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Güstrower Anzeiger

04. Dezember 2016 | 13:15 Uhr

Ein Güstrower kehrt zurück : William Cohn trifft Igor Stravinsky

vom
Aus der Redaktion des Güstrower Anzeiger

Ganz besondere Märchenstunde in der Fachhochschule mit der Akademie der „jungen norddeutschen philharmonie“.

Nach „Le Sacre du Printemps“ im Sommer widmet sich die „junge norddeutsche philharmonie“ (jnp) im Herbst mit der „Geschichte vom Soldaten“ einem weiteren Meisterwerk Igor Stravinskys (1882-1971). Vom 3. bis 6. November wird ein Ensemble der Akademie der jnp mit einer ganz eigenen Version der Geschichte vom Soldaten durch die Städte ziehen. Neben Bremen, Hamburg und Berlin ist am 6. November auch Güstrow eine Station. Und das zusammen mit dem jungen Dirigenten Kiril Stankow und dem Sprecher William Cohn, bekannt aus der ZDF-Sendung Neo Magazin Royale. Und: Ein ehemaliger Güstrower, Clemens Seemann, bringt das Orchester in seine Heimatstadt.

Vor 99 Jahren schuf der Russe Igor Stravinsky in Zusammenarbeit mit dem Waadtländer Dichter Charles-Ferdinand Ramuz dieses musikalische Szenemärchen: Ein Soldat tauscht beim Teufel seine Geige gegen ein Zauberbuch ein, welches ihm Reichtum bringt, aber Einsamkeit. Er verkauft wie schon Faust seine Seele an den Teufel. „Die Geschichte vom Soldaten“, im Kriegsjahr 1917 geschrieben, ist aktueller denn je. In einer sich stetig beschleunigenden Gesellschaft, die zunehmend von ökonomischen Prinzipien bestimmt wird, steht die Frage: Wann tauschen wir womöglich Naivität, Leidenschaft und Werte weg gegen scheinbare Ideale, die täglich um den Globus jagen?

Die „junge norddeutsche philharmonie“ will sich mit ihrer in diesem Jahr gegründeten Akademie vor allem für neue Herangehensweisen an die klassische Musik einsetzen und bekannten Stoff neu aufbereiten. Ihre Mittel: junge Musiker, der junge Dirigent Kiril Stankow, die junge Regisseurin Anna-Sophie Weber, die junge Bühnen- und Kostümausstatterin Tatjana Reeh, ein junges Publikum und der Sprecher William Cohn, ein jung gebliebener Erzähler, der für seine Auftritte in TV-Programmen, wie beispielsweise bei Jan Böhmermann, bekannt ist. Wie sieht das klassische Konzert der Zukunft aus? Bunter, lauter, kakophonischer? Die Antwort auf diese Frage ist nicht bekannt, aber die Konzerte der „jungen norddeutschen philharmonie“ werden diese mitbestimmen, da sind sich die Akteure sicher.

In einer einwöchigen Arbeitsphase widmet sich die jnp mit „#thesoldierstale“ erstmals einem szenischen Projekt. Hier wird der bewusste Bruch mit Konventionen erprobt, ob durch Ironie als Spiegelung oder das Überspitzen der Realität. Das Ergebnis dieser Arbeitsphase wird in vier Musiktheaterstücken zur Aufführung gebracht – die „innovativste Märchenstunde, die Norddeutschland gesehen hat“, sind sich die Protagonisten sicher.

„Für mich geht ein kleiner Traum in Erfüllung“, sagt Projektleiter Clemens Seemann voller Vorfreude auf das Güstrower Konzert, das im Hörsaal der Fachhochschule dargeboten wird. „Ich glaube, in dem Saal habe ich mal bei einer Mathematikolympiade gesessen“, erinnert sich der 28-Jährige, der seine Kindheit und Jugend in der Barlachstadt verbracht hat. In der Kreismusikschule zählte er zu den großen Talenten, lernte bei Lothar Reißenweber Klarinette und bei Tamara Heßler Klavier, auch das Cello meisterte er und er spielte unter anderem im Bundesjugendorchester.

Nach einem Physikstudium lebt Clemens Seemann seit zwei Jahren in Berlin. Zwar spiele er selbst nicht mehr in Konzerten, doch der Musik ist er treu geblieben: Als Geschäftsführer des Vereins „junge norddeutsche philharmonie“ organisiert er jetzt Musik. „Ich habe quasi die Klaviatur mit der Tastatur getauscht, das macht mir total Spaß.“ Bis zu 130 Musikstudenten aus dem ganzen norddeutschen Raum sind in dem Orchester vereinigt. Stravinskys Musiktheaterwerk „Geschichte vom Soldaten“, das im nächsten Jahr 100 Jahre alt wird, werde in Güstrow mit kleinem Ensemble aufgeführt.

Seit sechs Jahren leitet Clemens Seemann die jnp-Projekte, die dieses Jahr fast 20  000 Besucher gefunden haben. „Nächstes Jahr sind schon an die 30 Konzerte gebucht. Jetzt freue ich mich wahnsinnig darauf, unser Projekt in meiner Heimatstadt präsentieren zu können.“ Freunde aus Güstrow hätten zu der Idee den Anstoß gegeben.



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