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Güstrower Anzeiger

04. Dezember 2016 | 00:51 Uhr

Männer- und Gewaltberatung : Gewaltberatung in Finanzklemme

vom
Aus der Redaktion des Güstrower Anzeiger

Für die Finanzierung des Beratungsangebots in Güstrow fehlen 2017 rund 10 000 Euro. Hilft der Landkreis Rostock?

Die Männer- und Gewaltberatung in Güstrow arbeitet seit 20 Jahren. Nicht sprunghaft, aber stetig steigt die Zahl der Männer, die hier Hilfe suchen. Nun steht das Beratungsangebot auf der Kippe. „Wir haben für das nächste Jahr eine Finanzierungslücke von rund 10 000 Euro“, erklärte Karin Wien vom Verein Arche – für Frau und Familie, Männer- und Gewaltberatung. Viele Jahre habe es der Verein geschafft Fördermittel mit Eigenmitteln zu komplettieren. Nun brauche man Hilfe.

Im nächsten Jahr schlage die Beratungsstelle mit 51 000 Euro zu Buche. „Wir sind ein kleiner Verein und müssen jetzt 10 000 Euro finden“, formulierte Wien vor dem Sozialausschusses des Kreistages, der am Montagabend in Bad Doberan tagte. 35 000 Euro bekäme man vom Land, 2500 Euro von den Städten Güstrow und Bützow, 1000 Euro vom Landkreis Ludwigslust-Parchim und 1800 Euro vom Landkreis Rostock. Der Verein habe eine Erhöhung der Zuwendung beim Landkreis beantragt, berichtet Karin Wien. Auch sei überlegt worden, die Stundenzahl des Beraters von 40 auf 30 herunter zu setzen. „Das bringt aber nichts, weil dann gleichzeitig die Förderung vom Land reduziert wird“, erklärt Karin Wien.

Im Haushaltsentwurf 2017/2018 des Landkreises sei für die Unterstützung von Beratungsstellen usw. nicht mehr Geld als sonst eingeplant, hörten die Ausschussmitglieder von Sozialamtsleiterin Monika Mätsch. Prinzipiell würde sie das Anliegen unterstützen, aber es fehle das Geld oder es müsse umverteilt werden. Uwe Burkhardt, stellvertretender Ausschussvorsitzender, kündigte an, dass man im Zuge der Haushaltsdiskussion eine Erhöhung der Zuwendung durch den Landkreis für die Beratungsstelle fordern werde.

Zuvor hatte Dieter Schmidt die Arbeit der Männer- und Gewaltberatung erläutert. Im Zeitraum von 2011 bis 2015 waren im Landkreis Rostock 377 Klienten beraten worden. Im Fünfjahreszeitraum zuvor waren es 355 und davor 304, berichtete der Sozialpädagoge, der auch für die Stadt Rostock und Teile des Landkreises Ludwigslust-Parchim zuständig ist. Er ist einer von drei Gewaltberatern in MV. Er hilft überwiegend Männern (98 Prozent), die nach oft jahrelangen Gewaltausbrüchen in der Regel gegen ihre Frauen in die Beratungsstelle kommen. „Sie sind im Alter von 18 bis 73 Jahren mit einem Schwerpunkt zwischen Mitte 30 und Mitte 40“, berichtet Dieter Schmidt. Sie kämen aus allen Gesellschaftsschichten. Es seien Menschen mit zwei Leben: nach außen heile Welt, doch hinter verschlossenen Türen Problembewältigung mit Gewalt. In der Regel werden die Probleme in Einzelgesprächen aufgearbeitet – und das mit Erfolg. Nur sieben, acht Prozent der Männer würden als Wiederholungstäter erneut in die Beratungsstelle kommen, betont der Gewaltberater.

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erstellt am 09.Nov.2016 | 05:00 Uhr

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