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Güstrower Anzeiger

01. September 2016 | 07:34 Uhr

Wer kriegt den Zuschlag in Gülzow? : Statt Hotel ein Asylheim am See?

vom
Aus der Redaktion des Güstrower Anzeiger

Zwei Kaufinteressenten für das Hotel Am Krebssee in Gülzow mit komplett anderen Nutzungsplänen

Im Hotel Am Krebssee in Gülzow war gerade wieder volles Haus. Eingeladen von der Volkssolidarität, gönnten sich wie jeden Monat ältere Bürger der Gemeinde gemeinsam einen schönen Nachmittag bei Kaffee und Kuchen im Wintergarten. Wielange dies noch möglich ist, weiß keiner. Hängt doch schon eine ganze Weile ein Damoklesschwert über dem Hotel, das vor über 20 Jahren von einem Privatmann aus Aachen erbaut und betrieben wurde. Er ist nun 83 Jahre alt und möchte das Hotel verkaufen.

Zwei Bewerber versuchen sich dabei gegenseitig den Rang abzulaufen. Der eine kommt aus Karow, wo er eine Tagesbegegnungsstätte für Senioren betreibt. „Er will sich vergrößern und würde so etwas auch in Gülzow machen“, sagt Bürgermeister Karl-Heinz Kissmann. „Unten sollen ein Pflegedienst einziehen und eine Tagesstätte eingerichtet werden, oben soll Betreutes Wohnen reinkommen“, weiß er. Der Bewerber aus Karow habe sich bei ihm vorgestellt und sein Vorhaben erläutert, stellt Kissmann fest. Wie vom Landkreis zu erfahren war, hat der Karower aber bisher noch keine schriftliche Bauvoranfrage, einschließlich Umnutzungsantrag, beim Landkreis gestellt.

„Den anderen Interessenten kenne ich nicht. Dessen Pläne sind wohl im Gespräch mit Dr. Boldt vom Landkreis gereift“, sagt Bürgermeister Kissmann. Denn dieser Bewerber will aus dem Hotel ein Asylbewerberheim machen. Auf ihrer jüngsten Sitzung lag den Gemeindevertretern von ihm eine Bauvoranfrage auf Umnutzung des Hotels als Asylbewerberheim vor. Die Entscheidung darüber hat letztendlich der Landkreis zu treffen, er ist die Genehmigungsbehörde für die neue Nutzung. Doch ist dafür auch die Zustimmung der Gemeinde nötig, verwaltungstechnisch „gemeindliches Einvernehmen“ genannt. Da aber beim Landkreis bisher nur der Antrag von einem Kauf-Interessenten vorliegt, mochten die Gemeindevertreter eine Entscheidung über die Umnutzung des Hauses noch nicht fällen. „Wir wollen auch dem anderen Bewerber eine Chance geben“, sagt Karl-Heinz Kissmann. Also vertagten die Gemeindevertreter ihre Entscheidung in der Hoffnung, dass sie auch die Bauvoranfrage des Karowers bald auf dem Tisch haben.

„Mir persönlich wäre die Variante mit dem Pflege- und Betreuungsstützpunkt und dem Betreuten Wohnen schon lieber“, gesteht Bürgermeister Kissmann. Dies würde gut ins Dorf passen, findet er.

Wer aber den Zuschlag für das Hotel bekommt, entscheide letztendlich der Besitzer allein, macht Kai-Uwe Neumann, Pressesprecher des Landkreises, deutlich. Außerdem seien die Gesetze eindeutig, betont er: „Die Gemeinde kann ihr Einvernehmen zur künftigen Nutzung zwar verweigern. Doch kann dieses durch das Bauamt des Landkreises ersetzt werden, wenn das die Verweigerung durch die Gemeinde für rechtswidrig hält.“

Was letztendlich aus dem Hotel wird, bleibt also erst einmal offen. Zurzeit scheinen noch beide Varianten möglich. Sollte der Zuschlag für das Hotel an den Interessenten aus den alten Bundesländern gehen, könnte das Haus am See einmal das schönste Asylbewerberheim weit und breit werden…

 

 

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erstellt am 20.Feb.2015 | 05:00 Uhr

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