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Güstrower Anzeiger

03. Dezember 2016 | 07:48 Uhr

Kritzkow : Erst 15 Jahre und schon Jägerin

vom
Aus der Redaktion des Güstrower Anzeiger

Lara Gerion aus Kritzkow hat sich für das Weidwerk entschieden.

Neben zwei gestandenen Männern war Lara Gerion während der Hubertusmesse in Hohen Sprenz zur Jägerin geschlagen worden – ein 15-jähriges Mädchen in einer eher von Männern regierten Domäne, das ist eine Nachfrage wert. „Ich bin mal mit Papa mitgegangen und dachte mir, dass ich das auch will“, erzählt die Kritzkowerin. Irgendwie sei sie mit der Jägerei großgeworden. Und weil künftig Schulabschluss und Ausbildung viel Zeit und Kraft kosten werden, absolvierte Lara Gerion schon jetzt die Jägerausbildung. Eine Waffe zu tragen ist ihr derzeit noch nicht erlaubt. Erst mit ihrem 16. Geburtstag Ende Februar kann sie dann auch bewaffnet auf die Pirsch gehen.

Von einer Familientradition kann bei den Gerions in Kritzkow keine Rede sein. Mark Gerion (40) war als Kind manches Mal mit dem Förster unterwegs. Dann habe es aber noch sehr lange gedauert, bis er mit seiner Frau Stephanie (39) darüber sprach und sie nichts dagegen hatte, wenn er sich im Gegenzug für einen Tanzkursus bereit findet. Seit 2008 ist Mark Gerion Jäger, hat inzwischen bei Kritzkow ein eigenes Jagdrevier. Als Trophäenjäger sieht er sich nicht auch nicht als „Schießer“. Lange habe es gedauert, bis er sein erstes Wild erlegt hatte. „Es ist nicht schlimm, ohne Beute heimzukehren“, sagt er. Viel wichtige sei ihm das Erleben der Natur – dasitzen, beobachten und entspannen. Die Jagd sei notwendig, sagt Mark Gerion und denkt dabei an das Selektieren von krankem Wild, aber auch an die Wildschäden, die vor allem Wildschweine auf den Äckern anrichten. Über das Für und Wider der Jagd könne man trefflich streiten, das weiß Lara Gerion schon sehr genau. Dabei sei ihr zuletzt nur Bewunderung dafür, dass sie als Mädchen die Jägerausbildung bestanden hat, entgegengebracht worden. „Der Mensch isst Fleisch. Dann doch lieber ein Stück Wild, als Fleisch aus Massentierhaltung“, denkt die 15-Jährige.

Jagdausbildung – ein hartes Stück Arbeit

Absolviert hat sie ihre Jagdausbildung in einem kompakten Sommerkursus – nicht billig, aber Geld dafür hatte sie schon nach der Jugendweihe zurückgelegt. Einen dicken Ordner hält sie in Händen. Einfach sei es nicht gewesen, immer wieder lernen, lernen, lernen. Wildtierkunde, Hygiene, Jagdrecht, Jagdpraxis und Waffenkunde. Letzteres habe sie als besonders schwer empfunden. Zwischendurch hätte sie auch mal alles hinwerfen wollen. Aber aufgeben, gibt es bei Gerions nicht und schließlich konnte sie auf die Unterstützung der Eltern bauen. Ansonsten habe niemand davon gewusst. „Erst als sie die Prüfung bestanden hatte, haben wir die Verwandtschaft zu einem Frühstück eingeladen und alles erzählt“, berichtet Stephanie Gerion.

„Sie soll erst einmal mitkommen und viel gucken und beobachten, bevor sie schießt“, meint Papa Mark Gerion. Seine Tochter nickt zustimmend. „Geerbt“ hat sie übrigens nicht nur das Interesse an der Jagd, sondern auch an der Feuerwehr. Mark Gerion ist seit Jahren Wehrführer in Kritzkow. Und wenn Lara Gerion im nächsten Februar 16 Jahre alt wird, rückt sie in die Gruppe der aktiven Kameraden in Kritzkow auf.

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erstellt am 28.Nov.2016 | 12:00 Uhr

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