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Hagenower Kreisblatt

03. Dezember 2016 | 20:48 Uhr

Lübtheen : Elternwache gegen aggressiven Schüler

vom
Aus der Redaktion des Hagenower Kreisblatt

Achtjähriger hielt seit Monaten mit gewalttätigen Übergriffen eine Lübtheener Grundschule in Atem. Eltern beklagen Untätigkeit der Behörden. Schule weist Vorwürfe zurück.

Hat ein weiterer unerkannter Fall von Kindeswohlgefährdung in Schwerin jetzt zu einer Eskalation an der Grundschule Lübtheen geführt? Ein achtjähriger Junge, der zuvor an Schulen der Landeshauptstadt unterrichtet wurde, soll durch extrem ungewöhnliches Verhalten den Schulfrieden stören. Nach Angaben seiner Mutter war er vorher in Schwerin selbst Opfer von Schikanen geworden.

Am Montag taten sich in Lübtheen aufgebrachte und ratlose Eltern zu einer Mahnwache zusammen, um ihre Kinder während der Hofpause vor dem Achtjährigen zu schützen. In zahlreichen Berichten, die der SVZ teils schriftlich vorliegen, ist von anhaltenden, auch deutlich sexuellen Übergriffen, die für einen Jungen seines Alters völlig untypisch sind, in den Hofpausen, auf der Mädchentoilette und zum Teil im Unterricht die Rede. Als der Achtjährige ankündigte (entsprechende Zeugenaussage liegt der SVZ vor), er wolle am Montag einen Mitschüler „abstechen“, reichte es einigen  Eltern. Mehrere erstatteten Anzeige, Polizisten informierten sich vor Ort und schalteten nach Angaben von Polizeisprecher Klaus Wiechmann das Jugendamt ein. 

Die aufgebrachten Eltern verlangten von der Schule, das Problem schnell zu lösen und auch dem Jungen zu helfen. „Ansonsten nehmen wir unsere Kinder sofort von der Schule“, erklärte Kathrin Dahlenburg namens aller Eltern gegenüber. Unterstützung bekam sie von Anja Ludwig, Elternratsvorsitzende der betroffenen Klasse. Sie hatte bereits zuvor per Brief an Schulleiter Andreas Cordt das Problem benannt und auf schnelle Lösungen gedrängt.

Die angesichts der Elternproteste sichtlich aufgelöste Mutter nahm ihren  Jungen sofort von der Schule. Bald soll er – wie schon vor der Eskalation vorbereitet - für drei Monate in einer Spezialkindereinrichtung in Schwerin behandelt werden. Insofern wies Schulleiter Cordt die Vorwürfe, die Schule hätte nicht gehandelt, energisch von sich. Man habe mit allen Mitteln versucht gegenzusteuern. Nähere Auskünfte lehnte er aus Gründen des Kindesschutzes ab.

Nach Angaben der Mutter war ihr Junge zuvor an zwei anderen Schulen. An einer Schweriner Schule habe er massive Gewalt und Erniedrigung erlitten. Diese Angaben konnten gestern nicht überprüft werden. Das Kreis-Jugendamt jedenfalls erfuhr erst am Montag vom Fall, sagte Kreissprecher Andreas Bonin. Sofort sei eine Mitarbeiterin vor Ort geeilt, auch um den betroffenen Eltern Beratungsangebote zu machen. Das weitere Vorgehen werde nun mit dem schulpsychologischen Dienst beraten. Schulamtsleiter Gerd Jaacks gestern: „Ich weiß, dass die Eltern mit Recht unzufrieden sind, weil es nicht schnell genug geht. Wir werden aber nicht an einem Tag entscheiden können, ob der Junge weiter schulfähig ist. Das wird  in Abstimmung mit dem Jugendamt entschieden.“ 

Wenn Kinder in Gefahr sind, muss es schnell gehen. Der Fachdienst Jugend des Landkreises ist an Werktagen immer erreichbar. Der schnellste Weg führt über die Behördennummer 115. Abends oder an Wochenenden empfiehlt sich bei Notlagen ein Anruf bei der Leitstelle unter 0385 50000. Die verständigt dann die Diensthabenden des Jugendamtes. Zusätzlich gibt es die kostenlose  Kinderschutzhotline: 0800 1414007.
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erstellt am 11.Jan.2016 | 17:42 Uhr

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