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Güstrower Anzeiger

30. September 2016 | 20:35 Uhr

Verfall Carlsdorf Gutshaus : Erholung unter schützendem Dach

vom
Aus der Redaktion des Güstrower Anzeiger

Ruinöses Gutshaus in Carlsdorf vor weiterem Verfall gerettet

Blattlos säumen Eichen und Kastanien die Straße nach Carlsdorf. Das Kopfsteinpflaster hat nach wie vor seine Schwachstellen. Alles wie gehabt und am Ende der Straße dann doch Erstaunen. Das Gutshaus – seit Jahren mehr eine Ruine – ist eingerüstet, bekommt ein neues Dach. Die Handwerker sind noch bei der Arbeit. Weihnachten soll das Krüppelwalmdach fertig sein. „Wir sind ganz glücklich. Es sieht doch schon toll aus“, sagt Robert Unger und ist sehr zufrieden.

Der Rechtsanwalt aus Berlin hatte das Gutsensemble im Sommer 2012 gekauft. Im Pferdestall, den der Vorbesitzer saniert und mit einer Wohnung ausgestattet hatte, kommt er seither an den Wochenenden unter. Aber zusehen, wie das Gutshaus weiter verfällt, das konnte er nicht. „Für uns wäre es eine schreckliche Vorstellung – ein Gutshof ohne Gutshaus“, erklärt Unger und vergleicht eine solche Situation mit einem lachenden offenen Mund ohne Schneidezähne. „Wir wollen jetzt nicht das Guthaus in einem Ritt sanieren“, betont der Rechtsanwalt. Man gehe mit Augenmaß an die große Aufgabe. Das wichtigste sei erst einmal der Schutz des Gebäudes, also ein neues Dach. Das war quasi nicht mehr vorhanden, fast komplett heruntergebrochen. Nur der Mittelrisalith ragte noch gen Himmel.


Sanierung nicht in einem Ritt


Nach Fördermittelzusage im Frühjahr und Ausschreibung im Sommer hätten die Arbeiten im September begonnen. „Wir haben das Haus eingerüstet und dann Unmengen Schutt herausgeholt“, berichtet der Bauherr. Nur letzte Dachbalken seien noch darunter gewesen. Handwerker hätten die Mauerkrone neu aufgemauert. Ein Ringanker aus Holz halte nun die Außenmauern zusammen. Danach habe der Dachstuhl errichtet werden könne. Derzeit werde die Dacheindeckung vollendet. „Dann ist das alte Gemäuer wieder geschützt und kann sich erholen, vor allem erst mal trocknen“, formuliert Unger und kann es selbst kaum fassen, dass alles so schnell geklappt hat. Ohne Förderung – 50 Prozent – wäre es nicht denkbar gewesen, betont er. Aber auch der Wettergott sei dem Vorhaben wohlgesonnen gewesen, obwohl Sturm und Regen Probleme verursacht hätten.

Im Zuge der gewaltigen Aufräumarbeiten ist in der Mitte des Gebäudes ein großer Raum entstanden, für den sich der Berliner Rechtsanwalt als erstes eine Nutzung vorstellen kann. Dort könnten in den Sommermonaten Veranstaltungen – privat oder öffentlich – für das Dorf oder die Gemeinde stattfinden, denkt Unger und stellt sich einen eher rustikalen Raum mit sandgestrahlten Wänden und Steinfußboden, aber ohne Heizung vor. Geht im Sommer die Sonne unter, tauche sie diesen Raum in ein ganz besonderes Licht, schwärmt Unger. Danach müsse man zusehen, dass Fenster und Fassaden saniert werden. „Aber auch das werden wir mit Augenmaß angehen“, betont er.

Auf die Frage, woher man angesichts des ruinösen Zustandes das Hauses den Mut für ein solches Projekt nehme, antwortet Robert Unger: „Weil wir es unbedingt wollen und weil es das Haus verdient hat.“ Die Außenmauern seien sehr solide, auch das Innenmauerwerk zum großen Teil stabil. Erstaunlich sei, dass die Decken der Beletage, auf die fast das ganze Dachgeschoss fiel, zum großen Teil noch heil sind, lobt Unger die Standhaftigkeit preußischer Kappendecken. Nur, weil dieses Maß an Stabilität noch vorhanden war, könne man an eine Sanierung des Hauses überhaupt nur denken.

Die Familie Möller-Lilienstern – seinerzeit in Rothspalk ansässig,– hatte vermutlich 1895/97 das Gutshaus in Carlsdorf errichten lassen. Es ist nicht ganz eindeutig einem Stil zuzuordnen, sondern bewegt sich zwischen Jugendstil und Neu-Barock.

Robert Unger war viele Jahre regelmäßig in Dalwitz zu Gast. Erst mit 40 Jahren hatte er den Reitsport für sich entdeckt und schon überlegt, in Dalwitz ein Haus zu bauen, bevor der Carlsdorf entdeckte. Die große Scheune links vor dem Gutshaus hat er zur Reithalle umfunktioniert, im Stallgebäude rechter Hand neue Pferdeboxen eingebaut und sich nun auch entschieden, in Carlsdorf Pferde für den Springsport und die Jagd zu züchten. „Wir wissen, dass wir nicht allein sind und sich schon mancher in der Pferdezucht versuchte, wir wollen es dennoch probieren“, sagt Unger. Acht Pferde – Holsteiner und Hannoveraner – habe man inzwischen. „Drei Stuten sind tragend. Wir freuen uns also auf Fohlen im Frühjahr“, berichtet der Rechtsanwalt. 

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