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Güstrower Anzeiger

24. Februar 2017 | 09:39 Uhr

Hohen Sprenz/Dolgen am See : Und es lärmt weiter an der A 19

vom
Aus der Redaktion des Güstrower Anzeiger

Lärmaktionspläne in den Gemeinden Hohen Sprenz und Dolgen am See bleiben ohne Folgen.

Der Arm der EU reicht wohl doch nicht so besonders weit. Ihre Umgebungslärm-Richtlinie fordert die Erstellung von Lärmkarten und Lärmaktionsplänen – so weit so gut. Außer Plänen nichts gewesen, mussten jetzt die Mitglieder der Gemeindevertretungen Hohen Sprenz und Dolgen am See feststellen. Sie hatten 2008 Lärmaktionspläne beschlossen. Nun war laut EU-Umgebungslärm-Richtlinie Zeit für eine Berichterstattung. In beiden Fällen hat sich für die Anwohner am Verkehrslärm an der A 19 nichts geändert.

„Wir konnten dies nur zur Kenntnis nehmen“, betont Thomas Rosenstiel, stellvertretender Bürgermeister in Hohen Sprenz. Einfach zu den Akten wolle man den Lärmaktionsplan deshalb nicht legen. „Vielleicht sollten wir noch einmal an das Landesamt für Straßenbau und Verkehr herantreten“, überlegt Rosenstiel. Auf der anderen Seite könnte sich auch die Kommune gefordert sehen. „Aber unser Haushalt sieht bescheiden aus. Allein könnten wir finanziell gar nichts ausrichten“, gibt der stellvertretende Bürgermeister zu bedenken.

Landesamt sieht keinen Handlungsbedarf

Im Lärmaktionsplan von 2008 sollte eine Reduzierung der zulässigen Höchstgeschwindigkeit, eine Sanierung von lärmintensiven Belägen und der Einbau von lärmmindernden Belägen sowie der Bau von Schallschutz wänden oder -wällen den Lärm von der Autobahn mindern. Lärmaktionspläne der Gemeinden sollten in die Planungen des Straßenbaulastträgers eingebunden werden. Der Baulastträger war jetzt auch gefragt worden. Die Antwort aus dem Landesamt für Straßenbau und Verkehr MV endet mit dem Satz: „Da kein bestätigter Bedarf an Lärmminderungsmaßnahmen vorliegt, wird es auch keine Berücksichtigung dieser in der Planung von Baumaßnahmen die BAB 19 betreffend geben.“

Ein fast gleichlautendes Schreiben lag den Mitgliedern der Gemeindevertretung Dolgen am See vor. Hier hatte man allerdings 2008 moniert, dass die Messungen nicht die Realität widerspiegeln würden, und neue gefordert. Während der Bauzeit, so die Erklärung, gab es auf der A 19 ein Tempolimit. Richtig laut sei es erst geworden, als die Autobahn saniert war. In der Tat hatte es eine weitere schalltechnische Untersuchung insbesondere im Bereich Friedrichshof gegeben. Aus den Ergebnissen seien aber keine Lärmschutzmaßnahmen abzuleiten, hatte das Landesamt für Straßenbau und Verkehr schon 2013 mitgeteilt. „Wir haben alles versucht – ohne Erfolg“, resümiert Bürgermeister Eckhard Borrmann. Auch eine Geschwindigkeitsbegrenzung sei abgelehnt worden. „Der Lärmaktionsplan ist nichts anderes als ein Stück Papier“, stellt Borrmann fest. Wenn man die Einwohner in Autobahnnähe vor Lärm würde schützen wollen, müsste die Gemeinde selbst aktiv werden. „Land kaufen und einen Wall aufschütten – das kostet Unsummen“, sagt Dolgens Bürgermeister. Die Kommune sei damit finanziell überfordert.

„Nur beschriebenes Papier“, wertet auch Brigitte Slottke, die in Woland nur 20 Meter von der Autobahn entfernt wohnt. Glücklicherweise störe sie der Lärm von der Autobahn nicht so sehr wie beispielsweise der Fluglärm. Aber ohne Schallschutzfenster, die man ohne eine Förderung dafür bekommen zu haben einbauen ließ, wäre es wohl kaum auszuhalten. „Wir leben mit der Autobahn. Wir wissen, wann an der Küste Bettenwechsel ist“, sagt Brigitte. Zum Jahreswechsel habe es einen Ansturm wie sonst zu Ostern gegeben. „Die Leute sind permanent unterwegs“, stellt Brigitte Slottke fest und hat auch schon überlegt wegzuziehen.

In reinen Wohngebieten spricht man von einer sehr hohen Lärmbelastung bei mehr als 70 Dezibel (nachts 60 Dezibel). In Sabel und Friedrichshof sind nach dem Messungen von 2007 elf Menschen in dieser besonderen Weise betroffen. In der Gemeinden Hohen Sprenz trifft dies auf 19 Menschen, die in Woland leben, zu.

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erstellt am 11.Jan.2017 | 05:00 Uhr

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