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Güstrower Anzeiger

11. Dezember 2016 | 09:02 Uhr

Güstrow : Nicht Ghetto, aber deluxe

vom
Aus der Redaktion des Güstrower Anzeiger

Selbstbewusst werden und in die Arbeit finden – junge Menschen aus der Region führen das Theaterstück „Ghetto Deluxe“ auf.

Junge Menschen ohne Arbeit – daran etwas zu ändern ist Ziel des bundesweiten Arbeitsmarktprojektes „work:Art“. Dreh- und Angelpunkt des Konzepts sind die Theaterbühne und das Selbstvertrauen, sie zu bespielen. Am Donnerstag führten die diesjährigen Teilnehmer in Güstrow das Stück „Ghetto Deluxe“ auf. Der Auftritt stellt nach neun Monaten ein wichtiges Teilergebnis der insgesamt einjährigen intensiven Betreuung dar.

„Meist sind die Gründe vielfältig, warum junge Menschen vom Berufsweg abkommen“, erklärt Projektleiterin Katja Segelmacher. „Entsprechend ganzheitlich ist unser Ansatz. Wir haben Gesundheitscoaches, die mit den Jugendlichen Joggen gehen und Gymnastikübungen machen. Wir bieten eine psychologische Betreuung an und helfen zum Beispiel im Falle einer Trennung bei der Wohnungssuche“, sagt Segelmacher und fügt hinzu: „Wir erstellen mit den jungen Menschen auch Bewerbungsunterlagen und helfen ihnen herauszufinden, wo ihre Stärken liegen. Dadurch erkennen sie, was sie arbeiten wollen. Dabei hilft die Theaterpädagogik. Viele müssen erst einmal lernen locker zu werden, zu vertrauen und als Gruppe zusammenzuarbeiten.“

Das Projekt „work:Art“ ist eines von 30 Projekten, die von der Firma Defakto GmbH betreut werden. Vor drei Jahren gegründet, trifft die Firma mit ihrem Konzept offenbar den Nerv der Zeit. Die Projekte haben unterschiedliche Schwerpunkte wie Flüchtlinge, Sprache, Gesundheit oder Alleinerziehende. Allen gemein ist, dass Theater gespielt wird und die Teilnehmer nach längerer Arbeitslosigkeit die als Harth IV bekannte Grundsicherung erhalten.

„Ghetto Deluxe“ ist beispielsweise eine Auftragsarbeit für das Jugendtheater Hagen und wurde unter der Regie von Jessica Schwan auf Güstrow umgeschrieben. Das Stück handelt von einer Gruppe Jugendlicher, die von einem TV-Sender mit der Aussicht geködert wird, eine halbe Stunde Programmzeit selber gestalten zu dürfen. Es stellt sich jedoch heraus, dass die TV-Redaktion Situationen unerwartet filmt und unvorteilhaft zusammenschneidet. Das Ende bleibt offen, denn ein Lehrstück ist es nicht. „Wir wählen Themen aus, von denen wir denken, dass sie den Jugendlichen Spaß machen“, klärt die Projektleiterin auf.

Aufgrund der guten Erfahrungen kooperieren das Güstrower Jobcenter und die Gesellschaft für Beruf und Bildung (BB) bereits zum dritten Mal mit Defakto. Jobcoach Marika Binder zählt die bisherigen Erfolge auf: „Im letzten Projekt sind neun Menschen in die Ausbildung gegangen und eine Person konnten wir in Arbeit vermitteln. Dieses Mal haben uns noch während des Projekts drei Menschen verlassen, die ihren Weg gefunden haben in Form einer Anstellung, eines freiwilligen sozialen Jahres (FSJ) und einer möchte seinen Hauptschulabschluss nachholen.“ Nicht alle schaffen es, das Projekt erfolgreich zu beenden. „Manche merken, dass Schauspiel nichts für sie ist. Außerdem ist es ein anstrengender Prozess, sich zu verändern“, weiß Projektleiterin Katja Segelmacher. Doch die, die dabei bleiben, nehmen wertvolle Erfahrungen mit und gewinnen neue Freunde.

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erstellt am 25.Nov.2016 | 21:00 Uhr

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