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Güstrower Anzeiger

04. Dezember 2016 | 15:18 Uhr

Schiesstraining in Güstrow : Schießübung mit echten Szenarien

vom
Aus der Redaktion des Güstrower Anzeiger

Raumschießanlage in der Fachhochschule nach über drei Jahren Bauzeit und Investition von 6,3 Millionen Euro fertig.

Auf dem Campus der Fachhochschule für öffentliche Verwaltung, Polizei und Rechtspflege übergaben gestern Mitarbeiter des landeseigenen Betriebes für Bau und Liegenschaften (BBL) den Simulationsraum für 180-Grad-Schießübungen der neuen Raumschießanlage (RSA) an den Betreiber. Zuvor war bereits die 25-Meter Bahn fertig gestellt worden.

Mit der Übergabe kann die laut Bauherren „modernste Raumschießanlage Norddeutschlands“ Ende des Monats in einen etwa dreimonatigen Probebetrieb gehen. Der Weg zu dem 6,3 Millionen teuren Objekt war lang. Bereits im Juni 2011 wurde mit den Planungen begonnen. Am Anfang der Bauarbeiten stand im Februar 2013 der Abriss von Baracken. Im November des gleichen Jahres konnte Richtfest gefeiert werden. Vor den Architekten stand die Aufgabe, die RSA optisch nach den Vorgaben des Denkmalschutzes in das Ensemble der Fachhochschule einzufügen. „Dass sich die Bauarbeiten um einige Monate verlängert haben, liegt an der Kompliziertheit der Planung, für die uns keinerlei Erfahrungen vorlagen“, sagt BBL-Sprecher Christian Hoffmann. Ähnlich verhält es sich mit der Bausumme, für die ursprünglich 5,4 Millionen Euro veranschlagt waren. Dazu kamen vorher nicht bedachte und im Laufe der Bauzeit verschärfte Anforderungen an Sicherheitsbestimmungen, die laut Schießstandrichtlinien zu erfüllen waren.

Dennoch: Was lange währt, wird endlich gut. Entstanden sei ein „Highlight“ unter den Bauvorhaben des BBL, versichert Winfried Tasler. „Wir finden hier den fast einmaligen Fall vor, dass die Kosten für die technische Ausrüstung höher sind als für den reinen Bau“, sagt der Leiter des BBL-Geschäftsbereiches Neubrandenburg. Das liegt zu einem großen Teil an der leistungsstarken Be- und Entlüftungstechnik. Die durch den Schusswaffengebrauch kontaminierte Luft muss permanent abgesaugt, gereinigt und temperiert werden. Dafür werden in einer Stunde bis zu 73  000 Kubikmeter Luft umgewälzt. Eine Besonderheit sind auch die knapp 800 Kubikmeter Spezialsand, die sowohl in der 25-Meter-Schießbahn als auch in der 180-Grad-Schießanlage die Geschosse auffangen. Über eine Sprenkleranlage wird der Sand feucht gehalten, um die Auffangwirkung zu verstärken. Mittels Beamereinblendungen und mit entsprechenden Geräuschen in beiden Schießanlagen können Echtzeitszenarien hergestellt werden. „Wobei nicht nur geübt wird, wie die Einsatzkräfte ihre Schusswaffen gebrauchen sollten. Mindestens ebenso wichtig ist, Möglichkeiten zur Vermeidung des Schusswaffeneinsatzes zu erkennen und zur Deeskalation von Situationen beizutragen“, sagt Sebastian Rathmann, von der Fachhochschule als Betreiber der RSA eingesetzt.

Bisher erfolgte die Aus- und Weiterbildung der Einsatzkräfte auf einem mobilen Schießstand neben dem Neubau sowie auf der Schießanlage der Privilegierten Schützenzunft in Güstrow-Bockhorst. Ganz trennen werde man sich von diesem Objekt nicht. „Etwa ein Fünftel unserer Ausbildung werden wir auch weiterhin in Bockhorst absolvieren, um das Spektrum an Bedingungen, die wir im Einsatz vorfinden, zu erweitern“, sagt Rathmann.


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