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Hagenower Kreisblatt

26. Mai 2016 | 16:28 Uhr

Welttag des Radios : „Lass deine Finger sprechen“

vom
Aus der Redaktion des Hagenower Kreisblatt

Anlässlich des heutigen Welttages des Radios traf sich SVZ mit Bert Kiencke vom „Deutschen Amateur-Rundfunk-Club “ e.V. Hagenow

„Ach, die Russen wieder“, sagt Bert Kiencke belustigt, als aus dem Lautsprecher seiner Funkanlage Stimmengewirr ertönt. „Da muss man sich erst mal reinhören. Es ist normal, wenn man als Laie nicht allzu viel versteht“, erklärt er und dreht weiter am Frequenzrädchen.

Der Mann, dessen Rufzeichen DL4ZZ laute, sei schon seit 1997 in dem Verein des „Deutschen Amateur-Rundfunk-Club e.V. Ortsverband Hagenow“, berichtet der 42-Jährige. Seine Truppe vereint 12 Mitglieder. „Bei den Funkern wird die Region in Distrikte aufgeteilt, ähnlich wie unsere Bundesländer. Diese teilen sich wiederum in Ortsverbände. In Hagenow heißen wir ‚Victor 19’“, erklärt der gebürtige Kuhstorfer im SVZ-Gespräch.

„Das Wichtigste beim Funken ist, Kontakte mit Funkamateuren auf der ganzen Welt herzustellen“, verrät Kiencke. Je weiter die Entfernung, desto besser. Kürzlich hätte er an zwei Amateurfunk-Wettbewerben teilgenommen. „So vertrödelt man schon mal fast den halben Tag“, berichtet er und lacht. Trotzdem würde er sich gern noch viel öfter Zeit für sein Steckenpferd nehmen. Das weiteste Signal, das ihn erreichte, kam aus Neukaledonien. Er ruft das Internet auf und zeigt das Bild des Mannes, der auf den französischen Inselgruppen lebt.

„Natürlich kann man über Funk Gespräche führen. Aber bei den Wettbewerben geht es primär darum, so viele Kontakte wie möglich, in einer vorgeschriebenen Zeit einzufangen. So schicke ich meistens über das Morse-Gerät einen Code, der bei dem jeweiligen Teilnehmer auftaucht. Neulich hatte ich über 100 Signale von anderen Amateurfunkern bekommen“, erinnert sich Kiencke, der bei der Bundeswehr arbeitet und so sein Hobby zum Beruf gemacht hat. Er selbst sei bereits seit 16 Jahren in dem Verein für die Kurzwelle zuständig. Das Schönste am Funken sei es für ihn, dass er mit wenigen Gerätschaften und mit Morsezeichen Kontakt in jede Ecke der Welt herstellen könne.

„Lass deine Finger sprechen. Es ist eben eine Weltsprache, die man nicht sieht, aber jeder versteht“, betont Kiencke. Auf der Kurzwelle Signale zu empfangen sei nicht ganz einfach, gesteht er. „Das Wetter und die Tageszeit spielen dabei eine ziemlich große Rolle. Wenn Polarlichter auftauchen, klappt das mit dem Funken so gut wie gar nicht. Die Atmosphäre ist für die Zeit komplett gestört.“

Doch die Amateurfunker aus Hagenow und Umgebung sei nicht nur auf der Jagd nach neuen Kontakten. Die Truppe veranstalte auch eine „Distrikt-Fuchsjagd“. Dabei würden Peilsender im Wald versteckt und jedes Team erhalte vor Beginn eine Karte. „Das macht viel Spaß“, meint Bert Kiencke. „Im Club fachsimpeln wir oft.“ Sekunden später zeigt er ein Foto, auf dem sein Auto verlassen an einem Strand bei Sonnenuntergang steht. Eine überdimensionale Antenne ragt aus dem Dach empor. „Da war ich in Dänemark auf einer Insel. Ich saß im Auto, auf dem Schoß der Laptop und auf dem Beifahrersitz stand mein Funkgerät. Das war klasse“, schwärmt Kiencke, der ein Verfechter von Kommunikation ohne dritte Infrastruktur sei. „Im Notfall, wenn Handy-Netz und Strom ausfallen, kann ich innerhalb einer halben Stunde Kontakt zur Außenwelt herstellen. Mit der Kurzwelle kann man völlig autark arbeiten und das ist ein tolles Gefühl.“



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erstellt am 13.Feb.2016 | 16:00 Uhr

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