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Hagenower Kreisblatt

09. Dezember 2016 | 12:40 Uhr

Wittenburg : Das Ziel: Papierkriege verhindern

vom
Aus der Redaktion des Hagenower Kreisblatt

Seit 16 Jahren ist Hans-Joachim Friedrichs Schiedsmann Seine Schlichtungsquote liegt zwischen 50 bis 80 Prozent

Gerichte sind wichtig, aber nicht immer notwendig. Besonders, wenn es in zivilen Streitfällen um Bagatellsachen geht.

„Ein erstrittenes Urteil vor Gericht führt nicht zwangsläufig zum Erfolg. Es fördert auch nicht automatisch den Rechtsfrieden zwischen den Parteien, die häufig als Nachbarn, Geschäftspartner und Familienangehörige im täglichen Leben weiterhin miteinander auskommen müssen“, weiß Hans-Joachim Friedrichs aus seiner 16-jährigen Arbeit als Schiedsmann der Stadt Wittenburg. Brunhilde Joachims steht ihm seit zehn Jahren als Vize zur Seite. „Streitschlichtung, wie wir sie anbieten, ist hier allemal der bessere und kostengünstigere Weg“, betont der 69-Jährige. Als er damals das Amt übernahm, bekam er lediglich drei Kartons mit Unterlagen in die Hände gedrückt. „Ich wurde praktisch ins kalte Wasser geschubst“, erinnert sich schmunzelnd Friedrichs. Auch an seinen allerersten Fall kann er sich noch gut erinnern: „Es ging um einen Nachbarschaftsstreit mit Ehrverletzung.“

Seitdem kümmert sich die Schiedsstelle der Motelstadt jährlich um drei bis sechs Fälle. Ob Hausfriedensbruch, Beleidigung, Geldforderungen, Verletzung des Briefgeheimnisses, überhängende Pflanzen, Bedrohung und Sachbeschädigung, um nur einiges zu nennen, Friedrichs Erfolgsquote beim Schlichten liegt zwischen 50 bis 80 Prozent, wie er sagt. Von Vorteil sei dabei, dass man im Amtsbezirk selbst beheimatet sei. So seien einem die menschlichen Hintergründe oftmals auch nicht ganz fremd. Man wisse mitunter über Dinge Bescheid, die einem fernen Gericht nicht bekannt seien.

„Am Allerwichtigsten ist das Zuhören, um sich in die Problematik reinzufinden. Man muss die Hintergründe erfragen, denn der Keim für den Streit kann auch schon Jahre und Jahrzehnte zuvor gesät worden sein.“ Eins greife oftmals ins andere, sagt Friedrichs, der nur schlichten, jedoch nicht richten darf. Das durften früher jedoch die Schiedskommissionen in der ehemaligen DDR, erklärt der Wittenburger, der auch Mediation anbietet. Er hat sich intensiv darin ausbilden lassen und an etlichen Seminaren teilgenommen. „Mittlerweile führe ich sogar selbst welche durch.“ Seit 2003 ist Friedrichs Vorsitzender der Bezirksvereinigung Schwerin im Bund Deutscher Schiedsmänner und Schiedsfrauen e.V. „Streit ist oft der Auslöser für ein viel tiefer liegendes Problem. Durch unsere Arbeit, deren Ziel es ja ist, die Gerichte zu entlasten, lernen wir, das Wesentliche vom Unwesentlichen zu trennen. Streit wird sich unter Menschen niemals vermeiden lassen, aber wie man trotz unterschiedlicher Auffassungen dennoch respektvoll miteinander umgehen kann, das vermitteln wir.“ Bestenfalls sollten beide Streithähne mit dem Schlichtungsergebnis zufrieden sein. Und es anerkennen, erklärt Friedrichs, der selbstredend zur Verschwiegenheit verpflichtet ist. Ein Papierkrieg finde nicht statt, das Schlichtungsverfahren sei denkbar unbürokratisch. „Die Parteien haben Gelegenheit sich auszusprechen. Ist man sich einig, wird ein Vergleich geschlossen, den beide unterschreiben müssen. Damit erlangt er eine Rechtsgültigkeit wie ein Gerichtsurteil für die Dauer von 30 Jahren. In 65 Prozent aller Fälle schlagen die Parteien selber Lösungswege vor. Es gibt aber auch völlig verhärtete Fronten. Da kommen dann in Ausnahmefällen die Empfehlungen durch Mediation, um die Gegner wieder auf die richtige Spur zu bringen. Sollte sich eine der Parteien nicht an die im Vergleich ausgehandelten Abmachungen halten, kann der Antragsteller vor Gericht ziehen“, erklärt Hans-Joachim Friedrichs, der sich übrigens noch einmal zur Wahl stellen will. Ab Januar 2017, für weitere fünf Jahre Amtszeit.

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erstellt am 18.Nov.2016 | 12:00 Uhr

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