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Güstrower Anzeiger

26. September 2016 | 09:03 Uhr

Gastkolumne zu Ostern : Zu Gott gehört auch das Unvorstellbare

vom
Aus der Redaktion des Güstrower Anzeiger

Pastor Jonas Görlich von der Kirchgemeinde Lohmen wünscht allen Lesern frohe Ostern.

„Er ist nicht hier.“ – Das sind die Worte, die den Frauen entgegenschallen, als sie am Ostermorgen zu Jesus Grab kommen. Weg ist er. Nur noch die weißen Mullbinden, in die der tote Körper gewickelt war und der weggeschobene Stein lassen erahnen, dass das Grab, in das die Frauen blicken, vor kurzem noch belegt war. Gähnende Leere, davon berichtet die Bibel. Diese Leere ist für Christen auf der ganzen Welt Anlass, Gott als den Überwinder des Todes zu feiern. „Er ist nicht hier.“ Und wer sich fragt warum, bekommt klare Antwort: „Er ist auferstanden!“ Normal ist das nicht, wie ich finde und das fanden auch die Frauen am Grab, die erschrocken davonliefen. Furcht, Freude, Abwehr – es gibt viele mögliche Reaktionen auf etwas, was eigentlich nicht sein kann.

Gott ist nicht normal. Er nimmt sich die Freiheit Dinge zu tun, die unfassbar sind und bleiben. Das Wundersame, das Unvorstellbare, das Geheimnisvolle gehören zu Gott und finden an Ostern ihren Höhepunkt. Jesus’ Auferstehung, unfassbar! Ein leeres Grab, kaum zu glauben! Ostern ist die Feier der Unfassbarkeit Gottes. Denn Gott lässt sich nicht einsperren, nicht einengen: in kein Grab, auch nicht zwischen die Deckel eines Buches, in keine Kirche, in keine Religion, in keine letztgültige Definition. Er ist eben nicht hier. Zumindest nicht da, wo mit zu viel Sicherheit behauptet wird, wie er ist und woran er sich halten wird. Religiöser Fanatismus, Gewalt im Namen Gottes, Ausgrenzung durch Bekenntnisse – das macht der unfassbare Gott nicht mit. Er überwindet lieber Grenzen: Die des Todes, aber auch die meines Denkens, die meiner Schubladen, in die ich wie in ein Grab, so manches und manchen ablege. Gott hat das Grab, das Menschen in einen Stein gehauen haben, verlassen. Es war ihm zu eng.

Die Evangelische Kirche ruft jedes Jahr sieben Wochen vor Ostern zu einer Fastenaktion auf. Dieses Jahr lautete das Motto „Großes Herz! Sieben Wochen ohne Enge“ – und war verbunden mit der Einladung, neugierig über den eigenen Gartenzaun zu blicken, Mauern einzureißen und Grenzen zu überschreiten. Wer sich darauf einließ, konnte aktiv eigene Vorurteile und Ängste abbauen. „Sieh das mal nicht so eng!“ Enge überwinden, schafft Platz für neue Erfahrungen, für Überraschungen und Unfassbares.

Ostern feiern wir, dass Gott in Bewegung bleibt und sich nicht festnageln lässt, weder an Kreuze noch an irgendwelche von uns behaupteten Grenzen. Also, bleiben Sie in Bewegung, denn Gott ist es auch.

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