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Güstrower Anzeiger

10. Dezember 2016 | 00:10 Uhr

Diskussion im Rathaus : Güstrow zur Stadt für alle machen

vom
Aus der Redaktion des Güstrower Anzeiger

Viele Gäste bei der erster Podiumsdiskussion des Aktionsbündnisses Inklusion. Vielzahl fehlender Stadtvertreter sorgte für Unmut.

„Das war, soweit ich das einschätzen kann, die erste wirklich barrierefreie Veranstaltung in der Barlachstadt“, resümiert Inklusionsbotschafter Torsten Schumann als Mitorganisator der Podiumsdiskussion unter dem Motto „Güstrow – eine Stadt für alle?“ am Mittwochabend im Güstrower Rathaus. Mehr als 60 Gäste waren der Einladung des Aktionsbündnisses Inklusion der Barlachstadt in den Stadtvertretersaal gefolgt.

Zu Beginn der fast dreistündigen Veranstaltung musste die Anzahl der Stühle sogar noch erhöht werden. „Das habe ich so gar nicht erwartet“, sagt Schumann weiter. „Ich freue mich über den großen Zuspruch. Das zeigt, dass das Thema interessiert und das ist gut“, erklärt auch André Sonnenberg. Der Güstrower ist Mitglied des städtischen Behindertenbeirats und war am Mittwochabend als Gast gekommen. „Mir geht es vor allem um die Umsetzung der UN-Behindertenrechtskonvention auf kommunaler Ebene“, erklärt der 34-Jährige. Die Behindertenrechtskonvention und ein daraus abzuleitender Maßnahmeplan dominierten die Gespräche an diesem Abend. Auch die Podiumsgäste kehrten in ihrer Diskussion immer wieder auf dieses Thema zurück.

Elke Prehn vom Elternverband hörgeschädigter Kinder LV MV sagte dazu: „Ich schlage vor, dass wir gemeinsam mit Stadt und Landkreis eine Analyse über den Ist-Zustand machen und darauf aufbauend erarbeiten, was wir brauchen und wo wir hin wollen. Das kann nur zusammen funktionieren.“ Dem konnte Rolf-Dieter Küsters vom Blinden- und Sehbehindertenverein nur zustimmen. „Auch wir bieten unsere Unterstützung für den Aktionsplan an“, erklärte er. Die Güstrower Sozialamtsleiterin Mandy Mater signalisierte ebenfalls ihre Unterstützung. „Wir sind als Stadt nicht für alle Bereiche – etwa den Personennahverkehr – verantwortlich, da müssen wir noch weitere Partner, wie Rebus und den Landkreis, mit ins Boot holen“, machte sie deutlich.

Insbesondere im Bereich Nahverkehr stellten Redner und Gäste Handlungsbedarf heraus. So fehlen für Karola Benedict, Leiterin des Cochlear-Implant-Centrums, Beschilderungen zu eben diesem. „Auch eine visuelle Anzeige im Bus, wäre für unsere Patienten wichtig“, sagte sie aus dem Auditorium. „Oft funktionieren die Anzeigen auch gar nicht. Das macht die Teilhabe schwer und schürt Unsicherheit“, machte auch Elke Prehn deutlich. Prof. Dr. Tino Just, Chefarzt der Klinik für Hals-, Nasen- und Ohrenheilkunde am KMG-Klinikum Güstrow, appellierte indes an die Stadtverwaltung: „Sie sollten sich wirklich eine Anlage für Hörverstärkung anschaffen. Das wird sich rentieren.“ Diesen Hinweis nahm Sozialamtsleiterin Mandy Mater gerne auf. Ebenso wie den, zum Thema Gebärdendolmetscher bei öffentlichen Sitzungen.

Für Unmut sorgte indes das Fehlen vieler Stadtvertreter und des Bürgermeisters bei der abendlichen Veranstaltung. „Wo sind die Regenten und Richter“, fragte HNO-Arzt Tino Just. „Es ist ein Trauerspiel, dass kaum Stadtvertreter hier sind und sich für unsere Belange interessieren“, fügte Bernd Rohsmannek vom Behindertenbeirat an. Karen Larisch (Die Linke) war eine der wenigen Stadtvertreter vor Ort. Auch sie zeigte wenig Verständnis für das Fernbleiben ihrer Amtskollegen. „Jetzt, wo die Betroffenen vor Ort sind, ist keiner da“, formulierte Larisch zum Ende der Diskussion kritisch.

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erstellt am 17.Nov.2016 | 21:00 Uhr

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