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Hagenower Kreisblatt

06. Dezember 2016 | 17:00 Uhr

Hagenow : Polizei entwaffnet verdächtige Jäger

vom
Aus der Redaktion des Hagenower Kreisblatt

Streit unter Jagdpächtern führt zu Polizeieinsatz bei Scharbow. Beschuldigte dänische Jäger weisen alle Vorwürfe zurück

Polizeibeamte des Hagenower Reviers haben bereits am vergangenen Sonnabend nahe Scharbow zwei dänische Jäger (47 und 70 Jahre alt)  entwaffnet und zum Revier mitgenommen. Beide waren durch einen anderen Jäger zuvor der Wilderei bezichtigt worden. Zudem, so die Behauptung des in der Region ansässigen Pächters, hätten die beiden Dänen kein Recht mehr zur Jagdausübung in dem Gebiet gehabt. Die beiden Beschuldigten bestritten alle Vorwürfe bei der Vernehmung. Sie hätten legal jagen dürfen, der eine durch einen Begehungsschein, der andere als Gast.

Hagenows Revierleiter Uwe Mathews bestätigte  auf Nachfrage unserer Redaktion die ungewöhnliche Aktion seiner Beamten. Nach der Alarmierung durch den Jagdpächter seien gleich drei Streifenwagen an die Stelle geschickt worden, wo das Auto der Verdächtigen stand. Das war am 29. Oktober gegen 18 Uhr. Um keine unnötigen Gefahren einzugehen, forderte die Polizei die beiden Jäger über Lautsprecher auf, zu ihrem Wagen zu kommen. Zumal die Beamten in der Nähe einen Schuss gehört hatten. Wenige Minuten später tauchte erst der eine und wenig später der andere Jäger auf. Die Polizei beschlagnahmte Waffen und Munition und nahm die beiden mit ins Revier. In einer ersten Polizeimeldung aus dem Rostocker Präsidium hatte es geheißen, dass  die  beiden Männer bei der Wilderei ertappt worden seien. Ein heimischer Jäger habe einen Tag später auch ein illegal geschossenes Reh gefunden. Ermittlungen ergaben, dass einer der Waidmänner das Revier unweit der Autobahn 24 Berlin-Hamburg zwar kannte, aber wegen grober Sicherheitsverstöße dort nicht mehr jagen durfte.

Die Vorwürfe des Jägers, der die Polizei rief, sind in der Tat heftig. Er berichtete der Polizei von einem schriftlichen Jagdverbot, das einem der Verdächtigen ausgesprochen worden sein soll. Der Mann habe Freigaben von Wild nicht beachtet, sich nie angemeldet und sei daher ein Sicherheitsrisiko gewesen. Ob das einen Tag später gefundene Reh wirklich illegal geschossen wurde, muss nun die Untersuchung ergeben. Und die wird im wesentlichen von der Staatsanwaltschaft in Zusammenarbeit mit der unteren Jagdbehörde des Landkreises geführt. Dann  wird auch geklärt werden müssen, ob die früheren Jagdrechte des einen Verdächtigen noch galten oder nicht. Die Polizei erklärte gestern nur, dass Aussage gegen Aussage stand.  Auch Vertreter des Hegeringes Hagenow, zu dem  das Gebiet gehört, hielten sich gestern in der Beurteilung der Lage sehr zurück. Es sei bekannt, dass es dort Streit gäbe.

Sven Drewke, der Vorsitzende des Kreisjagdverbandes, fand die Aktion gestern im Gespräch mit der Schweriner Volkszeitung höchst ungewöhnlich. „Solche Streitigkeiten kennen wir normalerweise nicht. Sicherlich gibt es an den Grenzen einzelner Jagdgebiete auch mal Meinungsverschiedenheiten, aber das ist ganz normal.“  Jäger, die sich nicht an die Regeln hielten, würden eigentlich schnell erkannt, sagte der Chef von derzeit 1100 Jägern im Altkreis Ludwigslust, die im Jagdverband organisiert sind. Jagdpachten, so Drewke weiter, würden recht langfristig in einem Zeitraum zwischen neun und zwölf Jahren vergeben. Allerdings habe es im vergangenen Jahr einen großen Wechsel bei den Pachten gegeben.

Bis gestern Nachmittag hatte Hagenows Polizei die beiden Jagdwaffen und Munition noch in Verwahrung, die beiden verdächtigen Jäger waren nach der Vernehmung sofort wieder auf freien Fuß gesetzt worden.

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erstellt am 02.Nov.2016 | 05:00 Uhr

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