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Hagenower Kreisblatt

06. Dezember 2016 | 18:59 Uhr

Biogas in Bresegard : Gemeinde will mehr Einfluss

vom
Aus der Redaktion des Hagenower Kreisblatt

Vier Geflügelmastanlagen, zwei Biogasanlagen, neue Baupläne – Gemeinde zieht die Reißleine und setzt auf Mitgestaltung

Bresegard ein Biogas-Dorf? Die kleine Gemeinde bei Picher will sich nicht länger mit ihrem scheinbaren Schicksal abfinden und hofft jetzt durchs Hintertürchen mehr Einfluss auf die Entwicklungen im Dorf nehmen zu können. Dafür legten die Einwohner am Dienstagabend mit einem Beschluss den Grundstein in der Gemeindevertretersitzung. Dabei sind sie nicht generell gegen Biogas-Vorhaben. Aber sie wollen  mit steuern, was, wo und wie gebaut wird. Genau das können sie bei den  privilegierten Anlagen, die kein gesondertes Planungsrecht verlangen, bisher nicht.

Vier Geflügelmastanlagen, zwei Biogasanlagen – als dann noch der Antrag für einen weiteren Neubau und eine Erweiterung ins Haus flatterten, stand fest, „jetzt müssen wir etwas tun“, sagte Bürgermeisterin Marianne Röckseisen. Und sie fand einen Paragrafen im Baugesetzbuch, der der Gemeinde mehr Einfluss ermöglichen könnte. Und zwar über eine Teilfortschreibung des Flächennutzungsplanes. Dort könnten die Bresegarder konkret festlegen, welche Vorhaben wo möglich wären, und damit den Ausbau regenerativer Energien lenken.

Auch wenn das die Gemeindekasse mit mehreren tausend Euro zusätzlich belasten würde, sehen die Bresegarder es als einen Versuch, „mehr Druck“ ausüben zu können. „Was wir dadurch erreichen, ist ungewiss“, so Marianne Röckseisen. Denn ob der Landkreis das so akzeptiert, stehe noch in den Sternen. Dass die Pläne schon  Reaktionen der Anlagen-Betreiber hervorrufen, mache der Gemeinde aber Mut, diesen Weg weiterzugehen. Erste Bauanträge sind bereits relativiert beziehungsweise geändert worden.  Und genau das ist die Hoffnung.

Wenn die Bresegarder keinen neuen Flächennutzungsplan aufstellen, könnte die neue Biogasanlage so gebaut werden, wie sie am wirtschaftlichsten ist, befürchtet die Bürgermeisterin. Das sei dann natürlich alles im Rahmen der Vorschriften, aber das heiße nicht, dass die Anlage nicht wahrgenommen werden würde.

Bei dem Neubau-Vorhaben handelt es sich laut Marianne Röckseisen um ein Projekt der Agrarproduktion Bresegard/Picher, die Ackerbau und Muttertierhaltung von Rindern betreibt. Sie hat kürzlich auf Bio umgestellt und will künftig eine 75 Kilowatt-Biogasanlage mit bis zu neuneinhalb Meter hohen Behältern betreiben – mit Gülle und Mist der Rinder.

Den Betrieb zu fördern und zu stärken, sei dem Dorf einerseits wichtig, so Marianne Röckseisen. „Andererseits müssen wir den bestmöglichen Kompromiss für alle finden.“ Dabei geht es um Emissionen, das Landschaftsbild und die Belastung der Straßen durch den Lkw-Verkehr. Der Knackpunkt sei auch, was weitere Anlagen mit der „Gesamtprägung“ des Ortes machen? „Klein Bresegard mit drei Biogasanlagen – was hätte das für Auswirkungen in der Zukunft?“

 Bis zum 23. Oktober müssen die Bresegarder noch ihr gemeindliches Einvernehmen zum Vorhaben der Agrarproduktion abgeben. Das ist am Dienstagabend im nicht-öffentlichen Teil der Sitzung nicht gelungen. „Es fällt uns nicht leicht“, sagte Marianne Röckseisen. Jetzt abzuwägen, was der beste Weg ist, sei extrem schwierig. Die Entscheidung soll am 17. Oktober fallen.

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erstellt am 05.Okt.2016 | 21:00 Uhr

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