zur Navigation springen

Ausgrabungen in Güstrow : Der Vergangenheit auf der Spur

vom
Aus der Redaktion des Güstrower Anzeiger

Vor der Bebauung haben Bodendenkmalpfleger das Sagen am Domplatz 18 in Güstrow.

Der Bretterzaun ist verschwunden. Bagger drehen sich auf dem Grundstück am Güstrower Domplatz. Tiefgebückt kratzen Simone Nitzsche und Alfred Tunnat vorsichtig zwischen Steinen den Boden weg. Die archäologischen Untersuchungen habe begonnen und künden davon, dass die Bebauung einer seit mehr als zwölf Jahren klaffenden Lücke bevorsteht. In der Nacht zum 28. August 2004 war das historische Gebäude am Domplatz 18 niedergebrannt. Jetzt soll hier ein Wohnhaus entstehen.

„Wir haben erst die Oberfläche beräumt. Wenn wir dann in die Tiefe gehen kann es spannend werden“, sagt Dr. Holger Fries, der in den vergangenen Jahren viele archäologische Untersuchungen in der Güstrower Altstadt leitete. Ein Gewölbekeller war schon 2011 freigelegt worden. Damals hatte ein Vorgängerprojekt verwirklicht werden sollen, wozu es nicht gekommen war. Der Keller mit Tonnengewölbe gehört zur Bebauung im 16. Jahrhundert, informiert Fries. Oberflächlich sei zu erkennen, dass er einen Knick macht und vermutlich mehr Raum einnimmt, als bisher bekannt. Während auf einem Teil des Grundstückes nicht tiefer als ein Meter gegraben wird, ist auf einem Teilabschnitt ein Keller vorgesehen. Für die Ausgräber heißt das, dass man noch tiefer ins Erdreich vorstoßen kann. Der zweite Kellerabschnitt, so nimmt der Archäologe an, ist Ende des 18. Jahrhunderts verfüllt worden, könnte sich also als Fundgrube erweisen.

Bücher wurden früher nicht nur zugeklappt, sondern auch verschlossen. Eine solche Buchschließe zeigt Holger Fries.
Bücher wurden früher nicht nur zugeklappt, sondern auch verschlossen. Eine solche Buchschließe zeigt Holger Fries. Foto: Regina Mai
 

Bisher verweist Fries auf nicht mehr als eine Tüte mit Bruchstücken von Ofenkacheln. Lediglich eine Buchschließe aus dem 16./17. Jahrhundert lässt das Herz des Archäologen etwas höher schlagen. Bücher wurden damals nicht nur zugeschlagen, sondern auch verschlossen, erklärt Fries. Im hinteren Bereich deutet sich ein weiterer Keller an. Was auf der rechten Grundstücksseite zu erwarten ist, sei noch völlig offen. Ob man in dem Bereich am Domplatz noch Reste eines Friedhofes findet, hält Fries für wenig wahrscheinlich. „Nach dem, was wir jetzt sehen, setzte eine Bebauung des Grundstückes erst im 16. Jahrhundert ein“, erklärt Fries. Das würde auch zur baulichen Nachbarschaft – zwei Häuser weiter steht das Lühe’sche Haus, bekannt auch als Wallensteins Hofgericht (1583) – passen.

Für die nächsten vier bis sechs Wochen läuft am Domplatz 18 das übliche Prozedere archäologischer Untersuchungen ab: ausgraben, dokumentieren und daraus dann die Bau- und Siedlungsgeschichte des Grundstückes am Güstrower Dom rekonstruieren. Ende Mai oder Anfang Juni will dann die Wohnungsgesellschaft Güstrow den Grundstein für den Neubau legen, kündigt Geschäftsführer Jürgen Schmidt an.

zur Startseite

von
erstellt am 18.Mär.2017 | 05:00 Uhr

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Kommentare

Leserkommentare anzeigen