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Güstrower Anzeiger

08. Dezember 2016 | 01:07 Uhr

Güstrow : Leuchtkästen und Gesellschaftskritik

vom
Aus der Redaktion des Güstrower Anzeiger

Bazon Brock hält Laudatio zur Ausstellung „14.99 – super günstig“ von Volker Albus in der Galerie Rambow.

Eröffnung der Ausstellung „14.99 – super Sparchance“ in der Galerie Rambow am Domplatz. Unaufhaltsam drängen Besucher in das geräumige Erdgeschoss, der Platz wird knapp, die Luft auch. An den Wänden hat Gunter Rambow die Arbeiten von Volker Albus, Designer und Künstler aus Frankfurt/Main, platziert: in der Hauptsache Leuchtkästen, die mit Preisnachlass für in der Ausstellung nicht vorhandene Produkte werben. Ein Bild, das zur Normalität jedes Supermarktes oder Kaufhauses gehört. Im Kontext zur Galerie wird es zu Kunst. Die Besucher sind aufgefordert, sich ihren Reim auf die Exponate zu machen. „Jede Deutung ist richtig“, verkündet der Gastgeber.

Auch Bazon Brock gibt sein Urteil ab. Der erimitierte Professor, Philosoph, Gesellschaftskritiker und Künstler hält die Laudatio zur Vernissage. Das ehemalige Hofgericht des Feldherrn Albrecht von Wallenstein, in dem Gunter Rambow seit 2002 mit seiner Familie lebt und die Galerie betreibt, nutzt der 80-jährige Laudator zum Tribunal. In freier Rede unternimmt er einen Parforceritt durch 600 Jahre europäische Kulturgeschichte und geißelt mit scharfer Zunge den gegenwärtigen Zustand der Gesellschaft. Kaum einen Bereich nimmt Brock von seiner oft satirisch vorgetragenen Kritik aus: nicht die Hilfspakete für die Griechen, nicht den voll kommerzialisierten Kunsthandel, nicht die EU, nicht die Banker, nicht Schäuble und nicht Merkel. Ein düsteres Bild malt er vom Zustand der Wissenschaft und der Kunst. „Wenn sie heute als Wissenschaftler Geld für die Forschung beantragen, müssen sie vorab sagen, was sie mit den Forschungsgeldern erreichen wollen und welche Markterfolge sie erzielen werden“, kritisiert Brock.

Noch fataler sei es um die Kunst bestellt. Den Wert eines Kunstwerks bestimme heute ausschließlich der Markt, so seine These. „Die Kunst ist lächerlich geworden, sie spielt keine Rolle mehr“, ätzt Brock. Um dennoch in seiner 90-minütigen Vorlesung immer wieder den Bogen hin zu Volker Albus und seinen Exponaten zu schlagen.

Die Galerie Rambow hat keine festen Öffnungszeiten. Jeder könne an der Pforte klingeln, wenn jemand zu Hause sei, werde dem Besucher geöffnet, versichert der Hausherr.

Gunter Rambow teilte den Gästen mit, dass er über eine Schließung der Galerie nachdenke. „Vielleicht noch drei oder vier Ausstellungen“, sagt er. Der nächste Termin steht jedoch schon im Kalender. Am 1. Mai wird eine Ausstellung mit politischen Plakaten von Klaus Steack eröffnet. Der ehemalige Präsident der Akademie der Künste sieht sich als Grafiker im Bereich der Politsatire in der Tradition von John Heartfield. Passend zu Ausstellungstermin und –thema hat Rambow für diesen Tag schon das Teterower Schalmaienorchester geordert. Und Bazon Brock kündigte an, auch wieder da sein zu wollen.


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erstellt am 31.Okt.2016 | 21:00 Uhr

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