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Hagenower Kreisblatt

08. Dezember 2016 | 05:06 Uhr

Wittenburg : Knorriges Holz hat es ihm angetan

vom
Aus der Redaktion des Hagenower Kreisblatt

Hobby-Schnitzer Jürgen Schulze aus Wittenburg will am 6. November und 4. Dezember in der Heimatstube einige seiner Werke zeigen

Betritt man das Anwesen von Jürgen Schulze in der Hagenower Chaussee, ist eines schnell klar: hier wird Holz gelebt und geliebt. Auf dem Hof, entlang der Apfelplantagen, in Regalen am Haus, in der Werkstatt und im kleinen Gartenhaus stehen kunstvoll geschnitzte Figuren. Buhlen allesamt um die Aufmerksamkeit des Betrachters.

„Das hier könnte auch mal eine interessante Figur werden. Wichtig ist, dass das Holz immer einen Ansatz für die Nase und damit ein Gesicht hat“, erklärt der 75-Jährige an einer Verwachsung, die aus der Veredlungsstelle eines Obstbaumes stammt. Seine Hände wiegen das Stück bedächtig hin und her, so, als wolle der gebürtige Sachsen-Anhaltiner ertasten, was er demnächst von überflüssigem Material entfernen müsse, um ein neues Kunstwerk auf die Welt zu bringen. Denn Schulze schnitzt sich mitunter die Seele aus dem Leib.

„Manchmal sitze ich bis morgens um Einse, wenn es gut läuft und viel Spaß macht“, verrät der Senior, während er ununterbrochen heranschleppt, was ihm sehenswert scheint. Stück für Stück wurde er in den letzten 15 Jahren zum Experten in puncto Kreativität, Genauigkeit und Feinheit. Schnitzeisen, Hammer, Stechbeitel, Axt, Dremel Kreissäge, Schleifpapier und Messer sind seine Verbündeten. In Wittenburg lebt der gelernte Gärtner seit 1966. „Der Obstbau und die Liebe haben mich hierher verschlagen“, schmunzelt Schulze. Und schaut liebevoll auf seine Frau Dietlind, die selbstgepressten Apfelsaft und Mineralwasser für den Gast bringt. Etwa 200 kleine und große Skulpturen hat er bereits aus den verblüffenden Launen der Natur befreit. „Zu 50 Prozent sagt das Holz mir, was es einmal darstellen möchte. Wenn es mir dann in den Fingern kribbelt, sitze ich nicht selten auch bis zu zwei Wochen an einem Werk.“ Besonders jetzt, wo die Tage immer früher schlafen gingen, beginne wieder die Schaffenszeit. Schon als Kind habe er gern an irgendwelchen Knüppeln rumgeschnitzt, die seine Fantasie angeregt hätten, erinnert sich der Hobby-Schnitzer, der auch einst in der GPG Wittenburg arbeitete. Einen kleinen Querschnitt seines Schaffens will die örtliche Heimatstube auf dem Amtsberg am 6. November und 4. Dezember jeweils von 14 bis 17 Uhr zeigen. Interessierte sind herzlich eingeladen, Jürgen Schulze über die Schulter zu schauen, wie er knorrigen Fundstücken zu neuem Leben und Ausdruck verhilft. „Schnitzen ist meine große Leidenschaft. Die Arbeit mit Holz macht mich glücklich.“ Spricht’s, und zeigt lächelnd auf seine ganz eigene Ahnengalerie im Fenster. Die hölzernen Köpfe von Frau, Tochter und sich selbst.

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erstellt am 13.Okt.2016 | 12:00 Uhr

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