zur Navigation springen

Güstrower Anzeiger

08. Dezember 2016 | 10:57 Uhr

Kirchenchor Laage : Gemeinschaft übers Singen hinaus

vom
Aus der Redaktion des Güstrower Anzeiger

SVZ-Serie „Chorgeflüster“: Der Ökumenische Kirchenchor in Laage wurde vor 70 Jahren gegründet.

Es ist Dienstagabend um halb acht. Im Gemeinderaum auf dem Laager Pfarrhof beginnt die Chorprobe des Ökumenischen Kirchenchors. Fast alle Stühle sind besetzt. Die rund 30 Mitglieder warten auf das Zeichen von Pastor Thomas Kretschmann. Sein linker Zeigefinger geht hoch, der rechte in Position auf der Maus. Synchron geht es los: Der Chor singt auf „Klick“.

Die Klaviermusik ertönt aus dem Laptop, der Pastor spielt nämlich „nur“ Geige, Gitarre und Schlagzeug. „Das reicht auch“, sagt er entspannt und lacht. „Für die instrumentale Begleitung unserer Konzerte und Gottesdienste helfen uns Studenten der Rostocker Hochschule für Musik und Theater aus“, fügt er hinzu. Seit sechs Jahren leitet er den Chor, der 1946 gegründet wurde und in diesem Jahr sein 70-jähriges Bestehen feiert.


Spenden sammeln für Bedürftige


Ein Chor ist mehr als gemeinsames Singen. Er kann auffangen, wenn die Zeiten schwierig sind. Die 77-jährige Gitta Stochaj begann nach dem Tod ihres Mannes regelmäßig zu den Chorproben zu gehen. Auch zuvor hat sie sich in der Kirche engagiert, aber „man hatte ja immer wenig Zeit mit Haus und Hof“, erinnert sich die ehemals in der Landwirtschaft Beschäftigte.

Mit immerhin sechs Katholiken kann sich der ökumenische Chor brüsten – ein guter Schnitt in einem Land mit überwiegend protestantischen Christen. Die christlichen Grundwerte werden unter den Mitgliedern groß geschrieben. „Wenn jemand in der Gemeinde in Not ist, sammeln wir unter uns Sängern Sachspenden“, erzählen die Laagerinnen Christa Stönner (69) und Maria Christine Nienberg (66). Die Geschenke gingen in diesem Jahr an eine Asyl suchende Familie und an eine Familie, die Opfer eines Wohnungsbrandes geworden war.

Der Chor singt bei Gottesdiensten und zu kirchlichen Ereignissen traditionelle als auch zeitgenössische Kirchenlieder. „Wir sind schließlich ein Kirchenchor“, konstatiert die 78-jährige Renate Schulz. Seit drei Jahrzehnten singen sie und ihr Mann Ernst (84) in den Chören der mittlerweile zusammengelegten Kirchengemeinden Laage und Recknitz.

Zurzeit laufen die Vorbereitungen für den Buß- und Bettag und natürlich für Weihnachten. Zwei Musicals hat der Chor bisher auf die Beine gestellt: „Der verlorene Sohn“ im Jahr 2010 und zwei Jahre später „Die zehn Gebote“. Ein drittes Werk ist nicht ausgeschlossen.

Zu runden Geburtstagen ziehen einige Chormitglieder durch die Stadt bringen den Jubilaren ein Ständchen. Und das 70. Jubiläum in eigener Sache? Das wurde in Schwaan gefeiert, wo sich die Mitglieder einen Tag Kultur gönnten und beim dortigen Gottesdienst mitsangen.


Mehr Männerstimmen sind erwünscht


Da der Chor bei den Proben meist fleißig singt, bieten Weihnachtsfeiern und Sommerfeste Gelegenheit zum Erzählen. „Das tun wir gern“, bestätigen die Mitglieder. Der schöne Pfarrhofgarten eigne sich ideal für Grillfeste. Christa Stönner bringt das Gemeinschaftsgefühl auf den Punkt: „Gerade bei dunklem, kalten Winterwetter will man eigentlich nicht raus. Aber die Freude auf den Chor überwiegt.“

Im Laager Chor ist auch die seltenen Spezies des singenden Mannes zu finden. Sechs Männer inklusive Pastor singen mit. Kürzlich ist ein siebter Sänger hinzugekommen: Waldemar Ryskaltschuk (37) aus dem ukrainischen Lemberg. Seit drei Monaten ist er mit der Familie in Deutschland, seit Oktober in Laage. „Ich singe schon seit meiner Schulzeit. Im Kirchenchor möchte ich meine Fähigkeiten stärken“, erklärt er. Die Chormitglieder würden sich noch mehr Männer in ihren Reihen wünschen. Nach kurzer Diskussion darüber, ob auch speziell junge Menschen angesprochen werden sollten, ist sich der Chor einig: Es ist einfach jeder willkommen.

zur Startseite

von
erstellt am 11.Nov.2016 | 21:00 Uhr

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Themen zu diesem Artikel:

Kommentare

Leserkommentare anzeigen