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Güstrower Anzeiger

03. Dezember 2016 | 16:43 Uhr

Jugendwort des Jahres : Grübeln über Jugendwort des Jahres

vom
Aus der Redaktion des Güstrower Anzeiger

Der Langenscheidt-Verlag kürt das Jugendwort des Jahres und Güstrower Schüler grübeln – was meint eigentlich „fly sein“?

„Bedeutet es vielleicht, dass man sich gut fühlt, als ob man fliegen würde?“ „Ich weiß nicht genau. Wahrscheinlich bedeutet es, dass jemand abgehoben ist.“ „Jemand ist einfach frei, unabhängig und kann machen, was er will.“ – Güstrower Schüler grübeln über die Bedeutung von „fly sein“, dem frisch gekürten Jugendwort des Jahres. Jährlich sucht der Langenscheid-Verlag neue Begriffe für sein Jugendsprache-Lexikon und versucht herauszufinden, wie die Jugend heute spricht. Doch gerade das diesjährige Gewinnerwort gibt den Jugendlichen Rätsel auf. Die Güstrower Schüler können nur raten, was es eigentlich bedeuten mag.

Die Vorschläge für das Jugendwort des Jahres kommen aus den Reihen der Jugendlichen selbst. Sie reichen ihr persönliches Lieblingswort ein. Die 20-köpfige Jury, bestehend aus Jugendlichen, Sprachwissenschaftlern und Journalisten, wählt dann nach sprachlicher Kreativität, Originalität, Verbreitungsgrad, sowie gesellschaftlichen und kulturellen Ereignisse aus. Zwar gibt es auch eine Online-Umfrage, aber die hat kaum Einfluss auf die Entscheidung. Bei den Jugendlichen, die es ja eigentlich wissen müssten, und die bei der Online-Umfrage die weit verbreitete Abkürzung „isso“ (es ist so) zum Sieger kürten, wirft „fly sein“ nur Fragen auf.

„Ich hab dieses Wort noch nie gehört, weiß nicht woher es kommt oder wer es sich ausgedacht hat. Eigentlich weiß ich nicht einmal, was es überhaupt bedeutet“, grübelt Sarah Sahin über d  a  s angebliche Jugendwort. Die 16-jährige Schülerin ist überrascht von der wahren Bedeutung, denn „fly sein“ bedeutet offenbar „besonders abgehen“ oder „locker drauf sein“. Für die Schülerin hätte „isso“ eindeutig den ersten Platz gemacht. „Viele sind wahrscheinlich etwas zu faul oder wollen einfach, dass es schneller geht. Deshalb sagen sie „isso“. Dieses Wort ist schon regelrecht zu einer Gewohnheit geworden, weil es einfach jeder sagt. Also kann ich es nicht verstehen, warum ein Wort, das niemand kennt, zum Jugendwort des Jahres wird“, sagt Sarah Sahin. Mit ihren Bedenken ist sie nicht allein.

Werden die drei Spitzenwörter der Umfrage „fly sein“, „isso“ und „Bambusleitung“(zu langsames Internet) einer elften Klasse des John-Brinckman-Gymnasiums vorgestellt, entscheiden sich die meisten Schüler für das Wort „isso“, gefolgt vom Begriff „Bambusleitung“. Keiner von ihnen weiß, was „fly sein“ überhaupt bedeutet.

„Meiner Meinung nach hätte „isso“ das Jugendwort 2016 werden müssen, weil es einfach jeder kennt. Ich denke nicht, dass „fly sein“ Jugendliche irgendwie repräsentiert, vor allem auch, weil es niemand benutzt, zumindest nicht in meinem Umfeld, sonst hätte ich es wohl schon gekannt“, sagt Paul Kruse. Der 16-Jährige benutzt Jugendwörter wie „isso“ oder „on fleek“(genau richtig, gut gelungen). Andere Wörter, die bei den Jugendlichen weit verbreitet sind, sind beispielsweise „lol“(besonders laut lachen), „bae“(beste Freundin oder auch Pizza) und „yolo“(man lebt nur einmal).

Auch die 17-jährige Neele Scharm grübelt über das Jugendwort 2016 nach. „Es mag ja sein, dass einige Jugendliche wirklich so reden. Aber ich bin auch davon überzeugt, dass viele es nicht tun. Ich persönlich benutze nicht viele Jugendwörter, außer vielleicht Begriffe wie ,geil‘ oder ,cool‘. Die Wörter aus der Umfrage habe ich größtenteils noch nie gehört und weiß auch nicht, was sie bedeuten“, sagt die Schülerin der Güstrower Ecolea-Schule.

Eines steht jedenfalls fest: Die Auswahl an Jugendwörtern in der diesjährigen Langenscheidt-Umfrage bereitet den Güstrower Schülern eine Menge Spaß beim Rätselraten, denn kreativ ist das Jugendwort 2016 auf alle Fälle. Wenn es jedoch nach den Jugendlichen geht, sollte der Begriff im nächsten Jahr eher nach seiner Verbreitung und Popularität ausgewählt werden. Dies würde zumindest vermeiden, dass die Jugendlichen selbst nicht einmal wissen, welche Wörter sie angeblich benutzen. „Wenn so die Jugend spricht, dann ist es vermutlich eine ganz neue Fremdsprache, die ich wohl oder übel auch zuerst einmal lernen muss“, resümiert Neele Scharm mit einem Lächeln auf den Lippen.


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