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Güstrower Anzeiger

25. September 2016 | 05:44 Uhr

Konzert in Pfarrkirche : Musik mit viel Gefühl verbindet

vom
Aus der Redaktion des Güstrower Anzeiger

Geflüchtet aus der Ost-Ukraine: Armenierin Angela Jankovaya singt mit Güstrower Kantorei Rossini.

Als das letzte „Dona nobis pacem“ der „Petite Messe solennelle“ von Gioachino Rossini am Sonnabend verklungen war, herrschte einige Sekunden Stille in der Güstrower Pfarrkirche. Kantor Martin Ohse hielt die Arme noch hoch, als wollte er weiter dirigieren. Doch vielmehr sollte das Gesungene der Güstrower Kantorei in den Köpfen und Herzen der rund 250 Zuhörer nachklingen.

Begleitet wurde der Chor von zwei Klavieren und einem Harmonium, komplettiert durch vier Solisten. Angela Jankovaya gehörte zu den Sängerinnen. Seit Monaten hatte sie die Messe von Rossini jede Woche mit geprobt. Die Musik Rossinis ist für die in Güstrow lebende Frau etwas Besonderes. „Sie ist so schön, so melodisch – ich kann sie fühlen“, sagt die 40-Jährige.

Vor zwei Jahren kam Angela Jankovaya nach Deutschland. Geboren in Armenien, wuchs sie mit ihrer Familie in der Ukraine auf. Ihr Mann ist Ukrainer und derzeit Soldat. „Ich weiß nicht genau, wo er ist, habe keinen Kontakt zu ihm“, erzählt Angela Jankovaya. Das Leben in der pro-russischen Stadt war der Armenierin und für ihre heute 17-jährige Tochter zu gefährlich geworden. „Darum bin ich hierhergekommen“, berichtet sie. Selbst Kriegsflüchtling, hat sich Angela Jankovaya im vergangenen Jahr ehrenamtlich engagiert, als im zeitweiligen Notaufnahmelager Mühlengeez kurzfristig Hilfe benötigt wurde. „Ich weiß ja, was es bedeutet, ganz neu anfangen zu müssen und in die Fremde zu kommen“, sagt die agile Frau.

Beim Neuanfang in Güstrow habe Angela Jankovaya die Musik geholfen. Nach acht Jahren Klavierunterricht an der Musikschule und einem vierjährigen Studium zur Dirigentin fiel der Christin der Weg zur Kantorei nicht schwer. Seit einem Jahr reiht sie sich in die Sopranstimme ein. Während sie anfangs lediglich die Gesten des Kantors verstand und weniger die Worte, hat sie jetzt schon einen großen Schritt in der Verständigung gemacht. „Deutsch ist sehr schwierig, aber ich möchte andere Leute verstehen und möchte arbeiten“, sagt sie. Wenn sie mittwochs in den Chor kommt, könne sie mit anderen sprechen. Sie genieße diese Zeit, hier fühle sie sich gebraucht, sagt sie. Deutsche Texte habe sie sich bisher in kyrillischen Buchstaben aufgeschrieben, um schnell genug lesen und singen zu können.

Es war Rossini, italienische Musik eben, die durch den sakralen Raum hallte, um die Herzen der Zuhörer zu erreichen. „Das war ein Moment des Innehaltens und der Ruhe für mich“, sagte Angela Jankovaya nach ihrem Auftritt in der Pfarrkirche.

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