zur Navigation springen

Güstrower Anzeiger

28. Juni 2016 | 11:34 Uhr

Feuerwehr : Damit es nicht an Fahrern fehlt

vom
Aus der Redaktion des Güstrower Anzeiger

Auch Gemeinde Lohmen bezahlt künftig Kameraden der freiwilligen Feuerwehr den Erwerb des Lkw-Führerscheins

Wenn in einem Notfall die Feuerwehr mit Blaulicht an uns vorbei prescht, macht sich kaum einer von uns Gedanken darüber, wer dort wohl am Lenkrad sitzt.

In immer mehr Freiwilligen Feuerwehren aber wird gerade dies zunehmend zum Problem. Denn wenn sich auch so manche Feuerwehr in den letzten Jahren über ein neues Löschfahrzeug freuen konnte, so fällt doch der Einsatzfahrer und Maschinist dafür nicht vom Himmel. Denn dieser braucht einen Lkw-Führerschein. Doch dessen Erwerb ist teuer. Und da man diesen privat kaum braucht, auch dem treuesten Feuerwehrkameraden kaum zumutbar.

„Wenn wir eine einsatzbereite Feuerwehr haben wollen, müssen wir etwas dafür tun“, sind sich deshalb Lohmens Bürgermeister Bernd Dikau und die Gemeindevertreter einig.

Darum haben sie in den kürzlich beschlossenen Haushalt für dieses Jahr 8500 Euro zur Anschaffung neuer Einsatzbekleidung und neuer Uniformen aufgenommen. „Das sind zehnmal so viel wie im letzten Jahr “, so Dikau.

Zusätzlich dazu hat die Gemeinde jetzt pro Jahr erstmals 6 000 Euro für die Weiterbildung der Kameraden in den Doppel-Haushalt 2015/16 aufgenommen.

„Dies ist vor allem für den Erwerb des Lkw-Führerscheins durch junge Kameraden gedacht. Damit können wir im Jahr zwei Mann den Lkw-Führerschein finanzieren“, sagt der Bürgermeister. Ein Bewerber stehe schon fest, er werde im nächsten Monat seine Lkw-Führerschein-Ausbildung beginnen.

„Das soll helfen, Nachwuchsprobleme bei der Wehr zu lösen“, sagt der Bürgermeister. Im Gegenzug müsse sich der betroffene Kamerad aber verpflichten, „eine bestimmte Anzahl an Jahren im der Feuerwehr zu bleiben“, betont Dikau.

„Die Nachwuchsgewinnung von Einsatzfahrern und Maschinisten ist in vielen Freiwilligen Feuerwehren ein Problem“, weiß Landesbrandmeister Hannes Möller. In Güstrow werde es deshalb schon seit zehn Jahren so gemacht wie jetzt in Lohmen, sagt er. „Dort wird jedes Jahr ein Kamerad zum Einsatzfahrer ausgebildet.“

Die Stadt stelle dafür jeweils 2 500 Euro jährlich zur Verfügung. Er wisse, so Möller, dass es so etwas „punktuell“ auch in anderen Städten und Gemeinden gebe, „aber längst nicht überall“.

Auch Kreisbrandmeister Maik Tessin kennt Beispiele, wo Städte und Gemeinde schon in die Führerscheinausbildung von Feuerwehr-Maschinisten investieren. „Auch in Bützow, Schwaan und Lüssow-Karow ist dies so“, sagt er.

„Die Kommune ist für die Einsatzbereitschaft ihrer Feuerwehr zuständig“, so Hannes Möller. Bisher konnte ein Großteil der Fahrer noch den Lkw-Führerschein nutzen, den sie mal bei der Armee oder der „GST“ gemacht hat. Doch scheiden immer mehr ältere Kameraden, die so einen Führerschein besitzen, aus dem aktiven Feuerwehrdienst aus.

Außerdem wachse das Problem, „seitdem die Wehrpflicht generell weggefallen ist“, so Möller. Dadurch sei eine Lücke bei den Inhabern von Lkw-Führerscheinen entstanden, die sich auch bei den Freiwilligen Feuerwehren bemerkbar macht. Auswirkungen habe auch die Umstellung auf die EU-Führerscheinrichtlinie, schätzt Hannes Möller ein. „Früher durfte man mit einem Pkw-Führerschein Fahrzeuge bis 7,49 Tonnen fahren. Heute nur noch bis 3,5 Tonnen.“

Die Gemeinden und ihre Freiwilligen Feuerwehren müssen sich also etwas einfallen lassen, damit ihre Löschfahrzeuge immer einsatzbereit sind, wenn die Sirene oder der Pieper rufen.

 

zur Startseite

von
erstellt am 10.Feb.2015 | 05:00 Uhr

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Themen zu diesem Artikel:

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen