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Güstrower Anzeiger

09. Dezember 2016 | 04:52 Uhr

Stallpflicht für Geflügel : Langeweile auf der Hühnerstange

vom
Aus der Redaktion des Güstrower Anzeiger

Nach Ausbruch der Vogelgrippe verordnete Stallpflicht bereitet Probleme bei Hühnerhaltung in mobilen Ställen.

Von 9 Uhr bis zur Dämmerung sind die Legehennen sonst draußen, picken und scharren, gackern und plustern sich auch mal auf. Seit Montag aber haben sie Stubenarrest. Für Wolfgang Grimme vom Gut Wardow kommt die wegen der Vogelgrippe verordnete Stallpflicht einer Katastrophe nahe. „Unsere Tiere – die Hühner und die Hähne – sind daran gewöhnt draußen zu sein. Dass sie nun in den mobilen Ställen ausharren müssen, ist erheblicher Stress für sie“, sagt Grimme und ärgert sich über die ausnahmslose Stallpflicht.

Seit Jahren praktiziert man in Wardow die Hühnerhaltung in mobilen Ställen. Dort fressen und saufen die Hühner, legen Eier und nächtigen. Für den ständigen Aufenthalt seien sie nicht geeignet, erklärt Wolfgang Grimme. „Wir müssen jetzt die Tiere bespaßen, sie beschäftigen, ablenken. Sonst gehen sie sich gegenseitig auf die Nerven und es kommt zu Konflikten“, beschreibt der Wardower. Jette Schwartz, auf Gut Wardow für rund 1000 Legehennen und 300 Hähne verantwortlich, schaut jetzt öfter in die mobilen Ställe, bietet den Tieren Obst zum Picken, Körner zum Scharren, Strohballen und mehr Futter als sonst an, um die Tiere bei Laune zu halten. Einige verletzte Hühner und Hähne habe man schon separieren müssen. Noch würden die Hühner wie gewohnt legen. „Aber die Legeleistung geht mit Sicherheit zurück“, prognostiziert Jette Schwartz.

Zum Glück sei das Problem mit den Hähnen erst mal gelöst. Sie gingen gestern in die Schlachterei. Das geschah planmäßig nach 110 Tagen. „Aber vorher hatten sie richtig Stress – für das Biofleisch nicht gut“, sagt Wolfgang Grimme. Aus seiner Sicht hätten sie die vergangenen fünf Tage auch noch draußen bleiben können, wenigstens einen kleinen Auslauf haben können. „Aber bei den Behörden bin ich auf Granit gestoßen“, klagt er. Für eine risikoorientierte Aufstallung hätte er Verständnis. Wardow sei im Inland gelegen, nicht an der Küste, nicht auf der Insel Rügen, wo deutlich mehr Wasservögel unterwegs sind. Aber die Behörden „sehen nur Schwarz-Weiß“, das Leben aber spiele sich dazwischen ab. „Außerdem ist der Übertragungsprozess des H5N8-Virus nicht sauber bewiesen und nachvollziehbar“, betont Wolfgang Grimme und zweifelt zumindest daran, dass die Wildenten an allem Schuld seien. Er verweist auf den Nabu, der die These vertritt, dass die Vogelgrippe-Viren in kommerziellen Geflügelbetrieben entstehen würden, aber auch Wildvögel befallen können. Fraglich sei aber, ob diese allein für die Ausbreitung verantwortlich seien oder ob nicht die interkontinentale Ausbreitung durch den Handel wahrscheinlicher wäre. Wolfgang Grimme sieht in der Stallpflicht eine „unangemessene Härte“. Er könne nicht parallel zu den mobilen Ställen feste Unterbringungsmöglichkeiten für die Tiere vorhalten und jetzt auch nicht aus dem Hut zaubern.

„Relativ problemlos“ schätzt Martin Bohn vom Domgut Dehmen, die Situation ein. Puten, die den Sommer draußen verbringen, seien im August geschlachtet worden. Seither sind die Tiere in den Ställen. Sonst möglicher Freigang ist nun allerdings tabu. „Wir konzentrieren uns darauf die Gefahren zu minimieren“, betont Martin Bohn und nennt die strikte Einhaltung von Hygienevorschriften als Beispiel. Auf dem Domgut Dehmen werden 60 000 Hähnchen und 5000 Puten – alles bio – gemästet.

Geflügelpest: Landkreis weitet Beobachtung aus

Teile der Gemeinde Dobbin-Linstow und der Stadt Krakow am See sind seit gestern ebenfalls Geflügelpest-Beobachtungsgebiet, informiert der Landkreis Rostock. Die Festlegung sei nach dem Fund eines infizierten Vogels am Plauer See notwendig geworden. Die Südspitze des Landkreises Rostock werde vom Beobachtungsgebiet rund um den Fundort erfasst.

Zudem hat der Landkreis auf seiner Internetpräsenz eine Sonderseite zur Geflügelpest veröffentlicht (www. landkreis-rostock.de/geflügelpest). Dort findet man schnell alle Informationen zur aktuellen Situation. Neben einer Übersichtskarte stehen dort die amtlichen Bekanntmachungen sowie Hinweise für Geflügelhalter und Verbraucher bereit.

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erstellt am 19.Nov.2016 | 05:00 Uhr

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