zur Navigation springen

Güstrower Anzeiger

09. Dezember 2016 | 04:49 Uhr

Friedhof Reinshagen : Kulturgut und Geschichtsbuch

vom
Aus der Redaktion des Güstrower Anzeiger

Erhaltung von Friedhöfen im ländlichen Raum verlangt ein Umdenken – in Reinshagen macht man sich die Mühe.

„Ein Friedhof hat Zeit“, sagt Richard Scherer. Getrost könne man junge Bäume pflanzen, in deren Schatten erst nachfolgende Generationen ausruhen können. Sie werden auch später niemanden stören, denkt der Vorsitzende des Friedhofsaussschusses der Kirchengemeinde Reinshagen. Und selbst wenn in diesen Tagen vor dem Ewigkeitssonntag viele Menschen auf den Friedhof kommen, ist es kein geschäftiges Treiben. In Ruhe wird der verstorbenen Angehörigen gedacht, Blumenschmuck von den Gräbern entfernt und Tannengrün darauf gelegt. Die Friedhöfe in den kleinen Dörfern Reinshagen und Lüdershagen erhalten zu wollen, darin sind sich die Mitglieder des Kirchengemeinderates Reinshagen einige. Viel Zeit nimmt man sich auf der Suche nach Wegen, dieses zu erreichen.

So werden neben den Reihen- und Wahlgräbern seit geraumer Zeit auch Rasengräber sowohl für Urnen als auch für Särge angeboten. „Gemeinschaftsanlagen sind gefragt, wenn wir sie nicht anbieten, entscheiden sich die Leute für andere Friedhöfe, wo es das gibt“, sagt Frank Schumacher. Dann seien die Friedhöfe auf den Dörfern bald leer, fügt der Friedhofsmitarbeiter der Kirchengemeinde Reinshagen hinzu. Die Rasengräber minimieren den Pflegeaufwand und werden gut angenommen. Auf einer Tafel sind Name, Geburts- und Sterbejahr verzeichnet. „Anonyme Bestattungen gibt es bei uns bewusst nicht“, betont Friederike Jaeger und nennt seelsorgerische Aspekte als Grund dafür. Menschen würden einen konkreten Ort für ihre Trauer brauchen. „Sie wollen etwas am Grab niederlegen. Wir sehen das an den Rasengräbern“, erklärt die Pastorin. Eigentlich hatte man gemeint, dass die Steine der Rasengräber von Efeu umschlungen werden sollen.

„So ein Dorffriedhof ist auch Kulturgut, ein Geschichtsbuch“, denkt Friederike Jaeger. Deshalb sei ihr der Erhalt so wichtig. Ordentlich müsse er aussehen. Darum leiste sich die Kirchengemeinde bewusst einen Friedhofsmitarbeiter. Aber man müsse immer wieder neu überlegen. Ein Thema sei derzeit der Erhalt alter Grabsteine. Bisher fotografiert Frank Schumann alle Gräber, bevor sie abgeräumt werden. „So sind sie wenigsten dokumentiert“, sagt er. Man überlege, wie auch alte Grabsteine erhalten bleiben könnten. „Da sind wir aber noch im Prozess der Findung“, betont Friederike Jaeger. Und Richard Scherer fügt hinzu: „Aus kirchlicher Sicht ist der Friedhof ein wichtiger Ort. Das ist er aber auch für Familien, die auseinandergerissen hier und dort leben.“ Richard Scherer schätzt es sehr, dass in der Kirchengemeinde Reinshagen die Dinge so lange diskutiert werden, bis sie von allen mitgetragen werden. „Das kostet Kraft, aber es lohnt sich“, erklärt er. Ein solcher Prozess steht auch hinter der Herrichtung eines Ortes für weltliche Beerdigungen im Nordschiff der Kirche. Eine ehemalige Gruft – bisher genutzt – sei oft zu klein. Einen Verstorbenen, der keine Bindung zur Kirche hat, vor dem Altar aufbahren gehe ebenfalls nicht. Eine Feierhalle gibt es in Reinshagen nicht, berichtet Friederike Jaeger. Seit September verfüge man nun über den Platz im Nordschiff der Kirche. Auch das sei reiflich überlegt worden.

zur Startseite

von
erstellt am 19.Nov.2016 | 21:00 Uhr

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Themen zu diesem Artikel:

Kommentare

Leserkommentare anzeigen