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Hagenower Kreisblatt

03. Dezember 2016 | 05:37 Uhr

Wittenburg : Klau am Bau wird immer dreister

vom
Aus der Redaktion des Hagenower Kreisblatt

Langfinger haben Wittenburger Firma bereits Schaden von über 24 000 Euro verursacht. Polizei sieht in den Taten kein Massenphänomen

Der Klau am Bau hat offensichtlich Hochkonjunktur: Waren es noch bis vor kurzem  Werkzeug- und Dieseldiebe sowie  Material-Langfinger, die  Firmen oft  in die Verzweiflung trieben, werden jetzt sogar Bagger, Rüttler und Radlader gestohlen.

„Die Diebstähle gehen mittlerweile in die Tausende“, beklagt Franko Wolter, einer der Geschäftsführer der Landeskultur- und Tiefbau Wittenburg GmbH im SVZ-Gespräch. Seine Leute realisieren den Radweg von Wittenburg nach Waschow.     Einen Bodenverdichter haben unbekannte Täter in der Nacht zum Montag von dieser Baustelle gestohlen. Offenbar gingen sie  gezielt vor, um an die rund 12 000  Euro teure Baumaschine  zu gelangen. Der Rüttler war  mit der Schaufel eines Radladers gegen Diebstahl gesichert worden. Das hinderte die Diebesbande nicht,  an die Beute  heranzukommen.     Die Polizei prüft nun einen Zusammenhang zu einem ähnlichen Diebstahl Mitte September diesen Jahres in Hagenow. Auch dort hatten Diebe  von einer Baustelle einen mehrere Tausend Euro teuren Bodenverdichter gestohlen. 

„Außerdem wurde uns kürzlich ein Radlader komplett auseinandergenommen. Nur das Gerippe und der Motor wurden zurückgelassen. Hier entstand  der Firma  ein Schaden von mindestens 12 000 Euro“, berichtet Wolter   frustriert. „Diese Diebstähle haben alle an der Straße stattgefunden. Des Nachts, und niemand will etwas gehört oder bemerkt haben. Das ist schon merkwürdig.“ Gerade die Rüttelplatte sei ja noch gestartet worden und habe Lärm gemacht. Zwar sei die Technik versichert, aber man bleibe immer auf einem Teil des Schadens sitzen. „Es trifft regionale Unternehmen, die bestohlen werden. Wir werden hochgestuft und die Zeche  zahlen alle.“ Wolter richtet seinen Hilferuf an die Bevölkerung, bei merkwürdigen Aktivitäten an Baustellen, besonders nachts, die Polizei zu alarmieren. Und nicht wegzuschauen.

Der Glaube an die Wehrhaftigkeit des Staates steht auf dem Spiel. Für Polizeisprecher Klaus Wiechmann ist es jedoch kein kriminelles Massen-Phänomen. „Seit Jahren kommt es leider Gottes immer mal  zu Diebstählen auf Baustellen. Was zugenommen hat, ist die Dreistigkeit, mit der die Täter vorgehen. Und ihr Einfallsreichtum.“ Beides  sei  kaum noch zu überbieten. „Die Kriminellen  gehen jetzt auch das Risiko ein, entdeckt zu werden.“ Als Beispiel führt Wiechmann den kürzlichen Diebstahl eines großen  Gerüstes an der Brückenbaustelle in Wöbbelin an. „Es wurde von den Dieben  nachts in aller Seelenruhe abgebaut, während nebenan auf der A 24 der Fahrzeugverkehr rollte.“ Die Täter, vermutet Wiechmann, seien  gut organisiert sowie  vernetzt in Richtung Osteuropa und hierzulande. Er rät  Baufirmen,  hochwertige und teure Technik, die nachts ungeschützt dagelassen werde, entweder noch besser zu sichern, mitzunehmen oder gar bewachen zu lassen. „Die Ermittlungen zu diesen Straftaten  sind äußerst schwierig. Doch wir haben Diebesbeute auch schon wiedergefunden. Dort, wo sich diese Fälle häufen, bestreifen wir auch verstärkt die Gegend.“

Für Edgar Hummelsheim, den Hauptgeschäftsführer der Handwerkskammer Schwerin ist der Klau vom Bau „ein leidiges Dauerthema“. Und das schon seit vielen Jahren. „Firmen erleiden in großem Umfang Schäden durch diese Diebestouren. Das führt natürlich aus den Reihen der Handwerkerschaft immer auch zu Kritik gegenüber der Polizei. Besonders Baufirmen beklagen einen zu geringen Aufklärungsdruck durch die Beamten.“ Es müsse sich grundsätzlich etwas an der Einstellung zu dem Kriminalitäts-phänomen bei Politik, Justiz und Polizeiführung ändern, um die innere Sicherheit und den Schutz des Eigentums endlich  besser gewährleisten zu können.

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erstellt am 13.Okt.2016 | 21:00 Uhr

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