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Hagenower Kreisblatt

28. September 2016 | 19:04 Uhr

Boizenburg : Lotse durchs Willkommen

vom
Aus der Redaktion des Hagenower Kreisblatt

Michal Solecki arbeitet seit einem Monat als Willkommenslotse für die Region

Auf jemanden wie Michal Solecki haben R.  und andere Flüchtlinge in der Region dringend gewartet. Seit Wochen geht es für  sie nicht vor und zurück. Sie haben zwar einen Aufenthaltstitel, aber sie können nicht arbeiten, wie sie es gern wollen, weil sie dafür einen Integrationskurs besucht haben müssen.  Das würden sie auch gern, doch vom Jobcenter gibt es immerzu die Auskunft, dass es gerade nicht genügend Interessenten für einen Kurs in der Nähe gibt. Die Wartezeit würden  sie gern mit einem Praktikum  überbrücken, doch erstens gibt es widersprüchliche Aussagen dazu, ob ihnen das erlaubt ist, und zweitens gibt es nicht so viele Arbeitgeber, die dazu bereit wären. Und wenn, dann sollen  diese besonderen  Praktikanten deutsch sprechen – verständlicherweise. Und hier beißt sich die Katze in den Schwanz: Es gibt derzeit keinen Integrationskurs.

Nun heißt es warten und immer wieder zum Jobcenter nach Hagenow fahren, wo den hier Schutz  suchenden teilweise noch nicht einmal verraten wurde, dass sie Anspruch auf die Erstattung der Bustickets haben, so dass sie die von ihrem sehr knappen monatlichen Budget bezahlen. Und das Warten fällt schwer und macht depressiv, denn so vereinzelt fällt vielen die Decke auf den Kopf. Zumal, wenn sie zwar eine  Wohnung  haben, die aber leer ist und z. B. ohne funktionierende Küche mit fließendem  Wasser, wie bei einem von ihnen gerade der Fall. Wie gesagt, sie würden sich alle sehr gern ihren Lebensunterhalt selbst erarbeiten.

Und hier kommt Michal Solecki ins Spiel. Mitglieder der Willkommens-Initiative, die an drei Nachmittagen in der Woche in Boizenburg ehrenamtlichen Deutschunterricht geben, nahmen Kontakt zu ihm auf. Letzte Woche besuchte er den Unterricht und konnte den Geflüchteten die dringend benötigten Informationen geben: Die Bustickets zum Jobcenter müssen erstattet werden. Wenn es einen Aufenthaltstitel für die Migranten gibt, können sie eine Arbeit oder ein Praktikum aufnehmen, so lange sie keinen Integrationskurs besuchen können – wenn es für die Betriebe kein Problem ist, dass sie kaum  oder wenig Deutsch sprechen. Die Geflüchteten müssen allerdings ihren Integrationskurs innerhalb der Zeit absolviert haben, für die ihr Aufenthaltstitel gilt.

„Ich habe meine Arbeit als Willkommenslotse vor einem Monat am Standort Hagenow aufgenommen“, erzählt Michal Solecki. „Meine Aufgabe ist nachhaltige Integration. Die Stelle wurde vom Bildungswerk der Wirtschaft geschaffen, weil letzten Endes die Unternehmen von den ausländischen Arbeitskräften profitieren werden.“   Er vermittle an Flüchtlinge die für sie notwendigen Informationen für ihre Integration in Deutschland und gehe andererseits direkt zu den Unternehmen.  Dort  fragt der Willkommenslotse nach offenen Stellen für die Migranten oder versucht die Unternehmen für die Schaffung solcher Stellen zu sensibilisieren. Bereits heute würden in kleinen und mittleren Unternehmen in MV qualifizierte Fachkräfte und Azubis fehlen. Um dem entgegen zu wirken, müssten die Unternehmen neue Wege gehen und die  Potentiale nutzen, die  der Integrationsprozess der Flüchtlinge hat. „Viele Unternehmen haben aber Angst, Kunden zu verlieren, wenn sie Flüchtlinge einstellen“,  weiß Solecki. „Gerade kleinere wie Tankstellen.“ 

Der Lotse informiert die Firmen auch über Fördermöglichkeiten bei der Integration. Interessierte können sich unter solecki@bildungswerk-wirtschaft.de bei ihm melden.

Solecki bietet übrigens auch Integrationskurse an, der nächste soll   am 19. September in Hagenow beginnen - wenn sich genügend Teilnehmer finden. Für West- und Ostmecklenburg gibt es ebenfalls Willkommenslotsen.

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erstellt am 15.Sep.2016 | 12:00 Uhr

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