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Güstrower Anzeiger

06. Dezember 2016 | 18:55 Uhr

Güstrow : Seit 45 Jahren Teil ihres Lebens

vom
Aus der Redaktion des Güstrower Anzeiger

Die Güstrowerin Barbara Seemann begleitet ihre Schüler von 1971 bis heute mit der Kamera – ihre Geschichte wurde nun zum Film

Fast wie ein großes Familientreffen wurde der Kinobesuch am Mittwochabend für die zahlreichen Gäste. Eingeladen hatte der NDR zu einer Vorpremiere des Filmes „Meine 40 Kinder“, in dem eine Güstrowerin zur Hauptperson wird. Die pensionierte Lehrerin Barbara Seemann hat ihre erste Klasse von 1971 an fotografisch begleitet. Aus dieser beeindruckenden Fotodokumentation und den Erinnerungen der ehemaligen Schüler hat das Team um die Redakteurin Siv Stippekohl und den freien Journalisten Matthias Vogel einen Film gemacht. Gekommen waren natürlich nicht nur die Schüler, sondern auch Eltern, Freunde und Geschwister, um den Film im Güstrower Kino erstmal anzusehen.

In 45 Minuten wird die anrührende Geschichte der gesamten Schulklasse und ihrer Lehrerin, die eben nicht nur Lehrerin ist, erzählt. Barbara Seemann beschäftigen die Lebensläufe ihrer Schüler bis ins Heute hinein. So war sie bei der Entbindung des Kindes einer ihrer Schülerinnen dabei, erlebte traurige aber auch fröhliche Momente mit ihnen gemeinsam. „Ich hätte nicht für möglich gehalten, dass der Film so wird“, sagt die heute 77-Jährige gerührt.
Eigentlich hatte sie ein Kinderbuch geplant, doch als sie beim Sichten der Schülerfotos war, verwarf sie diesen Gedanken, sondern begleitete ihre Schüler weiter, besuchte sie alle paar Jahre und führte die vielen Bilder zu einer Fotodokumentation in schwarz-weiß zusammen.

Sie seien eine Generation von Schülern, deren Lebensperspektiven durch die Wendezeit ordentlich durchgeschüttelt wurden. Viele orientierten sich neu. Der Film zeigt, wie sie die Herausforderungen des Lebens gemeistert haben.

Während einer Tour durchs Land waren Mitarbeiter des NDR auf Barbara Seemann und ihre „Foto-Geschichte“ aufmerksam geworden. „Da musste einfach etwas größeres entstehen“, fasst Redakteurin Birgit Müller, die durch den Filmabend führte, zusammen. Es war umfangreiches Material zu sichten und auszuwählen. Mit vier Schülern wurde konkret gedreht – sie erzählten ihre ganz persönlichen Geschichten. „Da haben sie genau die richtigen raus gepickt“, waren sich Katrin Osterwold und Petra Wolter nach dem Film einig.

Und an so manche Szene erinnerten sie sich im Gespräch danach ebenfalls. Beispielsweise, dass sie im Fotozirkel waren und nach der Jugendweihe die Danksagungskarten selbst gestalten konnten. Es wurde ein langer und intensiver Abend mit viel Gesprächsstoff unter den geladenen Gästen.

Am Sonntag, 2. Oktober, ist der Streifen nun für alle zu sehen. Um 11.30 Uhr wird er im NDR gezeigt. Ab 4. Oktober bis zum 15. Januar wird die Foto-Ausstellung im Landesfunkhaus des Senders in Schwerin täglich von 10 bis 17 Uhr zu sehen sein. Was aber wird danach aus den hunderten Fotos? Barbara Seemann und ihr Mann, der Güstrower Fotograf Uwe Seemann haben schon eine Idee: „Wir würden die Fotos gern an ein Museum für deutsche Geschichte übergeben. Schließlich ist es ein Teil deutscher Geschichte.“
 

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