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Güstrower Anzeiger

28. September 2016 | 15:40 Uhr

Storchen-Bilanz : Kämpfe hoch über fetten Wiesen

vom
Aus der Redaktion des Güstrower Anzeiger

Güstrows Storchenbeauftragter zieht verheerende Bilanz – nur neun Brutpaare mit 16 Jungen.

„Es ist die schlimmste Bilanz, die wir je hatten“, sagt der Weißstorchbeauftragte für die Region Güstrow. Lediglich neun Brutpaare machten sich jetzt mit 16 Jungstörchen auf den Weg in den Süden (2004: 45 Paare, 88 Junge, 2006: 30 Paare, 57 Junge). Reinhard Schaugstat sieht die Ursachen für den Niedergang der Storchenpopulation vielfältig und global. Eine Kette von Problemen ziehe sich von den Winterquartieren in Afrika bis in die Region Güstrow, wo es den Adebaren insbesondere an Nahrung fehlt. „Verrapst, vermaist, verödet“, fasst er zusammen.

Schon Ende Februar (22.) waren die ersten Winterstörche von der Pyrenäen-Halbinsel in Güstrow und Zehna eingetroffen. Wesentlich anstrengender und gefahrvoller sei die rund 10 000 Kilometer lange Wanderung für die Rotstrümpfe, die in Afrika überwintern. „Regionale Dürregebiete schwächten die heimziehenden Verbände. Winterwetter blockierte ihren Weiterflug durch Europa“, berichtet Schaugstat. Und; „Die im Brutgebiet Ende April einsetzende Kaltfront, die späte Ankunft der Afrika-Störche und die um Johanni (24. Juni) herrschende Trockenheit führten zum Bestandseinbruch.“

Noch im Mai seien 24 Störchen bei Strenz scheinbar ziellos umher ziehend beobachtet worden. Einzelvögel hätten vergeblich auf die Partner gewartet. Rastlos und streitbar irrten sie umher. An den von Feuchtwiesen umgebenen Horstplätzen kam es zu aggressivem Gedränge. „In Karow riss ein Störer dem sitzenden Weibchen die Brust blutig und bezog dann das Strenzer Nest“, nennt Schaugstat ein Beispiel. Mehrere Kampfstörche töteten einen bereits brütenden Vogel in Spoitgendorf und warfen die Eier ab. In Bansow habe ein kletternder Waschbär das Gelege zerstört. Zeitweise Hitze und Hunger erschwerten die Aufzucht. Oft habe das Nahrungsangebot nur für die Elterntiere ausgereicht. Eine Folge: 16 tote Nestlinge. Den tatsächlichen Verlust schätzt der Storchenbeauftragte auf 24 Jungtiere. Noch kurz vor dem großen Fliegen seien die „Drillinge“ auf dem Kloth-Hof in Wattmannshagen „verdörrt“. „Tausende Schnecken und Würmer aus Garten und Weide waren weggepickt“, erklärt Schaugstat und macht in Wattmannshagen eine besondere Tragik aus. Hier hatten sechs Eier im Nest gelegen. Zwei seien abgeworfen, vier ausgebrütet worden. Ein Junges starb vor der Zeit.

Aber auch ein paar schöne Begebenheiten will Schaugstat erwähnen. Er berichtet vom Karower Schäfer Garlipp. Der habe seine Mühlbach-Wiese gemäht und damit 20 Rotmilanen und elf Störchen für eine Woche den Tisch mit Insekten, Nagern und Nattern gedeckt. Auch Plascheks in Güstrow hätten wie immer ihre Störche behütet. Hier war eine Dreierbrut erfolgreich. „Zum Feinschmecker adelten die Hohen Sprenzer Dörfler ihren Jungvogel. Die Elternstörche stibitzten für das fastende, flugfaule Kind frische Netzware aus dem Loch’schen Fischkasten“, erzählt Schaugstat und erwähnt auch eine deutsch-polnisch Sommerliebe in Vietgest. Vor Hunger flüchtend aber sei die Polin nach Lübsee gewechselt, wo sie und weitere Störche zwischen Damwild, Kühen und Kranichen äste. Wo genau die polnische Störchin ihren Ring bekam, wird noch ermittelt.

Sankt Bartholomä (24. August) sagen die Störche ade, heißt es. Die Güstrower Altstörche hielten sich daran. Ihr Nachwuchs war schon am 4. August verschwunden.


c

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erstellt am 23.Sep.2016 | 21:00 Uhr

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