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Güstrower Anzeiger

09. Dezember 2016 | 22:15 Uhr

Flucht aus Ukraine : In Güstrow Musik wiederentdeckt

vom
Aus der Redaktion des Güstrower Anzeiger

Viele Jahre nahm der Flüchtling Aren Oganesian seine Geige nicht mehr in die Hand.

Die armenische Familie Oganesian ist glücklich in Güstrow und hat inzwischen hier Fuß gefasst. Der 40-jährige Aren, die 33-jährige Kamilla Chalyan und der zweijährige Alen kamen vor etwa zwei Jahren als Flüchtlinge aus der Ukraine in die Barlachstadt – geflüchtet vor dem unerbittlichen Bürgerkrieg in dem Land. Der passionierte und studierte Geiger Aren Oganesian hatte wegen schrecklicher Erlebnisse sein Instrument viele Jahre nicht mehr in Hand genommen. Doch in Güstrow fand er den Frieden und die Sicherheit, sich wieder seiner Leidenschaft zu widmen. „Ich hätte nicht gedacht, dass ich überhaupt noch spielen kann“, sagt Aren Oganesian.


Öffentlicher Auftritt im Krippenmuseum


Die Güstrowerin Heidemarie Beier war es, die ihn motivierte. Sie sorgte dafür, dass er zuerst eine Geige leihen konnte. 15 Jahre hatte Aren Oganesian da nicht mehr gespielt – eine sehr lange Zeit. Doch seit einem Jahr ist er jetzt wieder dabei und war auch schon zu verschiedenen Anlässen in der Barlachstadt zu hören. Inzwischen konnte eine Geige mit Hilfe von Sponsoren gekauft werden und der Musiker kann täglich bis zu drei Stunden üben. Am kommenden Freitag wird er bei der Eröffnung der neuen Ausstellung im Norddeutschen Krippenmuseum in Güstrow zu hören sein. Darüber freut er sich sehr. „Gern würde ich auch in der Musikschule ein Praktikum absolvieren. Das würde mir Spaß machen“, sagt er.

Aren Oganesian wurde in Jerewan geboren. Seine absolute Vorliebe galt der Musik. Zuerst besuchte er die Musikschule, dann die Musikfachschule und schließlich noch das Konservatorium. Er spielte in einem Geigen-Ensemble, von dem sogar ein Video im Internet zu finden ist. Da ist der etwa 19-jährige Mann zu sehen. Es war ein Ensemble, das für Film- und Radio-Aufnahmen spielte. Dennoch fasste Aren Oganesian viele Jahre lang keine Geige an. Sein Vater hatte wegen Schwierigkeiten mit der politischen Führung aus Armenien fliehen müssen. Seine Mutter und Schwester sind gestorben. So ging Aren Oganesian ganz allein in die Ukraine und versuchte, sich dort eine neue Existenz aufzubauen. Allerdings wollte und konnte er dort nicht musizieren. „Ich konnte einfach nicht, hatte aufgrund der Situation nicht die innere Stimmung dazu“, sagt der 40-Jährige.


Fleißig die deutsche Sprache lernen


Seine heutige Frau Kamilla lernte der 40-Jährige bereits in Karabach an der Musik-Fachschule kennen. Er war Lehrer und Kamilla Schülerin. Nachdem Aren Oganesian auch in der Ukraine um sein Leben fürchten musste, heirateten die beiden und kamen nach Deutschland. Die kleine Familie ist fleißig dabei, die deutsche Sprache zu erlernen. Den Kurs B1 hat Aren bereits absolviert und ist nun dabei, B2 plus in Rostock zu schaffen. Die Prüfung wird im Januar sein.

Auch Kamilla Chalyan ist sehr musikalisch, hatte zwölf Jahre lang Klavierunterricht. Neben der Musik hat die Familie in Güstrow gute Nachbarn und viele Kontakte.  


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