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Güstrower Anzeiger

25. September 2016 | 00:36 Uhr

Autokennzeichen : GÜ im Rückwärtsgang

vom
Aus der Redaktion des Güstrower Anzeiger

Kennzeichen BÜZ und TET dagegen von immer mehr Autofahrern gewählt / In anderen Gemeinden spielt LRO größere Rolle

Die regionale Verbundenheit von Autofahrern, vielfach ausgedrückt im amtlichen Kennzeichen, nimmt offenbar zu. Seit einiger Zeit leben auch eigentlich längst verflossene Kennzeichen untergegangener Landkreise auf. „Viele haben ihr Auto sogar wieder umgekennzeichnet“, berichtet Thomas Höppner, Verkaufsleiter im Autohaus Güstrow: Das GÜ werde wieder gefordert. „Es sieht schöner aus, zeigt die Stadtverbundenheit“, denkt Höppner. Er selbst habe auch wieder das GÜ dran. Das gelte aber noch mehr für Kunden aus anderen Städten wie Teterow oder Bützow, bei denen das frühere amtliche Landkreiskennzeichen mit dem Kürzel der Heimatstadt übereinstimmte. Lediglich Firmenfahrzeuge blieben regelmäßig beim neueren LRO.

Rückblende: Mit der Kreisgebietsreform 1994 wurden die Autokennzeichen wie BÜZ für Bützow, TET (Teterow) oder ROS (Kreis Rostock) zum Auslaufmodell. Es entstanden die Landkreise Güstrow und Bad Doberan, in denen wurden nur die Autokennzeichen GÜ und DBR vergeben. 17 Jahre später folgte die zweite große Kreisgebietsreform. Im September 2011 wurde aus Güstrow und Bad Doberan der neue große Landkreis Rostock. Der gab ab Januar 2012 für Neuzulassungen das Autokennzeichen LRO heraus.

Zum diesem Zeitpunkt gab es bereits die sogenannte Heilbronner Initiative mit dem Ziel der Wiedereinführung alter Kfz-Kennzeichen. Dazu befragten zwei Studentinnen im April 2011 auch in Bützow 266 Menschen auf der Straße. 180 von ihnen waren Bützower, 85 Prozent von diesen möchten wieder das BÜZ an ihrem Auto, ergab die Befragung. Aus dem Altkreis Bützow, zu dem das Amt Schwaan gehörte, das 1994 zum Landkreis Bad Doberan wechselte, gab es noch bei 60 Prozent der 86 Befragten den Ruf nach dem alten Kennzeichen. Im November 2012 führte die Heilbronner Initiative dazu, dass die alten Kennzeichen wieder eingeführt werden konnten.

Dabei spiegelt sich der von Autoverkäufer Höppner gezeichnete Trend jedoch nicht unbedingt in den Zahlen. Denn gab es zur Wiedereinführung der „alten“ Kennzeichen noch 59 065 Autos mit dem GÜ, so ging diese Zahl 2014 auf 56 923 zurück. Und vor knapp einem Jahr später waren es sogar nur noch 53 630.

Das dürfte mit daran liegen, dass Autokäufer wieder stärker zum BÜZ, TET und ROS greifen, die über 18 Jahre nicht mehr zugelassen wurden. Das GÜ war aber noch bis 2011 das offizielle Kennzeichen des gesamten Landkreises. Man kann also annehmen, dass etwa Krakower oder Laager Autofahrer heute nicht unbedingt das GÜ favorisieren – anders als Teterower das TET oder Bützower das BÜZ. Mit der Folge: Das GÜ wird weniger, die TET oder BÜZ mehr. Was machen also Krakower oder Laager – sie fahren dann schon eher auf das neue, den ganzen Landkreis beschreibende LRO ab.

Ähnlich verhalten sich übrigens auch Autofahrer in Schwaan. Schwaan hatte ja nie eine „eigene Identität“. Erst gehörte es zum Kreis Bützow mit dem BÜZ und dann zum Kreis Bad Doberan mit dem DBR. Jetzt wollen die meisten Kunden das LRO für den neuen Großkreis, weiß dort ein Autoverkäufer.

Rainer Katzer, Geschäftsführer eines Autohauses in Bützow, denkt auch, manches „hängt vom Alter und dem Wohnort ab“. Gerade die Bützower, aber auch Güstrower oder Teterower nehmen das jeweilige Kennzeichen. „Das hat einfach etwas mit dem Heimatort, mit der regionalen Identität zu tun“, meint Katzer. Jüngere Autokäufer bis etwa 35 tendierten eher zum LRO, habe er festgestellt. „Das erscheint moderner“, vermutet Katzer. Und die Neuregelung hätte noch einen anderen Vorteil: „Es sind wieder Wunschkennzeichen möglich, die vorher nicht mehr gingen, weil sie schon vergeben waren. Jeder Zweite nutzt das.“

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