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Güstrower Anzeiger

10. Dezember 2016 | 23:21 Uhr

Leben mit Behinderung : Gehörlos und mitten im Leben

vom
Aus der Redaktion des Güstrower Anzeiger

Anja Buchholz verlor aufgrund einer Krankheit ihr Hörvermögen – im Kurhaus am Inselsee fand sie eine Anstellung.

Anja Buchholz ist hübsch, jung, gelernte Raumausstatterin, Mutter einer elfjährigen Tochter, in Lalendorf zu Hause, aber mit einem Handicap behaftet. Die 35-Jährige kann seit einer Hirnhautentzündung im Alter von neun Monaten nicht mehr hören. Und trotzdem meistert sie ihr Leben.

Sie war Schülerin der Gehörlosenschulen in Güstrow und Ludwigslust und erlernte dort die Gebärdensprache, das Ablesen von den Lippen und das Sprechen. Und das alles beherrscht sie meisterhaft. Seit eineinhalb Jahren ist sie Mitarbeiterin im Zimmerservice im Güstrower Kurhaus am Inselsee. Aber bis es soweit war, schlug sie sich mit Ein-Euro-Jobs und Fördermaßnahmen der Arbeitsagentur durchs Leben. „Ich komme gut zurecht und fühle mich wohl hier“, sagt sie über die Arbeitsatmosphäre im Hotel. „Es gibt überhaupt keine Verständigungsprobleme“, sagt auch ihr Chef, Erich-Alexander Hinz, der geschäftsführende Inhaber des Hotels. „Frau Buchholz versteht alles“, fügt er hinzu.

Seit Jahren gehören Menschen mit Behinderung zum Mitarbeiterstamm des Kurhauses am Inselsee. Sie sind vor allem in der Küche eingesetzt, denn hier werden viele Arbeiten noch in Handarbeit ausgeführt, so das Kartoffelschälen oder das Spargelschneiden und Gemüseputzen. Der Hotelchef pflegt schon seit Jahren einen engen Kontakt mit der Güstrower Gehörlosenschule. So machen Schüler Praktika in seinem Hotel. „Unsere behinderten Mitarbeiter sind treu und fühlen sich mit unserem Betrieb sehr verbandelt“, beschreibt Hinz und fügt hinzu: „Wir hatten schon Hauswirtschaftsmitarbeiterinnen hier, die wir bis zur Rente begleitetet haben und die jetzt noch oft bei uns hineingucken“. Man müsse unvoreingenommen gegenüber Menschen mit Behinderung sein und einfach los legen – das ist seine Devise und sein Rat an andere Unternehmensleiter.

In Rostock und Umgebung sind zurzeit rund 800 schwer behinderte Menschen arbeitslos gemeldet. Viele von ihnen haben eine fundierte berufliche Qualifikation. In Mecklenburg-Vorpommern liegt der Facharbeiteranteil unter den arbeitslosen Menschen mit Schwerbehinderung bei 80 Prozent, der der arbeitslosen Nichtbehinderten bei 65 Prozent.

Während der gestern begonnenen 6. Aktionswoche für Menschen mit Behinderungen beantworten Fachkräfte der Arbeitsagentur Rostock und des Jobcenters unter 0800 4555520 alle Fragen zum Schwerbehindertenrecht, darunter zur finanziellen Unterstützung, zur Ausbildung, Probebeschäftigung, beruflicher Eingliederung und behindertengerechte Ausgestaltung von Arbeitsplätzen.




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