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Hagenower Kreisblatt

03. Dezember 2016 | 16:39 Uhr

Wittenburg : Ran an den Nachwuchs

vom
Aus der Redaktion des Hagenower Kreisblatt

Wittenburger Imker jammern nicht, mausern sich stattdessen mit eigenen Ideen zum zweitgrößten Verein in MV

Viele Vereine im Land klagen über mangelden Nachwuchs. Der Wittenburger Imkerverein packt das Problem lieber an und mausert sich damit zum zweitgrößten Verein in Mecklenburg-Vorpommern. Dafür gab es jetzt bei der Eröffnung des Bienenlehrpfades in der Dreilützower Chaussee Zuspruch von allen Seiten. 148 Arbeitsstunden und 21  000 Euro stecken bisher in dem Areal in der Gartenanlage. Dort sollen bald kleine Imker unter Aufsicht ihr erstes Volk hegen und pflegen (SVZ berichtete).

„Hier wird selbst für Nachwuchs gesorgt“, sagt Carsten Fischer vom Landesverband der Imker. Und das mit Erfolg. 60 Männer, Frauen und Kinder zählt der Verein inzwischen, Tendenz steigend. Nur Fischers Verein in Rostock hätte noch mehr Mitglieder.

Während andere Imkervereine den Landesverband in der Pflicht sehen würden, mehr junge Leute für dieses Hobby zu begeistern, gehen die Wittenburger ihre eigenen Wege. Kein „Landesverein mach mal“, sagt Carsten Fischer. Stattdessen gehen die Wittenburger Imker 2011 in die Schule und suchen direkt Kontakt zu den Kindern.

Da zählte der Verein nur noch 32 Mitglieder. Vor der Wende waren es einmal 123. Das war endgültig der Zeitpunkt, aktiv zu werden, erinnert sich Gudrun Müller, seit 1983 aktives Mitglied. Sie sammelten Spenden, aber „nicht um zu feiern, sondern für die Nachwuchsarbeit“.

Die „Arbeitsgemeinschaft Imker“ im Regionalen Schulzentrum war geboren. Seither probieren sich immer zehn bis fünfzehn Kinder in dem Nachmittagskurs am Imkern aus. Auch Carsten Levermann fand so zu seinem neuen Hobby. „Ich bin da eher reingerutscht“, sagt der 15-Jährige. In der fünften Klasse fing er an, hat mal reingeschnuppert in die Imkerei, später ein Volk übernommen. Jetzt hegt er fünf Völker zuhause im Garten. Warum? „Es macht Spaß, mit Bienen zu arbeiten.“ Dass jetzt der Bienenlehrpfad einen Schritt weiter ist, findet er toll. „Es ist schön, dass es das gibt.“ Viele Stunden hat er mitgeholfen, das zugewucherte Areal herzurichten.

„Wir haben lange gebraucht“, sagte der Vereinsvorsitzende Manfred Bork bei der Einweihung. Aber „jetzt haben die Kinder endlich einen eigenen Standort“. Die ersten beiden Völker sind schon da, sechs sollen es mal werden. „Wir wollen damit aber nicht groß in die Honigproduktion, sondern mehr in die Vermehrung.“

Ein Vereinshaus steht auf dem Gelände, die Bienenweide-Mischung mit Weißklee ist gesät. Im Herbst soll noch eine Hecke mit Bienenweidengehölzen gepflanzt werden. „Bis der Garten richtig fertig ist, werden noch viele Arbeitsstunden vergehen“, sagte Bork. Er hoffe, dass die Mitglieder das Vorhaben weiter unterstützen.

Jörn Vespermann hilft sogar mit, obwohl er nicht einmal Mitglied ist. Trotzdem war er vom ersten Spatenstich an dabei. Den „Zusammenhalt zwischen den Imkern“ zu sehen, das sei immer schön. Er entschied sich jetzt sogar für eine passive Mitgliedschaft. Zu den Bienen selbst hält er aber lieber Abstand.

16  000 Euro Leader-Fördermittel stecken bisher in dem Projekt, 1800 Co-Finanzierungsmittel der Stadt Wittenburg und 3300 Euro Eigenanteil des Vereins, unterstützt durch Sponsoren wie die Raiffeisenbank.

Bis alles so ist, wie es sein soll, braucht der Verein noch etwa 8000 Euro, schätzt Manfred Bork. In zwei, drei Jahren soll noch ein Schleuderraum entstehen und ein Lager für Waben.

Dass der Verein es zunächst bis hierhin geschafft hat, freut Wittenburgs Bürgermeisterin Margret Seemann. „Sie gehören zu den Vereinen, die nicht jammern, sondern sich selbst kümmern“, begründete sie ihre Unterstützung. Kinder für dieses Hobby zu begeistern, indem sie Verantwortung übernehmen, das sei toll.

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erstellt am 11.Okt.2016 | 05:00 Uhr

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