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Güstrower Anzeiger

06. Dezember 2016 | 19:00 Uhr

Wildpark Güstrow : Schuldt warnt vor „zweiter Oase“

vom
Aus der Redaktion des Güstrower Anzeiger

Güstrower Bürgermeister stellt Fördermittel für neues Projekt „Erlebnis-Büdnerei“ nicht in Haushalt ein und löst Diskussion aus

„Wir müssen aufpassen, dass nicht eine zweite ,Oase’ entsteht!“ Mit solchen Worten, bezogen auf den Wildpark am Rande der Kreisstadt, erntet Bürgermeister Arne Schuldt Zustimmung und stößt auf Unverständnis zugleich. Den Auslöser für den prägnanten Satz gab es auf der jüngsten Sitzung des Finanzausschusses. Bei dem zentralen Thema Haushaltsentwurf 2016/17 trat die Frage nach einem Förderbetrag für eine vom Wildpark geplante Erlebnis-Büdnerei auf. Rund 2,7 Millionen Euro würde das Vorhaben kosten. Bei in Aussicht gestellter 90-prozentiger Förderung durch Leader-Mittel blieben 10 Prozent Eigenanteil. Der Wildpark hofft auf die Stadt. Die dafür erforderlichen 270  000 Euro indes sind nicht geplant.

Für Bürgermeister Schuldt geht es nicht vordergründig um einmalige Investitionszuschüsse, die wären sicherlich irgendwo leistbar. Durch immer neue Projekte jedoch, fürchtet er, könnte irgendwann auch der Zuschussbedarf für die laufenden Kosten steigen. 300  000 Euro, darüber herrscht seit langem Konsens, gibt die Stadt jährlich ihrer hundertprozentigen Tochter NUP Güstrow gGmbH aus dem städtischen Etat. Doch bei „immer neuen Millionenprojekten“ komme man irgendwann zu dem Punkt, dass man in diese neu investieren muss, etwa wegen Sanierungsbedarf. Hinzu kämen unter Umständen höhere Personalkosten wegen Neueinstellungen, wie zur Bewirtschaftung einer Büdnerei. Jedoch: „Für mich sind die erforderlichen Nachweise, dass man sagen kann, wer das trägt, nicht erbracht.“ Rostocker Zoo, Ozeaneum Stralsund, Müritz-Bärenwald und andere – Schuldt: „In dieser Liga spielen wir mit. Und überall müssen auch die Besucher kommen, um das alles zu bezahlen. Aber selbst beim Ozeaneum gehen die Zahlen zurück.“


Stadtvertreter zwischen Irritation und Beistand


Stadtpräsident Torsten Renz (CDU), der der Ausschusssitzung beiwohnte, hörte solche Worte „in dieser Form von ihm zum ersten Mal“. Er sei „erstaunt und irritiert“, die bisherige Praxis in Frage gestellt zu sehen. „Über Parteigrenzen hinweg gibt es bisher Konsens, auch bei den Investitionen. Der Vergleich mit der ,Oase’ ist für mich nicht angebracht.“ Sollte tatsächlich einmal ein erhöhter laufender Zuschussbedarf erkennbar werden, müsse man sich das anschauen, und auch, wie sich die Besucherzahlen entwickeln. Renz befürchtet einen „Paradigmenwechsel“.

Doch der Bürgermeister sieht sich mit seinen Bedenken nicht allein. Der Wildpark, bescheinigt Joachim Faustmann (SPD), mache „über Jahre eine gute, solide Arbeit“. Das Büdnerei-Projekt müsse erst noch ausdiskutiert werden. Faustmann denkt: Den Kredit könne die gGmbH sicherlich aufnehmen – und die Stadt diesen bürgschaftlich absichern.

Bei den Besucherzahlen sei „sicher eine Obergrenze erreicht“, mutmaßt Walter Kuhn (Die Linke). „Wir können aber die Eintrittspreise auch nicht endlos erhöhen. Wenn der Tierpark garantiert, dass es funktioniert, dann meinetwegen“, möchte Kuhn einen neuerlichen Investitionszuschuss durchaus befürworten. Aber: „Es muss auch ein Konzept geben, wie alles langfristig finanziert werden kann.“

Genau da sieht auch Stadtvertreter Kurt-Werner Langer von der Fraktion Freie Wähler/Einzelbewerber, während der Sitzung aufmerksamer Zuhörer auf den Besucherbänken, ebenfalls Bedarf. „Ich kann nicht laufend neue Projekte bauen, wenn ich die alle später nicht unterhalten kann.“

Ähnliche Bedenken, „wenn es einmal hieße, jetzt wären vielleicht 350  000 Euro Jahreszuschuss nötig“, teilt auch Joachim Bielang (Grüne/FDP). „Von Grund auf ist es schon richtig: Wo etwas hingebaut wird, muss es auch unterhalten werden.“ Zu dem neuen Projekt benötige er aber auch noch genauere Informationen.


Tuscher: hoffe auf Herz für Wildpark


Wildpark-Geschäftsführer verweist auf die übergeordnete Bedeutung des Vorhabens Erlebnis-Büdnerei als einen „Höhepunkt für Güstrow und den ländlichen Raum um Güstrow“. Immerhin habe sich Güstrow unter 150 Bewerbern um die 90-prozentige Förderung als Wettbewerbssieger behauptet. Bestandteil des Vorhabens sei auch eine Erweiterung des Parkplatzes, der nicht mehr ausreiche. Mit 150  000 Besuchern habe man den Plan für 2015 um 5000 übererfüllt. Tuscher: „Wir sind ein Schaufenster für Güstrow.“ Jeder Tourist, der in den Wildpark kommt, sei ein potenzieller Einkäufer. Tuscher verweist auf rund 5000 Menschen, die monatlich selbst im ansonsten trüben ersten Jahresquartal kommen. Besucher honorierten neue Projekte. Und mit jedem würden zugleich Probleme aus der Vergangenheit abgearbeitet, was auch Entlastung mit sich bringe. Zudem: Mit jedem neuen Projekt habe der Wildpark auch dessen Nachhaltigkeit nachzuweisen, sagt Tuscher. Ich kann nur hoffen, dass die Stadtvertretung weiter ein Herz für den Wildpark hat.“

Denn wenn Bürgermeister Schuldt als Möglichkeit in Betracht zieht, dass der Wildpark den erforderlichen Kredit selbst aufnehmen könne, ist das für Geschäftsführer Tuscher undenkbar: „Das geht nicht. Dann stirbt das Projekt.“

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erstellt am 26.Jan.2016 | 06:00 Uhr

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