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Hagenower Kreisblatt

05. Dezember 2016 | 11:28 Uhr

Neuhaus : Frust über Verlust der Garagen

vom
Aus der Redaktion des Hagenower Kreisblatt

Aus ehemaligen Garagenbesitzern werden Mieter Gemeinde ist Grundstücksbesitzer und damit auch Eigentümer der Gebäude

Eine Menge an Frust und Enttäuschung hat sich bei den Garagenbesitzern in der Neuhauser Bahnhofstraße aufgestaut (SVZ berichtete). Ab 2017 sind sie nur noch die Mieter ihrer Garagen, denn nach dem Schuldrechtsanpassungsgesetz von 2002 ist der Grundeigentümer - in diesem Falle die Gemeinde - auch immer der Eigentümer der Gebäude, die darauf errichtet sind. Ihren Frust wurde gestern eine Reihe von Garagenbesitzern los, als sie in Mikrofon und Kamera eines NDR-Teams sprechen konnten. Klaus Fichte hatte den Kontakt zum NDR hergestellt und nachgefragt, ob dieses Thema nicht etwas für die Verbrauchersendung „Markt“ wäre. Der NDR war interessiert und schickte Redakteurin Susan Penack, Kameramann Frank Groth und Tontechniker André Bomberg, die, bevor sie nach Neuhaus kamen, in Boizenburg zum gleichen Thema gedreht hatten.

Die Gemeinde ist zurzeit dabei, alles neu zu regeln. Ab 2017 können die Garagen gemietet werden, allerdings nicht mehr für 37 Euro Pacht im Jahr wie bisher, sondern für 180 Euro Jahresmiete. Doch der Großteil der bisherigen Garageneigentümer kann die Vorgehensweise der Gemeinde nicht nachvollziehen und fühlt sich in seinem Recht beschnitten. „Wir sollen für unser Eigentum nun Miete bezahlen, das ist doch nicht zu verstehen“,empört sich Klaus Fichte. Er ist einer von wenigen, die an dem Garagenkomplex noch selbst mitgebaut haben. Damals zu DDR-Zeiten wurde nicht gefragt, wer der Eigentümer der bebauten Grundstücke war. Es gab eine Baugenehmigung, der Komplex wurde in Eigenleistung gebaut und fertig. Heute haben die meisten eine Garage von Verwandten übernommen oder sich eine gekauft. „Das kommt doch einer Enteignung gleich, wenn man für Eigentum Miete bezahlen muss. Und die ist auch noch so stark angestiegen“, so Klaus Fichte.

Aufgekommen war alles, weil die Entwässerung nicht klappte und Regenwasser in ein Gebäude der angrenzenden Tischlerei Dittmer lief. In der Politik fragte man sich, wer denn als Grundstückbesitzer für die Kosten der Entwässerung aufkommen müsste. Bisher hatte man sich um den Garagenkomplex nicht weiter gekümmert. Die Sache verkomplizierte sich noch einmal, als die Tischlerei einen Kaufantrag für ein Grundstück bei der Gemeinde stellte, um ihr Betriebsgelände erweitern zu können. Ein B-Plan, der die Flächen als Gewerbegebiet ausweist, liegt schon sehr lange vor. Dann müssten von den insgesamt 76 Garagen sogar etwa 30 abgerissen werden, was für zusätzlichen Zündstoff sorgte.

Verwaltung und Politik bemühen sich derzeit, einen Kompromiss für die Tischlerei Dittmer zu finden, die in ihren Arbeitsabläufen stark eingeschränkt ist und eine Erweiterung benötigt. Eine Lösung könnte sein, eine Erweiterung nicht in Richtung Garagen, sondern in entgegengesetzter Richtung in den Wald hinein zu realisieren. „Die Vorgespräche sind noch nicht abgeschlossen, aber wir arbeiten daran, eine Lösung zu finden, so dass die Tischlerei erweitern kann und die Garagen weiterhin genutzt werden können,“ so Bauamtsleiterin Bettina Blankenhagen. Das kann alles dauern, aber auch Joachim Dittmer würde sich freuen, wenn die Erweiterung auf diese Weise erfolgen könnte.

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erstellt am 29.Nov.2016 | 21:00 Uhr

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