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Güstrower Anzeiger

10. Dezember 2016 | 08:01 Uhr

Ungewöhnlich : Kastanienblüte im Oktober

vom
Aus der Redaktion des Güstrower Anzeiger

Mögliche Ursache: Stress durch Krankheitserreger oder Verwirrtheit durch spätes Hochsommerwetter.

Gegenüber der Gerichtsstele in Alt Diekhof blüht eine Kastanie. Inge Illge, die diese Laune der Natur im Foto festhielt, ist sich nicht sicher, ob sie sich darüber freuen soll oder nicht. Bekanntlich leiden die Kastanien seit Jahren, büßen ihre Blätter lange vor der Zeit ein. Neben der dafür verantwortlichen Miniermotte setzen inzwischen noch andere Schädlinge den meist stattlichen Bäumen zu.

„Die Kastanie sieht schon seit Wochen mächtig ramponiert und leidend aus“, berichtet Inge Illge (68). Unter dem Baum liegen die Kastanien. Schon seit geraumer Zeit beobachte sie einen Neuaustrieb. Und nun blüht der Baum ein zweites Mal in diesem Jahr. „Es gibt hier eine Kastanienallee, aber nur dieser eine Baum blüht“, erzählt die Alt-Diekhoferin und sieht es schon als ein Wunder der Natur, das sie allerdings auch mit Sorge sehe. „So etwas habe ich noch nicht gesehen. Aber warum ist das so?“, fragt sich die 68-Jährige. SVZ fragte im Umweltamt des Landkreises nach.

Entweder sei es eine Reaktion auf Stress – Stichworte: Miniermotte und Blattwelke – oder auf den extrem sommerlichen September, der Verwirrung gestiftet haben könnte, erklärt Maren Polzin. Das passiere selten, aber doch immer mal wieder. Sie erinnert sich an eine Kastanie in der Nähe des Wildparks, die vor einigen Jahren im Herbst blühte. Bei den Bäumen sei es ähnlich wie bei den Menschen, sie reagieren individuell, weshalb nur ein Baum ausgetrieben sei. Mit Kastanien sei eher nicht zu rechen. Dafür sei die noch verbleibende Vegetationszeit zu kurz. „Maximal werden sich noch kleine Früchte bilden, die dann abfallen“, denkt die Baumexpertin.


Nach Stress: Kampf ums Überleben


Im Falle von Stress seien Austrieb und Blüte als Akt der Verzweiflung zu werten. Der Baum versuche, darüber Reservestoffe für sein Überleben zu bilden. Neben der Miniermotte setze ein Welkepilz den Kastanien zu. Der Pilzbefall führe dazu, dass die Blätter vom Rand her braun werden und sich zusammenrollen, erläutert Maren Polzin. Hinzu kommen der Einfluss von Streusalz für Bäume am Straßenrand und eine Bakterienerkrankung, ausgelöst durch Pseudomonas. Letzteres zeige sich zunächst durch schwarze Tupfen am Stamm. Schon geschwächte Bäume böten den Bakterien reichlich Angriffsfläche. Auch beobachte man, dass vor allem jüngere Kastanien von der bakteriellen Krankheit betroffen seien. Alle hier benannte Sorgen um die Kastanie seien aber noch kein Grund einen Baum zu fällen. „Dazu kommt es erst in Tateinheit mit anderen das Holz zersetzenden Pilzen“, sagt Maren Polzin und empfiehlt, die Kastanien weiter im Auge zu behalten. So habe sie beispielsweise an der Kastanie auf dem Hof der Kreisverwaltung schon beobachtet, wie sich Blaumeisen die Larven der Miniermotte aus den Blättern ziehen. „Wir können nur hoffen, dass die Meisen weiter lernen“, denkt Maren Polzin.

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erstellt am 04.Okt.2016 | 21:00 Uhr

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