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Hagenower Kreisblatt

03. Dezember 2016 | 12:35 Uhr

Lübtheen : Chance für Deutschlands größte Heide

vom
Aus der Redaktion des Hagenower Kreisblatt

Vom Truppenplatz zum Nationalen Naturerbe: Bund und Land wollen die Lübtheener Heide entwickeln

Noch liegt Munition im Boden der Lübtheener Heide. Noch ist sie für den Bürger gesperrt. Doch Bund und Land wollen das 6200 Hektar große Areal jetzt  gemeinsam Schritt für Schritt erlebbar machen und  es im Einklang mit der Natur  touristisch erschließen. Das sagten Umweltminister Till Backhaus und Christian Tölle von der Bundesforst gestern  in Lübtheen. Damit könnte die „größte Heidefläche Deutschlands“ mit der größten Binnendüne bald für jeden zugänglich sein.

Die historisch-genetischen Recherchen zur Munitionsbelastung laufen bereits und sollen Ende März erste Ergebnisse für ein Konzept liefern. Ganz zugänglich werde das Nationale Naturerbe aber nie sein, so der Minister. Die Gründe: zu hohe Kosten für eine komplette Beräumung, die Naturschutzzonen und die Waldbrandgefahr. „Wir müssen das Gebiet klug entwickeln und schauen, wie man es zu einem Erlebnisraum in der Metropolregion machen kann“, so Backhaus.

Gemeinsam wollen die Bundesforst als Träger, das Biosphärenreservatsamt Schaalsee-Elbe und die Bürgermeister der angrenzenden Gemeinden ein Entwicklungskonzept erarbeiten. Darauf beruhend wird der Munitionsbergungsdienst des Landes gezielt räumen, erklärte dessen Leiter Robert Molitor. Bis zu 15000 Euro kostet das pro Hektar. Deshalb sei es wichtig, zu schauen, wo  dies wirklich nötig sei und wo  man darauf verzichten könnte.

 Bis die Flächen nicht offiziell freigegeben sind, bleibt das Areal für die Öffentlichkeit gesperrt. „Es besteht Gefahr für Leib und Leben“, warnte Minister Backhaus vor dem „hohen Risiko“.  Immer wieder „verirren“ sich Menschen ins Sperrgebiet. „Aber wir wissen nicht, was dort, in welcher Tiefe und Ausbreitung schlummert.“

Aufruhr hatte es jüngst in der Gemeinde Vielank gegeben, die  ihre Gedenkveranstaltung, den Quaster Tag, immer auf dem gesperrten Gebiet durchführt.  In einer Unterschriftenaktion machten die Anwohner ihrem Unmut Luft. Backhaus beschwichtigte gestern. Er hofft, noch in diesem Jahr eine Lösung für das Problem zu finden.

 Andere Anrainer-Gemeinden sehen die aktuellen Entwicklungen als Trumpf.  Burkhard Thees, Amtsvorsteher für das Amt Dömitz-Malliß, sagte, „wir sind auf dem richtigen Weg“. Er will die nächsten Wochen nutzen, um Arbeitsgruppen ins Leben zu rufen. Auch Lübtheens Bürgermeisterin Ute Lindenau  ist zuversichtlich. Die Natur der Heide sei einmalig. Wenn sie in wenigen Jahren touristisch vermarktet wird, könne das nur positiv für ihre Stadt sein. „Für uns ist das der beste Weg. Aber es wird Zeit brauchen.“

Seit dem Rückzug der Bundeswehr vom Truppenübungsplatz im Oktober 2013 ist das Bundesamt für Immobilienaufgaben Eigentümer der Fläche. Dass sie nicht privatisiert wurde, sei in der Größe einmalig, so Backhaus, der sich lange dagegen gewehrt hatte. Und er versicherte unter anderem im Hinblick auf einen möglichen Braunkohleabbau in der Region: Das Areal „ist und bleibt Naturerbe, da kann niemand mehr ran“.

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erstellt am 21.Jan.2016 | 08:00 Uhr

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