht.

Ein Fall für die Gerichte?

Jetzt muss entschieden werden, in die eine oder andere Richtung. Bürgermeister und Stadtvertretung gehen nach den vielen Änderungen und einstimmigen Beschlüssen davon aus, dass sie möglichst noch in diesem Jahr Baurecht bekommen. Damit das klappt  muss Jörg Lewin vom „Plankontor Stadt. u. Land GmbH“ seinen schwierigen Job erledigen. Er fasst im Auftrag der Stadt Zarrentin die zahlreichen Einwendungen von Behörden, Kommunen und Einwohnern zusammen und legt dann den endgültigen Entwurf vor. Das will er bis Ende November   erledigen. Dann wäre noch einmal die Stadtvertretung gefragt. Stimmt die dem Plan mit den noch zu erwartenden Änderungen zu, würde er durch eine einfache Veröffentlichung Gültigkeit erlangen. Dann käme es darauf an, ob jemand gegen den Plan gerichtlich vorgeht. Das können einzelne Bürger aber auch z. B. Organisationen wie Naturschutzverbände sein. Und dann käme es darauf an, ob so eine Klage aufschiebende Wirkung hätte. Dem habe der Gesetzgeber, so Planer Lewin, aber sehr hohe Hürden gesetzt. Er sei da entspannt.

 
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erstellt am 16.Okt.2016 | 08:30 Uhr

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