zur Navigation springen

Güstrower Anzeiger

23. Juli 2016 | 13:07 Uhr

Demonstration : Pegida-Ableger kann in Güstrow nicht Fuß fassen

vom
Aus der Redaktion des Güstrower Anzeiger

Hunderte Gegendemonstranten verhindern Marsch zu „Villa Kunterbündnis“ und Asylunterkunft / Massives Polizeiaufgebot unterbindet Auseinandersetzungen

Der Demonstrationszug von MVgida, Schweriner Pegida-Ableger, erreichte seine Ziele – zumindest räumlich – in Güstrow nicht. Mit großer Verspätung am Bahnhof gestartet, lief den Organisatoren die Zeit davon. Für eine Kundgebung nahe der Asylunterkunft in der Südstadt reichte die Zeit am Ende nicht.

Die Verspätung hatte fremd- und selbstgemachte Gründe. Als es 14.30 Uhr losgehen soll, sucht Organisator Torsten Schramm noch verzweifelt nach Ordnern. Dann duldet die Polizei zunächst den Abmarsch nicht, weil, wie es hieß, „aggressive, linke Gegendemonstranten“ für Blockaden sorgten. Eine gute Stunde später geht es endlich los.

Bald durchdringt den Bahnhofsvorplatz ein Anfeuerungsruf: „Wir sind das Volk!“. Nur wenige vom „Volk“ nehmen den kurz auf. Mehrmals deutlich vernehmbares „nationaler Sozialismus“ wird laut, eine Ordnerin, die sich später auf dem Markt – da ohne Ordnerleibchen – als Rednerin laut macht, unterbindet dies hektisch. „Deutsch, sozial, national“, schallt es alternativ aus dem Block. Mittendrin marschiert Robert Hoffmann. „Es kommen viele Taugenichtse zu uns. Bei denen gibt es keine Schulen, nur Krieg, und gegen den tut niemand was“, diktiert er dem Reporter, bevor er von Mitläufern weggezogen wird. Andere, aus Wismar und Kiel, wie sie – ohne ihren Namen – sagen, schimpfen auf Politik und Medien.

Hunderte Gegendemonstranten erwarten den Zug am „Alex“ viele weitere verstopfen den Pferdemarkt an der „Villa Kunterbündnis“. „Wir sind Bürger, die sich Sorgen machen. Wir wollen Weltoffenheit in der Provinz zeigen“, sagt der Güstrower Uwe Nicolai. Hier, an der „Villa“, ist ein neuralgischer Punkt, wird der Polizei schnell klar. Deren Vorschlag, nicht über den Pferdemarkt, sondern durch die Hageböcker Straße zu marschieren, akzeptiert Schramke, nicht begeistert, aber man wolle sich kompromissbereit zeigen.

Unter jenen, die den Zug am liebsten ganz stoppen wollen, steht Peter Ritter, Linke-Chef in MV: „Es ist ja augenscheinlich, dass Pegida von Rechtsextremen unterwandert ist.“ Das deutlich überwiegende rechtsextreme Klientel im zeitweise bis zum 170 Leute zählenden Demonstrationszug kann auch MVgida-Mann Schramke nicht übersehen. „Ich bin darüber nicht so glücklich. Aber was soll man da machen? In der Not frisst der Teufel auch Fliegen“, sagt er. Bürgermeister Arne Schuldt, an mehreren „Brennpunkten“ vor Ort, entgegnet: „Schön, dass in Güstrow ein Zeichen dagegen gesetzt wurde.“

Bilanz der Polizei, die durch Beamte aus der Landesbereitschaftspolizei unterstützt wurde: Ein MVgida-Teilnehmer, der mit einer Flasche einen Gegendemonstranten angriff, wurde identifiziert, mehrere Versuche von MVgida-Gegnern, die Sperren zu durchbrechen, wurden verhindert, in einem Fall durch Einsatz von Pfefferspray.

zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Themen zu diesem Artikel:

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen