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Güstrower Anzeiger

04. Dezember 2016 | 17:20 Uhr

Schlieffenberg : Katze weg – Jäger verantwortlich?

vom
Aus der Redaktion des Güstrower Anzeiger

Reagiert: Tierschutzverein sieht eigene Beobachtungen bestätigt/Peta fordert Jagdverbot auf Haustiere

Heftige Reaktionen löste unser Beitrag „Purzel, Menke und Co – wer hat sie auf dem Gewissen?“ aus. Darin schilderte eine Leserin aus Schlieffenberg, dass in letzter Zeit sieben ihrer Hauskatzen spurlos verschwunden wären. Aufgrund wiederholter Schussgeräusche in der Nähe ihres Grundstücks vermutet sie, die Tiere könnten von Jägern getötet worden sein.

„Leider ist der geschilderte Fall der verschwundenen Katzen aus Schlieffenberg kein Einzelfall“, schreibt der Tierschutzverein Güstrow und Umgebung. Immer wieder werde auch aus anderen Gegenden berichtet, dass seit Jahren gehaltene Tiere nie mehr auftauchen. „Entsetzt waren wir in diesem Zusammenhang über die Äußerungen eines Jägers, ,Wer steht denn nachts auf, um Katzen zu schießen? Außerdem wäre mir dafür die Kugel viel zu teuer.’“, schreibt Corinna Forbrich. Jagd verstünden die Tierschützer als „naturnahe Nutzung der Wildtiere und Erkenntnis, dass der Schutz von Tieren dann den größten Erfolg bringt, wenn er mit einer verantwortungsvollen Nutzung“ einhergeht. Diesen Gedanken habe Kreisjägermeister Heinz Stegemann mit seinen Ausführungen klar unterstrichen. „Aus Erfahrung“, schreiben die Tierschützer, „können wir oftmals von einer guten Zusammenarbeit mit anderen Jägern berichten. Hoffen wir, dass o.g. Äußerungen bald der Vergangenheit angehören und auch das spurlose Verschwinden von Katzen endet.“

Auch die weltweit agierende Tierrechtsorganisation Peta meldete sich zu Wort. Peta Deutschland kritisiert, dass der Abschuss angeblich „wildernder“ Hunde und Katzen durch Jäger in Mecklenburg-Vorpommern erlaubt ist. Dies, so Peta, entbehre einer wissenschaftlichen Grundlage. Jana Fuhrmann: „Baden-Württemberg hat die Jagd auf die sogenannten Haustiere aus diesem Grund mit der Einführung des neuen Jagd- und Wildtiermanagementgesetzes ab April 2015 weitgehend verboten.“ Auch in Nordrhein-Westfalen wären im Zuge einer Novellierung des Landesjagdgesetzes Verbote oder Einschränkungen vorgesehen. Die Tierrechtsorganisation fordert die Landesregierung in MV dazu auf, gleichzuziehen und ebenfalls die Jagd auf Hunde und Katzen zu verbieten. „Es ist ein Skandal, dass der Abschuss von Hunden und Katzen in Mecklenburg-Vorpommern noch immer erlaubt ist“, so Vanessa Reithinger, Fachreferentin für Wildtiere bei Peta Deutschland. „Den Jägern geht es nicht um Arten- oder Tierschutz, sondern lediglich um Beuteneid und die Lust am Töten.“

Peta-Schätzungen zufolge werden in Deutschland jährlich 350  000 Katzen und Hunde durch Jäger getötet. Exakte Zahlen zu den Haustierabschüssen wären nicht erhältlich, weil in den meisten Bundesländern keine Meldepflicht bestehe. Eine Erklärung dafür, dass unsere Leserin keine Spuren ihrer vermissten Katzen finde, liefert Peta mit: „Da das Töten von tierischen Mitbewohnern durch Jäger in der Bevölkerung auf breite Ablehnung stößt, werden die Vierbeiner nach dem Abschuss meist vergraben, am Straßenrand entsorgt oder sogar zusätzlich überfahren, um einen Unfalltod vorzutäuschen.“ Begründet werde der vermeintliche Abschuss durch Jäger damit, dass Hunde und Katzen Wildtiere reißen könnten.

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erstellt am 13.Jan.2015 | 07:00 Uhr

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