zur Navigation springen

Hagenower Kreisblatt

04. Dezember 2016 | 04:51 Uhr

Weihnachtszirkus : Die Weihnachtsreiterin aus Boddin

vom
Aus der Redaktion des Hagenower Kreisblatt

Im kleinen Boddin bei Wittenburg schlägt wieder das Herz für einen ganz besonderen Zirkus, den es so nur zu Weihnachten gibt

Die Werbebanner hängen schon seit Tagen unübersehbar in vielen Orten und wichtigen Kreuzungen, dabei ist für die Premiere des Weihnachtszirkus in Schwerin noch einige Wochen Zeit. Doch die gut 500 Karten für die erste Vorstellung an Heilig Abend sind schon eine Weile ausverkauft. Indiz dafür, dass dieses besondere Projekt über die Festtage für die Organisatoren inzwischen vom Abenteuer zu einer planbaren Größe geworden ist.

Es ist kein normales Zirkusunternehmen, das da Ende Dezember in Schwerin Krebsförden auftreten wird. Es ist ein Zirkusprojekt, zusammengestellt für diese Zeit. Und die Zentrale dieses Unternehmens ist in einem kleinen, bescheidenen Büro in Boddin zwischen Lützow und Wittenburg zu finden.

Ralf Huppertz ist das Herz des Ganzen, das sieht und hört man auch sofort bei einem Besuch. Sein Handy steht faktisch niemals still. Trotzdem wird er im Gespräch nicht müde, die Vorzüge des neuen Programmes zu preisen. Besonders stolz ist der Zirkusmann auf die „Romeros“, eine neunköpfige brasilianische Truppe, die eine waghalsige Nummer auf der “Russischen Schaukel“ präsentieren wird. Vorführen kann man noch nichts, denn die Brasilianer reisen noch an. Ähnlich sieht es auch bei einigen anderen Nummern des Programmes aus, das insgesamt 17 Punkte umfasst. Viele Künstler kommen aus anderen Teilen Deutschlands, eine komplette Probe des Programmes wird so erst ganz kurz der ersten Vorstellung möglich sein.

Geprobt wird dennoch schon, auch in Boddin. Joana Sperlich gehört dazu, die an dem Tag extra ein paar Kunststücke mit dem Friesenhengst „Aixe“ in einem kleinen Teil ihrer Boddiner Halle vorführt. Im Programm ist die durchtrainierte Artistin dann schwungvoll und anmutig mit dem Schwungtuch zu sehen. Wobei in der Ankündigung das Wort kraftvoll noch fehlt. Denn für diese Übungen in einem an der Decke hängenden Tuch braucht es es viel Kraft und ein gutes Gleichgewichtsgefühl.

Wenn „Direktor“ Ralf Huppertz der 30-Jährigen aus dem Sattel hilft, dann ist das auch ein Gefallen in der Familie, denn Joana ist eine seiner Schwiegertöchter. Er hat fünf Söhne, die selbstverständlich fast alle in das Projekt eingebunden sind. „Wir machen das ganze Ding mit dem Weihnachtszirkus, weil es uns Spaß macht. Wir haben zwar nicht mehr alle etwas direkt mit dem Zirkus zu tun. Wir sind aber damit aufgewachsen. Und wir haben in den vergangenen Jahren auch in Schwerin erlebt, dass die Menschen kommen.“

Auch im letzten Jahr war nicht jede der Vorstellungen ausverkauft aber dennoch gut besucht. Huppertz schätzt die Zahl der Besucher im letzten Jahr auf gut 6000. Wenn diese Zahl in

diesem Jahr wieder erreicht würde, wäre das gut. „Es geht hier nicht im Vordergrund um das Geld verdienen, wir haben von Jahr zu Jahr auch viel in die Ausstattung gesteckt.“

Das wird auch in diesem Jahr so sein. Das Zelt wird dieses Mal deutlich größer ausfallen. Jetzt wird ein Zelt mit einer Grundfläche von 25 mal 40 Metern aufgebaut. Die Zahl der Sitzplätze bleibt mit 500 gleich, dafür wird die Manege größer. Auch daran sind die bereits erwähnten brasilianischen Artisten schuld, sie brauchen für ihre Nummer schlicht mehr Platz. Den bekommen sie nun.

Künsterlerin Joana ist nicht das einzige Mitglied der weit verzweigten Familie, das in Schwerin auftreten wird. Mit dabei ist nämlich auch die Circus Huberty, hinter dem sich zwei weitere Söhne von Ralf Huppertz verbergen. Er selbst verdient sein Geld vorrangig mit dem Verleihen und Aufbauen von Großzelten. Tausende junger Leute aus der Region haben in seinen Bauten schon getanzt, z. B. beim Airbeatone-Festival. Und Schwerin ist nicht die einzige Weihnachtsaktion, die die seit 2008 in Boddin ansässige Familie zu wuppen hat. So gibt es auch noch eine Weihnachtszeltstadt in Freiburg und eine auf der Hamburger Rennbahn in Horn zu betreuen.

In Schwerin sind dann doch viele vereint. So hat es sich in den vergangenen Jahren schon eingebürgert, dass nach der Vorstellung im gut geheizten Zelt alle Artisten, Familienmitglieder und viele Helfer zusammenkommen, um dann in Ruhe das Weihnachstfest zu feiern. Bis dahin ist allerdings noch einiges zu tun.

Es gibt ein Thema, das in diesem ausgespart wird, dass der Tiere. Bis auf ein paar Ponys und einige Pferde wird man in dem umfangreichen Programm keine Tiere finden. Das hat mit dem für Schwerin geltenden Wildtierverbot zu tun. Huppertz hält dieses pauschale Verbot für fachlich falsch und ein Einknicken vor radikalen Tierschützern. Der Boddiner gehört auch zum Verband der deutschen Circusunternehmen, der bundesweit mit immer stärkeren Angriffen von Tierschützern zu tun hat. „Wir quälen keine Tiere, wir halten sie artgerecht. Zumal man nicht vergessen darf, dass fast alle der Tiere auch im Zirkus geboren sind und man ihnen so faktisch die Heimat nimmt.“

Für den Schweriner Weihnachtszirkus sind die angemeldeten Tiere schon angemessen begutachtet worden. Mit Pferden in der Manege hat Schwerin kein Problem.

Relativ klein, geheizt und gemütlich so sollen die Vorstellungen sein und natürlich komplett mit selbst gemachter Musik. Töne vom Band soll es in Schwerin Krebsförden nicht geben.

Es ist ein Angebot, das sich an die Familien richtet, die über die Feiertage und dazwischen auch mal etwas anderes erleben wollen.

In Schwerin wird vom 24. Dezember bis zum ersten Januar gespielt, Ende Januar geht es dann für zwei Wochen zum Winterzirkus nach Rostock.

Mit im Programm sind Pferdedressuren, Clown Guiseppe hat sich angekündigt, es soll atemberaubend zugehen, an der chinesischen Stange, mit „Angelique“ auf dem Drahtseil oder schwerelos unter der Kuppel mit „Miss Jeanette“ aus Schweden. Dazu kommen magische Elemente und Illusionen, bevor das Ganze in einem großen Finale nach gut zwei Stunden endet.

Karten für den Weihnachtscircus gibt es auch bei den Geschäftsstellen der Schweriner Volkszeitung.

zur Startseite

von
erstellt am 27.Nov.2016 | 19:30 Uhr

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Kommentare

Leserkommentare anzeigen