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Hagenower Kreisblatt

31. Juli 2016 | 05:37 Uhr

Lübtheen : Rechtsruck in der Mittelschicht

vom
Aus der Redaktion des Hagenower Kreisblatt

Friedrich-Ebert-Stiftung stellt Studie über rechtsextreme Einstellungen in Deutschland in Lübtheen vor

Die Ergebnisse kamen etwas überraschend und machen zuerst einmal Mut: Rechtsextreme und menschenfeindliche Einstellungen verzeichnen in Deutschland einen deutlich rückläufigen Trend. Doch so positiv sind die Zahlen dann doch nicht. „Gleichzeitig gibt es aber eine Verlagerungen in subtilere Formen von Abwertung und Hierarchisierung“, sagt Ralf Melzer, Leiter des Projekts „Gegen Rechtsextremismus“ der Friedrich-Ebert-Stiftung Berlin.

In Lübtheen stellte er die zentralen Ergebnisse der neuesten „Mitte“-Studie: Fragile Mitte, feindselige Zustände – Rechtsextreme Einstellungen in Deutschland 2014 vor. „In bestimmten Bereichen ist Rechtsextremismus zurückgegangen, auf anderer Seite aber stark verbreitet“, so Melzer. Es sei oft kein harter Rassismus, der Zustimmung von den Befragten erhielt, sondern eher die „softeren“ Bereiche, die sogenannte gruppenbezogene Menschenfeindlichkeit.

„Die Studie spiegelt das wider, was wir hier als Problem vor Ort erleben“, sagt SPD-Bundestagsabgeordneter Frank Junge. Rechtsextreme Einstellungen seien kein Randphänomen mehr, sie seien in der Mitte der Gesellschaft vorhanden.


„Die netten Nachbarn von nebenan“


Dieses Problem kennt Ute Lindenau, Bürgermeisterin von Lübtheen, nur zu gut. Bis auf den großen Aufmarsch 2006 verhalte sich die NPD in Lübtheen eher ruhig. „Sie sind die netten Nachbarn von nebenan. Sie hoffen vielleicht so, mehr Wählerstimmen zu bekommen“, erzählt die Bürgermeisterin. Aber sie seien weiter in der Stadt, organisierten ihre Veranstaltungen und vernetzten sich untereinander. „Sie engagieren sich stark im Jugendbereich. Das ist ein großes Problem.“ In Lübtheen ziehe die rechte gegen die linke Seite. „Wir versuchen Kinder durch Bildung und verschiedene Angebote hier herauszuholen“, so Lindenau weiter. „Aber wir können es nur versuchen.“

Es lasse sich schwer in die Köpfe von Kindern und Jugendlichen hereinschauen, weiß auch Markus Welt vom Kreisjugendring . „Erwachsene sagen ja schon, die Politik sei ihnen fremd. Wie muss es dann erst für Jugendliche sein, wenn sie keinen richtigen Ansprechpartner haben und beispielsweise ihr Jugendclub schließt“, so Welz. „Und genau hier werden sie von den Rechten abgeholt und wahrgenommen.“ Deshalb sei es umso wichtiger, vor allem bei jungen Menschen schon die richtigen Akzente zu setzen und sie im Sinne der Demokratie und Weltoffenheit heranzuziehen.

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von
erstellt am 18.Nov.2015 | 16:47 Uhr

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