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Hagenower Kreisblatt

26. Juli 2016 | 08:30 Uhr

Zarrentin : Retter evakuieren Schule

vom
Aus der Redaktion des Hagenower Kreisblatt

Sechs Wassergefahrengruppen der DLRG üben gemeinsam den Ernstfall

Zarrentin Das Wasser steigt. Es bleibt wenig Zeit für die Lebensretter der DLRG, um die Zarrentiner Schule zu evakuieren. Sie stürmen das große Haus, in dem noch Menschen ausharren. Wo und wie viele, wissen sie nicht. „Zwei hier lang, zwei dort, wir gehen nach unten“, weist Dirk Ruß seine Gruppe an. Die Männer versuchen es an jeder Tür. Nichts. Die Minuten vergehen. Minuten, in denen es ums Überleben gehen könnte. Treppe wieder hoch, ins erste Geschoss. „Hier ist jemand.“ Ein junger Mann liegt zusammengekauert unter dem Tisch, lässt sich nur mit Mühe von Dirk Ruß aufrichten und zum Ausgang schleifen. Auch die anderen Helfer zerren die panischen Schüler durch den Flur.

An diesem Wochenende ist es nur eine Übung. Weil sie aber schnell real werden könnte, gehen die sechs Wassergefahrengruppen der DLRG in Mecklenburg-Vorpommern einmal im Jahr gemeinsam verschiedene Szenarien, Handgriffe und Abläufe durch – evakuieren, Sandsäcke schleppen, Treibgut sichern. An diesem Wochenende sind die Zarrentiner Gastgeber. Mit dabei sind  Gruppen aus Samtens, Stralsund und Rostock-Laage.

„Vieles haben sie noch nie gemacht. Da müssen sie sich rantasten“, erklärt Christian Hoschek vom DLRG-Landesverband MV. Intern trainiere jede Gruppe zwar öfter. Aber in dieser Runde könne man sich nochmal gut untereinander austauschen und voneinander lernen. Denn „jeder erlebt andere Fälle.“ Ganz wichtig sei die Vorbereitung, wie gehe ich in die Gefahrensituation, damit Rettern und Opfern nichts passiert. Beispiel Schul-Evakuierung: Es könnte eine Explosion im Chemieraum geben. „Gerade solche Übungen machen einem Punkt für Punkt mögliche Gefahren bewusst“, sagt Christian Hoschek. „Das prägt sich für den Ernstfall ein.“

Für die  Zarrentiner Retter wurde es in diesem Jahr nicht so oft ernst. „Es war ruhig“, sagt Mathias Meier, Technischer Leiter der 60-köpfigen Truppe. Sechsmal mussten sie ausrücken, zuletzt vor wenigen Tagen nach Hohenwieschendorf an die Ostsee, wo ein Segelschiff gekentert war. „Die Taucher waren da. Wir haben das Boot mit Leinen gesichert.“ Zweimal sind sie in Zarrentin ausgerückt. Ein Boot war abgetrieben. Ein weiteres Mal suchten sie nach einem angeblich Ertrunkenen, was sich als falsch herausstellte. Sogar nach Schwerin wurden sie gerufen, als dort im Sommer ein Mädchen ertrank. „Wir waren froh, dass wir dann doch nicht hin mussten. Mit Kindern ist es noch mal wieder schwerer.“

Die Ehrenamtlichen müssen viele schwierige Situationen händeln. Das ist auch bei der Übung zu sehen. Oft sind die Opfer  panisch, wehren sich gegen ihre Rettung, klammern sich fest. Dirk Ruß braucht Hilfe, um den Schüler vom Treppengeländer loszubekommen. „Das ging noch, das haben wir schon schlimmer erlebt“, sagt er hinterher. Ein Problem, gerade beim Evakuieren, erklärt Christian Hoschek vom Landesverband. Viele wollen ihr Eigentum verteidigen und einfach nicht mit. „Dann muss man auch schon mal härter anpacken“, sagt Dirk Ruß. Oder sie ziehen die Polizei zur Hilfe.

Zehn Minuten, dann ist die Zarrentiner Schule evakuiert. Dirk Ruß von der DLRG im Landkreis Rostock ist zufrieden. „Bis auf ein paar Eckpunkte.“ Welche, sagt ihnen Mandy Jahnke von der DLRG Zarrentin: „Funkgeräte einsetzen. Einer muss die Übersicht behalten, nicht alle einfach loslaufen. Und die Türen markieren, wo ihr schon ward. Ansonsten top.“ Nach einer zweiten Runde können sie es noch besser.

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erstellt am 28.Sep.2015 | 12:00 Uhr

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