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Güstrower Anzeiger

07. Dezember 2016 | 09:40 Uhr

Ernst-Barlach-Stiftung Güstrow : Von Lebensleistung beeindruckt

vom
Aus der Redaktion des Güstrower Anzeiger

Interview mit Maja Conradt, neue Vorstandsvorsitzende der Ernst-Barlach-Stiftung Güstrow.

Maja Conradt wurde durch das Ministerium für Bildung, Wissenschaft und Kultur, in dem sie als Abteilungsleiterin arbeitet, zur neuen Vorsitzenden der Ernst-Barlach-Stiftung Güstrow bestellt. Die 48-Jährige folgt auf Regine Marquardt, die das Amt über viele Jahre ausübte und im Februar 2016 verstarb. Maja Conradt ist verheiratet, Mutter einer Tochter und lebt in Schwerin. Am Montag leitete sie ihre erste Vorstandssitzung. SVZ-Mitarbeiter Christian Menzel traf sie zum Interview.


Frau Conradt, kennen Sie Güstrow?
Conradt: Ich habe mit meiner Familie sieben Jahre in der Barlachstadt gelebt. Es war eine sehr schöne Zeit.

Wissen Sie noch, wann Sie das erste Mal mit Werken von Ernst Barlach in Berührung gekommen sind?
1994 während meines ersten Aufenthalts in Güstrow. Ich besuchte den Dom und natürlich auch die Barlach-Museen. Das war meine erste intensive Begegnung mit originalen Werken des norddeutschen Bildhauers, die nachhaltig war. Das Interesse an seinem vielgestaltigen Werk hält bei mir bis heute an. Je intensiver ich Ernst Barlach kennen lerne, desto mehr beeindruckt und bewegt mich seine Lebensleistung, nicht nur auf dem Gebiet der bildenden Künste, sondern auch sein schriftstellerisches Wirken.

Wer sind Ihre Mitstreiter im Vorstand?
Das sind mein Stellvertreter Ulf Tielking, Abteilungsleiter im Kultusministerium, für das Land, Enkel Ernst und Urenkel Nikolaus Barlach für die Familie Barlach, Landrat Sebastian Constien für den Landkreis, Bürgermeister Arne Schuldt für die Barlachstadt, Dr. Volker Probst für die Stiftung und ein Vertreter der Bundesbeauftragten für Kultur und Medien.

Hat sich die vor über 22 Jahren gegründete Stiftung bewährt oder könnten Sie sich auch andere Modelle vorstellen?
Das Modell der Stiftung bürgerlichen Rechts, in der das Land, der Bund, der Landkreis, die Barlachstadt Güstrow und die Familie Barlach zusammenwirken, hat sich bewährt. Für unsere künftige Arbeit wollen wir die Möglichkeiten des selbstständigen Handelns einer unabhängigen Stiftung weiter nutzen.

Welchen Bestand an Kunstwerken verwaltet die Stiftung und welche Aufgaben haben für Sie Vorrang?
In der Ernst-Barlach-Stiftung verfügen wir weltweit über den größten Werkbestand an Plastiken, Zeichnungen, Skizzenbüchern, Druckgraphiken einschließlich der Handschriften des Künstlers. Der Sammlungsbestand umfasst mehrere Tausend Arbeiten aus den Jahren 1888 bis 1938. Die Stiftungssatzung gibt uns den Handlungsrahmen vor: Uns obliegt die Aufgabe, das Werk Barlachs „zu sammeln, zu pflegen, wissenschaftlich zu erforschen und lebendig zu erhalten.“ Das sind museale Kernaufgaben, die wir zeitgemäß mit Leben erfüllen. Vor allem der Vermittlungsarbeit im Bereich kulturelle Bildung/Museumspädagogik widmen wir uns verstärkt. Eine wesentliche Aufgabe ist die Vollendung der neuen Briefausgabe Barlachs, die zu seinem 150. Geburtstag 2020 vorliegen wird. Mit substanzieller Unterstützung des Landes und der Hermann-Reemtsma-Stiftung Hamburg wird an der Universität Rostock dieses ambitionierte Vorhaben realisiert.

2008 lief die urheberrechtliche Schutzfrist an Barlachwerken ab. Hatte das Auswirkungen auf die Stiftung?
Nachdem das Urheberrecht für Ernst Barlach ausgelaufen war, ergab sich für die Stiftung ein umfassender Spielraum, auch Werke Barlachs für unsere Forschungsarbeit zu nutzen, die nicht im Sammlungsbestand sind. Wir arbeiten weiterhin an einer verantwortungsvollen Werkpflege.

Neue Vorsitzende bringen meist neue Ideen und Vorstellungen ein. In welche Richtung möchten Sie die Stiftung führen?
Die Bundesregierung hat die Ernst-Barlach-Stiftung als „kulturellen Gedächtnisort von besonderer nationaler Bedeutung“ in ihr „Blaubuch“ aufgenommen. Das ist nicht nur eine wichtige Auszeichnung für unsere Stiftung, sondern ebenso Verpflichtung, durch unsere Arbeit einer musealen Institution diesem Anspruch auch in Zukunft gerecht zu werden.




 

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