zur Navigation springen

Güstrower Anzeiger

07. Dezember 2016 | 23:12 Uhr

SVZ-Wochenend-Interview : Weibertratsch, und man(n) hört mit

vom
Aus der Redaktion des Güstrower Anzeiger

20 Fragen an Katrin Räthel, Bestattungsbegleiterin in Güstrow.

Katrin Räthels tiefste Kindheitserinnerungen gehen immer an den Warnemünder Strand zurück. In dem Rostocker Stadtteil wurde sie vor 42 Jahren geboren. Nach der Lehre als Technische Zeichnerin arbeitete sie in der Wendezeit kurz in einer Lichtwerbungsfirma und zog dann der Liebe wegen nach Güstrow. Nach der Geburt von Sohn Lucas nahm sie das Arbeitsangebot eines hiesigen Bestattungshauses an. Damals erst 25 und schon täglich mit dem Tod zu tun, habe sie ihren Beruf inzwischen längst lieben gelernt, sagt sie. Demnächst will sich die Güstrowerin, nach der Trennung vom Vater ihres Sohnes wieder in fester Partnerschaft lebend, als Bestattungsbegleiterin selbstständig machen. Wir stellten ihr unsere 20 Fragen.

Wo ist ihr Lieblingsplatz?
Auf jeden Fall dort, wo ich Menschen um mich habe, die mir lieb und wichtig sind – der Bäcker in der Stadt, die Parkbank an der Strandpromenade, die Sport- und Kongresshalle bei einem guten Hockeyspiel oder auch der heimische Hof.
Was würden Sie als Bürgermeister in ihrem Wohnort sofort ändern?
Alles dafür tun, um Güstrow für unsere nächste Generation attraktiv zu machen – mit guten Ausbildungsmöglichkeiten und Arbeitsstellen. Ich würde mir den Rostocker Bürgermeister ins Boot holen, denn beide Städte können voneinander noch mehr profitieren.
Wo kann man Sie am ehesten treffen?
Am ehesten im Bestattungshaus. Neben der Arbeit ist immer Zeit für ein kurzes Gespräch. Ich denke, in der Zukunft wird das auch wieder so sein, aber dann in meinem eigenen Büro.
Womit haben Sie ihr erstes eigenes Geld verdient?
In einem „Lager für Arbeit und Erholung“ in Lubmin, in direkter Nähe zum Atomkraftwerk, eingeteilt für Arbeiten in der Küche.
Wofür haben sie es ausgegeben?
Das war so wenig, es wird sicher nur für eine Tafel Schokolade gereicht haben.
Was würden Sie gern können?
Die „Kunst der heilenden Hände“ lernen, am liebsten von einem uralten japanischen Gelehrten.
Was stört sie an anderen?
Emotionale Kälte und Egoismus sowie übermäßiger Geltungsdrang.
Worüber haben Sie zuletzt herzhaft gelacht?
Vor ein paar Tagen war ich mit meiner Schwester im Auto unterwegs, und wir lästerten so richtig ab, wie Männer so drauf sind, wenn sie Stress haben. Wir haben uns richtig reingesteigert, als plötzlich die Stimme meines Lebensgefährten über die Freisprecheinrichtung ertönt: „Ihr wisst schon, dass ich noch dran bin!“ Wow! Wir hatten kurz davor nach einem Gespräch mit ihm vergessen, das Handy abzuschalten, und er wurde so Zeuge einer richtigen Weibertratschrunde.
Was haben Sie zuletzt Unvernünftiges getan?
Auf dem Weg nach Holland mit Sohn und dessen Freund sagte unterwegs unser Vermieter dort überraschend ab. Rasch buchten wir übers Handy eine Unterkunft in Amsterdam, ohne irgendeine Bewertung zu lesen. Als wir mitten in der Nacht dort ankamen, war das ein billiges Hostel mitten im Rotlichtviertel, rechts und links große Schaufenster mit sich anbietenden Frauen und obendrein noch der größte Umschlagplatz für Marihuana. Mein Sohn und sein Freund, damals 16, waren völlig aus dem Häuschen.

Wer ist ihr persönlicher Held und warum?
Eine Heldenfigur habe ich eigentlich nicht. Meine Vorbilder sind in vielen Dingen meine Eltern, die uns Kindern ein behütetes Umfeld bescherten und auch heute noch immer für uns Kinder da sind. Sie haben selbst schon so viel durch und stehen immer wieder auf und schauen positiv in die Zukunft.
Welches Buch lesen Sie gerade?
Das ist so langweilig, dass ich auf Anhieb nicht mal den Titel weiß. Zuvor habe ich die Biografie von Eric Clapton gelesen und zeitgleich „Wir sind die Wolfskinder“ von Sonya Winterberg. Sehr berührend!
Welche Fernsehsendung verpassen Sie nie?
Alle, die mich kennen lachen sich immer halb tot: „Bauer sucht Frau.“ Ansonsten habe ich „Game of Thrones“ leidenschaftlich gern geschaut, obwohl ich oft die Augen schließen musste.
Wo trifft man Sie eher: bei einer Karnevalsfeier oder bei einem Fußballspiel?

Eher beim Karneval. Aber ich muss als Güstrowerin zugeben, dass es dann immer der Laager Karneval ist.
Wen würden Sie gerne mal treffen?
Gregor Gysi, für mich einer der intelligentesten und spitzfindigsten Redner. Er kann politische Gedankengänge greifbar machen und äußerst kontrovers diskutieren.
Wenn Sie kochen: Was kommt dann bei Ihnen auf den Tisch, griechische, italienische, chinesische oder deutsche Gerichte?
Koche ich nur für meinen Lebensgefährten und für mich, gibt es die gute Hausmannskost. Koche ich allerdings zusammen mit meinem Sohn Lucas wird es experimenteller. Dann probieren wir gerne thailändische, indische oder auch italienische Rezepte aus.
Mit welchem Lied verbinden Sie Ihre schönste Erinnerung?
Ich glaube es heißt „Dreams“, der Soundtrack aus „La Boum – die Fete“. Im Ferienlager lief dieser Titel an jedem Diskoabend. Ich war 14 und so verliebt… Wir haben uns nie wieder gesehen.
An welches Geschenk erinnern Sie sich noch gerne und von wem haben Sie es bekommen?
Von meinem Sohn Lucas eine Fotocollage. Er war damals so 5 Jahre alt und wollte mich überraschen. Alle Bilder hat er mit seinen kleinen Fingern liebevoll ausgeschnitten, geklebt und mit Filzstiften verschönert. Es muss ihn viel Mühe gekostet haben, alle diese Bilder aus dem Fotoalbum zu reißen… Ich hab mich trotzdem riesig gefreut.
Welchen Traum möchten Sie sich noch erfüllen?
Eine Rucksacktour zusammen mit meiner Schwester, am liebsten quer durch Asien.
Wie gestalten Sie ihre Freizeit als Rentnerin?
Wir haben im Freundeskreis eine Alten-WG im warmen Süden geplant. Für unsere kommende Gicht und andere Altersbeschwerden wird Sonne perfekt sein.
Wem sollten wir diese Fragen ebenfalls stellen und warum?

Dietmar Kriemann. Er hat eine der letzten kleinen privaten Bäckereien in Güstrow. Nachts backt er noch selbst in seiner Backstube, und tagsüber ist er liebevoller Familienvater und leidenschaftlicher Triathlet.

zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Themen zu diesem Artikel:

Kommentare

Leserkommentare anzeigen