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Güstrower Anzeiger

27. Juli 2016 | 19:19 Uhr

Ausbildung zum Keramiker : Ein fast vergessenes Handwerk

vom
Aus der Redaktion der Bützower Zeitung

Die Ausbildung zum Keramiker schlagen nur noch wenige ein – Anna Scharping lernt in Bernitt von Rainer Finck alles rund um Ton

Behutsam formt Anna Scharping aus einem Klumpen Ton eine Schale, später wird daraus vielleicht eine Tasse oder eine Kanne. Die 20-Jährige lässt sich in der Werkstatt von Rainer Finck in Bernitt zur Keramikerin ausbilden. Ganz selbstverständlich ist dieser Ausbildungsweg, der für die 20-Jährige in der Jugendkunstschule in Greifswald ihren Anfang nahm, nicht. In einem freiwilligen sozialen Jahr war sie in der Leitung der dortigen Keramikschule tätig. „Ich bin durch mein FSJ richtig an die Keramik herangeführt worden“, erinnert sie sich, dass bereits hier der Wunsch reifte, dauerhaft mit dem Material zu arbeiten. Nur wenige Kilometer entfernt, in der Töpferei von Tine und Jochen Löber in Alt Tellin, absolvierte sie ein Praktikum.


Tassen, Kannen oder Tontöpfe


Um die Ausbildung musste sie sich schließlich selbst bemühen, deshalb sprach die junge Frau Keramikermeister Rainer Finck auf einem Kunsthandwerkermarkt in Greifswald an, kümmerte sich um einen Platz an einer Berufsschule und begann nach einem Praktikum ihre Ausbildung in Bernitt. Hier lernt sie nun im zweiten Jahr und fertigt inzwischen routiniert Tassen, Kannen, Tontöpfe oder andere Gebrauchskeramik.

„Im Frühjahr und Sommer bin ich komplett im Betrieb“, erklärt Anna Scharping. Dann geht es gemeinsam mit Rainer Finck auf Kunsthandwerkmärkte in der Region. „Das gefällt mir gut an der Ausbildung“, so Scharping. Auf den Märkten sucht sie gern den direkten Kontakt zu Kunden, ist neugierig, was ihnen besonders gut gefällt oder was sie bei ihren nächsten Arbeiten ausprobieren könnte.

In der Werkstatt ist es dagegen oft ruhig. „Man kann gut dabei nachdenken“, sei die praktische Arbeit ein Kontrast. Die Mehrzahl der Arbeiten des Bernitter Betriebs entstehen an der Drehscheibe, wo Kraft aber auch Fingerspitzengefühl gefragt sind. „Das ist etwas sehr befriedigendes. Ton ist ein tolles Material. Ich mag es, dreidimensional zu arbeiten.“


Viel Mathe und Chemie in Ausbildung


In regelmäßigen Abständen geht es für die 20-Jährige in die Berufschule Heider, wo dann die Theorie rund um den Ton im Vordergrund steht. Viel Mathe und Chemie, aber auch Geschichte wird hier gelehrt. So geht es bei der Schwindungsberechnung beispielsweise darum, den Trocknungs- und Brennungsschwund auszurechnen. „Der Ton ist ja nass, dann trocknet er und wird gebrannt, dabei verliert er Wasser“, erklärt sie. Dass sie so viel rechnen würde müssen, hätte die Auszubildende gerne vorher gewusst. Informationen rund um den Beruf und die Ausbildung sind im Vorfeld aber schwer zu bekommen. „Man muss schon relativ genau wissen, dass man das machen will“, betont sie. Mit nur zwölf Auszubildenden aus zwei Lehrjahren lernt sie in der Berufsschule und längst nicht alle lassen sich in kleinen Betrieben wie in Bernitt ausbilden.

„Es ist ein Handwerk, was man erlernen kann. Das wissen viele nicht“, klärt sie auf. Nach der Gesellenprüfung könne man sich schließlich selbstständig machen. „Das ist aber nicht mein Plan“, verrät sie. Nach ihrer Ausbildung möchte Anne Scharping Kunst studieren und einen Weg einschlagen der Kunst und Handwerk sinnvoll verbindet. „Ich kann mir vorstellen, mit Kindern zu arbeiten“, so die 20-Jährige, die anderen Menschen das Handwerk nahe bringen möchte.

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erstellt am 21.Okt.2015 | 12:00 Uhr

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