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Güstrower Anzeiger

10. Dezember 2016 | 17:36 Uhr

Dreharbeiten in Güstrow : Einmal selbst beim Film mitgewirkt

vom
Aus der Redaktion des Güstrower Anzeiger

Sängerinnen der Güstrower Kantorei waren als Komparsen zwei Tage beim Filmdreh dabei. Ein Erlebnisbericht von Sieglinde Seidel.

Einmal selbst bei Dreharbeiten mitwirken zu können ist schon etwas Besonderes. Einigen Güstrowern bietet sich gerade diese Möglichkeit, da die bekannte Produktionsfirma Ziegler Film in der Barlachstadt das Fernsehdrama „Der Sohn“ für den NDR dreht (SVZ berichtete). Jetzt haben auch Dreharbeiten mit Sängerinnen der Güstrower Kantorei stattgefunden. SVZ-Mitarbeiterin Sieglinde Seidel, selbst bei der Kantorei aktiv, berichtet von ihrem ersten Filmdreh.

„Und bitte.“ Die Stimme des Regieassistenten Matthias Junge hallt durch die Aula des John-Brinckman-Gymnasiums. Es ist Freitagabend und ich stehe inmitten eines kleinen Frauenchores, der in dem Fernsehfilm „Der Sohn“ in Güstrow mitwirkt. Die Szene wird bereits mindestens zum zehnten Mal gespielt – ebenso oft singen wir eine Strophe von „Morgenlicht leuchtet“. Es ist mittlerweile 22 Uhr und ich werde langsam müde.

Regisseur gibt Anweisungen

Seit 15 Uhr sind wir in Anspannung. Nach einer kurzen Einweisung kam es zu einer ersten Begegnung mit dem Regisseur. Er erklärte, worauf es ihm ankommt und wollte einen Eindruck von uns und unserem Gesang gewinnen. 15 Frauen unterschiedlichen Alters hatten sich zu diesem außergewöhnlichen „Auftritt“ bereit erklärt. Die Hauptdarstellerin des Films singt in einem Chor und das soll eben auch authentisch dargestellt werden. „Das ist total interessant“, sagt Beate Weichold von der Güstrower Kantorei. „Wenn man es selbst erlebt, ist es doch etwas ganz anderes“, fügt sie an.

Kantorei-Sängerin Heidemarie Beyer hat sich auf dieses Erlebnis einfach eingelassen. „Mitmachen ist alles“, sagt sie. Ihren Sohn habe sie vorher gefragt, wie sie die französischen Worte des einen Titels richtig aussprechen muss. Evalena Freier, die sonst im Schulchor und im Kammerchor des John-Brinckman-Gymnasiums auftritt, stellt fest: „Das ist schon schön, dies mal zu erleben.“ Auch mich hat gereizt, bei solch einem Prozedere dabei zu sein. Doch habe ich es so nicht erwartet.

Etwa 20 Männer und Frauen gehören zur Filmcrew, die sich um Licht, Ton, Make up, Garderobe der Mitwirkenden und die Verpflegung kümmern. Wenn eine Szene etwa fünf Mal aus einer Perspektive gedreht wurde, folgt die gleiche Szene immer und immer wieder aus mindestens zwei weiteren Perspektiven. Für alle heißt das: noch einmal von vorn. Dennoch resümiert Katharina Reinke von der Kantorei: „Es war ein fabelhafter Tag.“

Drei Tage später ein weiterer Drehtag. Diesmal stehen wir auf dem Friedhof bei einer Beerdigung. Hier ist nur eine Szene zu drehen. „Das wird schnell gehen“, denke ich, als wir um 10 Uhr zur ersten Einstellung gerufen werden. Das wäre nicht schlecht, denn das Thermometer zeigt minus ein Grad. Natürlich sind wir warm angezogen, doch nach einer Stunde beginnt die Kälte dennoch über die Füße in mich zu kriechen.

Schauspieler trotz Kälte professionell

Doch auch die Schauspieler, darunter Muriel Baumeister und Tobias Oertel stehen nur wenige Meter entfernt. Auch andere Komparsen stehen eine ganze Weile still auf einem Fleck und erleben diese Szene immer und immer wieder. Ich habe Hochachtung vor den Schauspielern. Auch ihnen ist kalt – sie stehen immer wieder parat, sagen ihre Texte und zeigen durch ihre Mimik, dass sie voll und ganz bei der Sache, bei ihrer Arbeit sind. Da werden die äußeren Gegebenheiten als nicht abänderbar hingenommen.

Zwischendurch dürfen wir uns aufwärmen, denn durch die verschiedenen Kameraeinstellungen, die wir inzwischen kennen, dauert der Dreh doch bis zum Nachmittag. Um 15 Uhr heißt es dann: „Der Chor darf gehen. Die Szene ist abgedreht.“ Ich bin froh, ins Warme zu kommen. Doch ich möchte diese Erfahrung nicht missen. Diese Drehtage lassen mich die Fernsehwelt mit neuen Augen sehen. Welcher Aufwand dahinter steckt, um einen Film so zu schneiden, dass wir ihn letztlich anschauen können, weiß ich jetzt wirklich. Und ich werde Filme von nun an ganz neu betrachten.

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