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Güstrower Anzeiger

28. September 2016 | 20:45 Uhr

Barrierefreiheit : Problemen auf „Zahn gefühlt“

vom
Aus der Redaktion des Güstrower Anzeiger

Beirat für behinderte und chronisch kranke Menschen der Barlachstadt Güstrow mit Bürgermeister in Innenstadt unterwegs

Mit Rollstuhl, Gehhilfen und zu Fuß ging es in dieser Woche mit dem Beirat für behinderte und chronisch kranke Menschen der Barlachstadt Güstrow vom Markt über die Domstraße und den Neuwieder Weg durch die Gleviner Straße zurück zum Rathaus. „Es ist unser Anliegen, zu schauen, wie wir als Bürger die Stadt empfinden. Außerdem wollen wir Probleme erkennen und mit den Verantwortlichen sprechen“, so der stellvertretende Vorsitzende des Beirates, Torsten Schumann.

Genau deshalb waren auch Bürgermeister Arne Schuldt, Abteilungsleiter im Ordnungsamt der Stadt, Jörg Hemesath, sowie Hartmut Reimann aus dem Bau- und Verkehrsausschuss der Stadtvertretung bei dem Rundgang mit dabei. In der Domstraße stellten alle Teilnehmer fest, dass die Barrierefreiheit auf dem Gehweg gegeben ist. Einziger „Stein des Anstoßes“: Ein Halteverbotsschild, das sehr locker im Bereich der Polleranlage auf dem Gehweg steht. „Das ist eine Gefahr“, sagte Bernd Rohsmannek vom Blinden- und Sehbehindertenverein.

Etwas kritischer wurden die Bänke im Bereich des Neuwieder Weges betrachtet, denn sie sahen nicht besonders einladend zum Sitzen aus. Eine wird scheinbar regelmäßig von Tieren als Toilette benutzt, die anderen haben durch den dichten Baumwuchs einen grünen Farbton der Natur angenommen. „Man sollte sie in Pflege geben. Vielleicht können Bürger Patenschaften übernehmen“, meinte Stephan Broszies. Doch so einfach werde es nicht, so Arne Schuldt. „Da wird man kaum Freiwillige finden“, sagt er. Dennoch will sich der Bürgermeister in der nächsten Amtsleitersitzung darum kümmern. „Die Bänke sehen wirklich nicht ansprechend aus“, so auch sein Eindruck.

Ein Problem wollte Torsten Schumann bei diesem Rundgang unbedingt noch ansprechen: Die Toilettenanlage am Gleviner Platz. Jan Elbracht sitzt im Rollstuhl und sollte versuchen das Behinderten-WC zu öffnen. Der Schlüssel muss eingesteckt und gedreht werden, dann summt die Tür kurz. In diesen Sekunden muss er den Griff der Tür erreichen und die Tür öffnen. „Man muss gleichzeitig den Schlüssel drehen und dann an der Tür ziehen. Insbesondere MS- oder Rheuma-Kranke können das nicht. So viel Kraft haben sie oftmals nicht“, weiß der stellvertretende Vorsitzende des Beirates. Auch diesen Hinweis nimmt der Bürgermeister aus dem Rundgang mit. Die Toilettenanlage sei beim Bau mit Personal konzipiert gewesen. Hier sei sicherlich technisch Abhilfe zu schaffen. „Die Tür müsste sich selbstständig öffnen“, fordert Torsten Schumann. Außerdem funktioniert der Notruf in der Toilette nicht.

Anderes ist scheinbar nicht abzuändern. So ärgerte sich Erika Krebs, dass ein Geschäft in der Gleviner Straße neben einem Werbeschild am Haus außerdem noch einen Aufsteller vor der Tür stehen hat. „Obwohl der Fußweg doch so schon eng ist“, sagte sie und hatte dabei Rollstuhlfahrer und Rollatoren im Blick, die sich auch mal begegnen könnten. Doch Jörg Hemesath verwies auf die Satzung. „Der Gehweg muss zusätzlich zum Werbeschild mindestens ein Meter breit sein. Darum ist das genehmigt“, sagte er.

Alle Hinweise sind also nicht umsetzbar. Und dennoch gibt es ein Mitspracherecht der Behinderten auch für die derzeitigen Planungen für den Umbau von Franz-Parr- sowie Marktplatz. Noch im Dezember sollen die Stadtvertreter die Investitionsvorhaben von 2017 bis 2021 festlegen. In diesem Zeitraum sollen die beiden Plätze ein verändertes Gesicht erhalten. Und auch dazu werden die Mitglieder des Beirates wieder ihre Hinweise einbringen.

 

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