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Hagenower Kreisblatt

09. Dezember 2016 | 16:33 Uhr

Hagenow : Rehe kennen eben keine Winterzeit

vom
Aus der Redaktion des Hagenower Kreisblatt

18 Wildunfälle in nur einer Nacht – die Zahl der Zusammenstöße ist seit der Zeitumstellung im Landkreis sprunghaft angestiegen

Rund 40.000 Euro Gesamtschaden nach 18 Wildunfällen in der Nacht war gestern eine der Polizeimeldungen für die Region.  Diese Zahl ist nach SVZ-Informationen ein neuer Tagesrekord für den Landkreis, der schon seit Jahren mit einer sehr hohen Anzahl von Wildunfällen lebt.

Verschärft hat sich die Situation besonders seit der Zeitumstellung Ende Oktober. „Das Phänomen kennen wir, das hat sich auch in diesem Jahr bestätigt. Durch die Umstellung tauchen vor allem die Binnenpendler früher auf den Straßen auf. Zumindest aus Sicht der Tiere, denn die kennen ja keine Zeitumstellung“, weiß Polizeisprecher Klaus Wiechmann von der Polizeiinspektion Ludwigslust-Parchim. Doch so eine Nacht der vielen Wildunfälle, wie jetzt registriert, hat auch der erfahrene Polizist noch nicht erlebt. „Bei 18 registrierten Wildunfällen, die sich von Sonntagabend bis Montagfrüh im Landkreis Ludwigslust-Parchim ereigneten, ist ersten Schätzungen zufolge ein Gesamtschaden von rund 40 000 Euro entstanden. Verletzt wurde niemand. Insbesondere in den   Abendstunden sowie am frühen Montagmorgen ereigneten sich auf den Straßen zwischen Boizenburg und Plau am See die Karambolagen, an denen vorwiegend Rehe und Wildschweine beteiligt waren.“

Allein 5000 Euro Sachschaden entstand  bei einem Zusammenstoß zwischen Damwild und einem Auto am Montagmorgen auf der Kreisstraße zwischen Moraas und Strohkirchen. Rund 4000 Euro dürften die Reparaturkosten an einem Pkw betragen, der am Sonntagabend auf der B 192 bei Goldberg ebenfalls mit einem Stück Damwild kollidierte.

Die Tendenz der sprunghaft ansteigenden Wildunfälle hatte sich bereits vergangene Woche gezeigt. Die Unfallorte lagen nahe Besitz, Blücher, Dersenow.  Berichtenswert war ein Zusammenstoß mit einem Hirsch nahe Quassel mit einem Sachschaden von 4000 Euro.  Doch nach den Statistiken der Polizei gibt es im Kreisgebiet eigentlich kein Schwerpunktgebiet, es knallt flächendeckend zwischen Auto und Wildtier. Das besonders die Zufahrtsstraßen zu den Autobahnen betroffen sind, liegt an den Berufspendlern. Wiechmann: „Wir können nur raten, an den  mit Wildwechsel ausgeschilderten Stellen  besonders aufmerksam zu sein. Mehr hilft nicht. Defensives Fahren, Tempo runter und bremsbereit sein. Und wenn ein Tier dann auftaucht,  bremsen und notfalls draufhalten. Bitte nicht ausweichen, sonst landet man noch am Baum oder im Straßengraben.“

Im Oktober wurden insgesamt 1378 Wildunfälle in Mecklenburg-Vorpommern aufgenommen. Das sind  47 pro Tag.  Im vergangenen Jahr wurden 2723 Wildunfälle registriert, davon allein 516 im Bereich des Revieres Hagenow und 382 im Boizenburger Polizeirevier. Es gab 2015 dabei 33 Verletzt und fünf Schwerverletzte. Über den Daumen ist damit jeder dritte Unfall bei uns mit Wildbeteiligung. Doch es gab Jahre, in denen noch mehr Wildunfälle passierten. Das war im Jahr 2012, in dem 3070 Wildunfälle gezählt wurden. Damals lag die Quote bei 40 Prozent, im Boizenburger Polizeirevier war jeder zweite Zusammenstoß wildbedingt.

Die Polizei rät noch aus einem anderen Grund zur Zurückhaltung, aufgrund ihrer nur sehr wenigen Streifenwagen pro Schicht kommen die Beamten in Spitzenzeiten kaum noch hinterher, die Unfälle amtlich zu bestätigen. Den Segen der Polizei brauchen die Autofahrer aber, wenn sie den Wildschaden bei ihrer Versicherung abrechnen wollen.

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erstellt am 07.Nov.2016 | 20:45 Uhr

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